Was Sie über die künstliche Hüfte wissen sollten

Künstliches Gelenk

Heute ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in Deutschland. Rund 200.000 Mal pro Jahr bekommt ein Mensch hierzulande eine neue Hüfte. Die Auswahl an Prothesen ist groß: Es gibt sie aus Keramik, speziellen Metallen oder Plastik. Diese Materialien werden auch kombiniert in Prothesen verarbeitet. Sie sind besonders körperverträglich und zeichnen sich gleichzeitig durch eine lange Lebensdauer aus. In der Regel halten Hüftgelenksprothesen heute 15 Jahre und mehr.

Das Hüftgelenk kann komplett ersetzt werden oder in Teilen: Mancher braucht nur einen Oberschenkel-Gelenkkopf, der andere nur eine Hüftgelenkpfanne. Die meisten Patienten benötigen jedoch den kompletten Gelenkersatz. Der Standard ist also die Total-Endoprothese (TEP). Sie besteht aus dem Schaft unterschiedlicher Längen, der im Oberschenkelknochen befestigt wird. Darauf aufgesetzt ist der Hüftkopf, sowie die im Becken befestigte Hüftpfanne.

Text Ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an eine Hüftoperation ist normal
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Welches Implantat für Sie am besten geeignet ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab - etwa vom Zustand der Knochen rund um das Hüftgelenk, vom Körpergewicht, dem Alter, der gewünschten körperlichen Aktivität und Erkrankungen wie zum Beispiel einer Allergie gegen bestimmte Materialien.

Trotz aller Sicherheit und Routine befällt viele Menschen ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an diese Operation. Das ist normal. Etwas Detailwissen über den Eingriff sollte beruhigend wirken. Deswegen erklären wir Ihnen im Folgenden den typischen Ablauf eines Hüftersatzes:

  • Vor dem Eingriff unterrichtet Sie der Chirurg oder sein Assistent ausführlich über mögliche Risiken der Operation. Denn auch wenn Komplikationen immer seltener vorkommen, bestehen bei jedem Eingriff Restrisiken, zum Beispiel Blutergüsse, Nachblutungen, Infektionen, Thrombosen oder Embolien. Der Narkosearzt (Anästhesist) wird Sie ausführlich über verschiedene Narkose-Methoden und deren Risiken aufklären. Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks erfolgt meist in Vollnarkose.

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  • Zwar halten Chirurgen durch schonende Operationstechniken den Blutverlust gering, dennoch verliert der Körper bei einer Hüftgelenksoperation durchschnittlich einen halben bis einen Liter Blut. Der Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob eine Eigenblutspende vor der Operation für Sie sinnvoll ist. So kann er bei niedrigem Blutverlust auf die Übertragung von Fremdblut verzichten.

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  • Üblicherweise treffen Patienten am Tag vor der Operation im Krankenhaus ein. Spätestens jetzt finden die Aufklärungsgespräche statt, ebenso eventuell noch ausstehende Untersuchungen.

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  • Die einzelnen Operationsschritte folgen einem genau festgelegten Ablauf. Im Schnitt dauert der Eingriff zwischen einer und zwei Stunden.

    Um an das erkrankte Hüftgelenk zu kommen, setzen die Chirurgen einen Hautschnitt. Die Hüftgelenkkapsel wird geöffnet, der erkrankte Hüftkopf aus dem Bereich der Hüftpfanne ausgekugelt und dann durch Abtrennung des Oberschenkelhalses entfernt.

    Dann trägt der Arzt die zerstörten Knorpelflächen der Hüftpfanne ab. Er bearbeitet die Hüftpfanne so, dass sie eine exakte Passform für die künstliche Hüftpfanne bietet. Diese wird dann entweder eingepresst, mit speziellem Kunststoff einzementiert oder eingeschraubt.


    Um den Endoprothesenschaft im Oberschenkelknochen zu verankern, muss der Markraum des Oberschenkelknochens geöffnet werden. Der Schaft wird entweder mit oder ohne Knochenzement im Oberschenkelknochen fixiert.


