Bluthochdruck? Aber mir geht es doch gut

Mir geht es doch bestens

Ihr Arzt hat also Bluthochdruck bei Ihnen festgestellt. Und Sie fragen sich vielleicht nun, wie ernst die Lage ist? Ob diese Diagnose denn wirklich so schlimm ist? Ein bisschen Bluthochdruck haben doch viele Deutsche? Richtig, etwa 35 Millionen Deutsche sind betroffen. Die Hälfte davon ergeht es übrigens so wie Ihnen bis vor kurzem: Sie weiß nichts von ihrer Erkrankung.

Und die leben trotzdem, werden Sie jetzt möglicherweise sagen. Da haben Sie recht. Aber Betroffene, die ihren Bluthochdruck einfach ignorieren, leben gefährlich. Lebensgefährlich sogar.

Das glauben Sie nicht? Die folgenden drei Bluthochdruck-Patienten* haben das auch geglaubt. Wählen Sie einen aus, um zu erfahren, wie es denen ergangen ist:

Ekkehardt Wenzel, Anfang 40, ist Dachdecker und führt ein kleines Unternehmen. Das bedeutet: Viel Stress, wenig Schlaf und unregelmäßigen (sowie oft ungesunden) Mahlzeiten. Wenzel hat einen kleinen Bauch. Seinen Bluthochdruck stellte seine Frau bei ihm fest. Gleich bei der ersten Messung waren es 185 zu 95, viel niedriger wurde es auch bei nachfolgenden Messungen nicht. „Keine Zeit mich damit zu beschäftigen“, war das einzige, was Wenzel dazu sagte.

Ekkehardt Wenzel trägt gleich mehrere Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems mit sich: Stress, ungesunde Ernährung, Übergewicht und eben den Bluthochdruck. So kam, was kommen musste: Eines morgens wachte der Dachdecker mit starken Schmerzen in der Brust auf. Gott sei dank reagierte seine Frau sofort richtig und rief den Notarzt. Die Diagnose stand sofort fest: Herzinfarkt. Er hatte Glück und überlebte den Infarkt. Das ist nicht selbstverständlich, denn fast jeder zweite Herzinfarkt-Patient stirbt noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Ekkerhardt Wenzel ist geläutert. Er nimmt gewissenhaft die ihm verordneten Medikamente, hat ein paar Kilo abgenommen, macht ein bisschen Sport und versucht im Beruf kürzer zu treten. Das klappt nicht immer. Aber der gute Wille ist da.

Ruth Boskopp, Mitte 50, hat in der Vergangenheit immer wieder mal ihren Blutdruck gemessen - und es war alles in Ordnung. In den letzten Jahren machten ihr die Wechseljahre zu schaffen. Hitzewallungen, Gewichtszunahme, angenehm war das nicht. Doch nun schien diese Zeit vorbei zu sein, Frau Boskopp fühlte sich wieder bestens. Bis ihr Frauenarzt ihren Blutdruck maß und prompt Bluthochdruck feststellte. Ruth Boskopp hatte keine Lust sich damit zu beschäftigen und ignorierte die Diagnose.

Mit den Wechseljahren ändert sich der Stoffwechsel im Körper einer Frau. Das kann unter anderem dazu führen, dass der Blutdruck steigt. So war die Diagnose bei Ruth Boskopp nicht ungewöhnlich, diese jedoch zu ignorieren grundfalsch. Zusammen mit dem Übergewicht belastete der Blutdruck zunehmend ihren Körper - ohne dass Boskopp das wirklich merkte. Die weiteren Anzeichen, die auf eine krankhafte Veränderung hindeuteten - Schwindelanfälle, vermehrt Kopfschmerzen - beachtete sie genauso wenig wie den Bluthochdruck. Bis es an einem Samstagnachmittag nur wenige Minuten waren, die alles veränderten. Ruth Boskopp spürte Lähmungserscheinungen auf der linken Körperhälfte, konnte auf einmal nicht mehr richtig reden. Der Notarzt stellte einen Schlaganfall fest. Den überlebte Boskopp, die Lähmungen blieben aber zum Teil, verbunden mit einigen Einschränkungen im Alltag. "Hätte ich den Bluthochdruck doch nur ernst genommen", sagt Ruth Boskopp heute.

Dr. Erwin Guzman, selber Arzt, erfuhr von seinem Bluthochdruck (165 zu 90) ausgerechnet auf einem Mediziner-Kongress. Ein Blutdruckmessgerät-Hersteller bot dort an, die Werte messen zu lassen. Guzman ignorierte wie so mancher Arzt erstmal „das bisschen Bluthochdruck“. Möglicherweise sind die Messgeräte kaputt, meinte er. Spaßeshalber maß er ein paar Tage später nochmals bei sich selbst. Wieder zu hohe Werte. Guzman kümmerte sich erstmal nicht mehr darum.

Dass ausgerechnet ein Arzt einen Bluthochdruck verharmlost ist erstaunlich, aber kein Einzelfall. Doch auch ein Medizinstudium schützt einen nicht. Wenn der Blutdruck so hoch ist, muss das Herz kräftiger arbeiten, um das Blut in den Körper zu pumpen. Diese Belastung geht wortwörtlich auf's Herz. Erwin Guzman merkte das in Form zunehmender Kurzatmigkeit schon bei geringer körperlicher Belastung. Dieses Anzeichen nahm der Mediziner dann doch endlich ernst und ließ sich von einem Kardiologen gründlich untersuchen. Dank eines gesünderen Lebensstils und Medikamenten ist der Blutdruck jetzt einigermaßen unter Kontrolle, doch die eingeschränkte Pumpleistung bleibt - für den Rest seines Lebens.

In gewisser Weise ist es nachvollziehbar, dass Betroffene Bluthochdruck erst mal ignorieren. Es tut nicht weh, es geht einem gut. Warum sollte man sich um den Blutdruck kümmern?

Die Antwort: Weil die mittel- bis langfristigen Folgen fatal sein können. Bluthochdruck ist eine tückisches Leiden. Die Gefahr kommt durch die Hintertür, ohne dass Sie etwas merken.

In den nun folgenden Lektionen hier in der Gesundheitsakademie werden Sie erfahren, wie Sie den Tücken und Gefahren aus dem Weg gehen. Ganz ohne Ihre Mitarbeit geht das allerdings nicht.

Es gibt gute Medikamente, die helfen. Aber ein bisschen Aufwand müssen Sie schon selbst betreiben. Zum Beispiel Ihre Lebensgewohnheiten etwas ändern und ein bisschen lernen. Verstehen, was in Ihrem Körper jetzt los ist und was genau zu tun ist.

Es geht sofort los mit der ersten Lektion, in der Sie erfahren, was eigentlich der Blutdruck ist. Viel Spaß dabei.



* Namen geändert

Text Wer Bluthochdruck ignoriert, lebt gefährlich
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aktualisiert am 10.10.2016, erstellt am 23.10.2013
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