    Sitzt der Endoprothesenschaft gut im Oberschenkelknochen ist fast schon alles überstanden. Auf den Hüftschaft wird nur noch ein Kugelkopf aufgesetzt.

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  • Es gibt zementierte und zementfreie Hüftprothesen. Beide haben Vor- und Nachteile. Bei einer zementierten Hüft-Endoprothese ist das künstliche Hüftgelenk sofort fest mit den Knochen verbunden und kann deshalb schon kurze Zeit nach der Operation voll belastet werden. Das stellt vor allem für sehr betagte Patienten einen Vorteil dar. Allerdings ist Knochenzement ein Fremdkörper im Organismus. Der lebende Knochen hat die Tendenz, sich vom Knochenzement zu entfernen oder sich an den Kontaktstellen zu verdünnen. Dadurch kann sich das Implantat lockern. Bei einer zementfreien Hüft-Endoprothese hingegen wächst der Knochen eigenständig an der Prothese an. Für ein schnelles und sicheres Anwachsen ist jedoch eine gute Knochenqualität wichtig. Bei dieser Operationsvariante presst der Chirurg die Hüftpfanne in den Beckenknochen ein oder verschraubt diese. Der Hüftschaft wird in den Oberschenkelknochen eingepresst. Beobachtungen zeigen, dass zementfreie Hüftprothesen länger halten als einzementierte. Allerdings dürfen Patienten mit zementfreien Hüftgelenken diese etwa zwei bis drei Monate nur zum Teil belasten.

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  • Um schnell wieder auf die Beine zu kommen, beginnt bereits ein bis zwei Tage nach der Operation die Physiotherapie. Schon am Krankenbett gilt es, erste Beuge- und Streckbewegungen im Liegen zu absolvieren. Klappt das gut, können Patienten sogar schon am ersten oder zweiten Tag nach dem Eingriff das Bett kurz verlassen. Die rasche Mobilisation ist wichtig, um die Muskulatur zu kräftigen - schließlich ist Ziel der ganzen Operation ja, dass Patienten sich schnell wieder normal bewegen können.

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  • Wichtig ist, in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen - selbst wenn keinerlei Beschwerden auftreten. Die Kontrolluntersuchungen dienen dazu, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und sie so zu verhindern. Die Nachsorgetermine tragen Sie am besten in Ihren Endoprothesenpass ein, den Sie von der Klinik erhalten. Sie sollten diesen Pass immer bei sich führen, damit Ärzte im Notfall über das künstliche Gelenk Bescheid wissen. Auch bei Sicherheitskontrollen zum Beispiel am Flughafen können Sie mit dem Ausweis sich und den Sicherheitsbeamten das Leben erleichtern.

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  • An den Klinikaufenthalt schließen sich Rehabilitationsmaßnahmen an. Welche in Ihrem Fall die besten sind, wird der Klinikarzt mit Ihnen besprechen. Die Reha kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Dank Reha wird Ihre Muskulatur nach etwa sechs bis zwölf Wochen wieder so gut aufgebaut und das Implantat sicher eingeheilt sein, dass Sie sich ohne Einschränkungen bewegen können. Bis dahin sollten Sie Ihrer neuen Hüfte zuliebe jedoch gut darauf achten, dass Sie sich richtig - also gelenkschonend - bewegen.

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Damit ist der Schwerpunkt Hüftarthrose beendet. Wie wäre es, wenn Sie jetzt den Abschlusstest wagen? Mit Ihrem Wissen sollte es kein Problem sein, die paar Fragen zu beantworten, die wir für Sie vorbereitet haben. Mit einem Klick unten rechts geht es zum Abschlusstest. Oder Sie klicken auf "Übersicht" und überprüfen, ob Sie Ihnen noch eine Lektion fehlt oder Sie das ein oder andere Thema wiederholen möchten.

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Ihr Fortschritt im Kurs Arthrose

aktualisiert am 07.03.2014, erstellt am 11.04.2014
Bildnachweis: iStock/Jan Otto, W&B / Röper

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