Bluthochdruck-Operationen: Diese Therapien gibt es

Bluthochdruck wegoperieren

Bei 15 bis 20 Prozent aller Bluthochdruckpatienten gelingt es trotz konsequenter Medikamenteneinnahme, Lebensstiländerung und Therapie begleitender Erkrankungen leider nicht, den Blutdruck auf gesunde Werte zu senken. Mediziner bezeichnen dies als "therapieresistente Hypertonie". Das ist erstmal frustrierend, aber sich aufgeben sollte deswegen niemand. Selbst für solche Patienten gibt es Hilfe - in Form zweier operative Verfahren, die wir hier kurz vorstellen.

Das Prinzip

Diese relativ neue Therapie haben Forscher aus Deutschland und Australien entwickelt. Nieren nehmen auf mehrfache Weise Einfluss auf den Bluthochdruck. Insbesondere die Nervenfasern, die in den Gefäßwänden der Nierenarterie zu dem Ausscheidungsorgan verlaufen, spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie zum Sympathikus-Nervensystem gehören. Dieses System steuert unbewusst ablaufende Prozesse, etwa die Ausschüttung sogenannter Stresshormone wie Adrenalin, die Herzfrequenz und die Engstellung der Gefäße. Damit hat der Sympathikus einen direkten Einfluss auf die Entwicklung und die Aufrechterhaltung von Bluthochdruck.

Indem die Nierennerven verödet werden, können sie keinen ungünstigen Effekt mehr auf den Sympathikus und damit auch den Blutdruck ausüben. Auch wenn die Nierennervenverödung erfolgreich verlaufen ist und die Werte fallen, bleiben Medikamente meist weiterhin unverzichtbarer für schwer Bluthochdruckkranke.

So funktioniert der Eingriff

Die Nierennervenverödung erfolgt per Kathetereingriff in örtlicher Betäubung und unter Gabe von Beruhigungs- und Schmerzmitteln. In die Leistenarterie eingeführt, schiebt der Arzt den Katheter - eine sehr dünne, flexible Kunststoffsonde mit einer Elekrodenspitze - bis in die Nierenarterie vor. Dort setzt er dann über den Katheter niedrigenergetischen Strom auf bestimmte Punkte in der Innenwand der Nierenarterie frei. Das verödet die Fasern des sympathischen Nervensystems, dessen Überaktivität häufig den Hochdruck verursacht. Der Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten.

Das bewirkt die Operation

Erste Studienergebnisse, veröffentlich im Jahr 2010, machten Hoffnung: 49 Hochdruckkranke, deren systolischer - also oberer - Blutdruckwert trotz Behandlung mit drei oder mehr Wirkstoffen deutlich erhöht war, unterzogen sich einer Nierennervenverödung. Bei 84 Prozent dieser Patienten sank der systolische Blutdruck nach dem Eingriff um mindestens 10 mmHg. Sechs Monate nach dem Eingriff lag dieser Wert bei 32/12 mmHg. Auch nach einem Jahr stieg der Blutdruck nicht wieder. Mittlerweile wissen die Forscher, dass der Effekt auf den Blutdruck auch noch zwei Jahre nach dem Eingriff anhält.

Inzwischen bieten viele deutsche Kliniken das Verfahren an. Die Krankenkassen tragen die Kosten für Patienten mit schwerer resistenter Hypertonie zurzeit noch. Allerdings wird das Verfahren gerade vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen bewertet - und je nach Ergebnis in Zukunft eventuell nicht mehr bezahlt.

Für wen eignet es sich?

Derzeit empfehlen Experten den Eingriffe nur, wenn andere Therapieformen nichts bringen. Ob die Behandlung für Sie eine Alternative ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt beziehungsweise Experten in ausgewiesenen Kliniken besprechen.

Der in der Praxis gemessene systolische Blutdruck muss über 160 mmHg (Diabetiker 150 mmHg) liegen - und das trotz der konsequenten, regelmäßigen Einnahme von mindestens drei Bluthochdruckmedikamenten. Zudem müssen organische Ursachen, die zu einer Blutdruckerhöhung führen können (sekundärer Bluthochdruck), ausgeschlossen sein. Die Nierenfunktion muss normal sein und die Arterie des Filterorgans darf keine Engstellen (Stenosen) oder angeborene Fehlbildungen aufweisen.

Das Prinzip

Barorezeptoren reagieren auf Dehnungen der Gefäßwand. Sie senden Signale an das Gehirn, das wiederum Signale an die Blutgefäße zur Eng- oder Weitstellung sendet und so den Blutdruck beeinflusst. Bei schwer therapierbaren Bluthochdruck kann die Empfindlichkeit des Barorezeptors verschoben sein. Signale, die den Druck in den Gefäßen senken sollen, werden dann nicht mehr gesendet. Die Barorezeptor-Stimulation gleicht das aus: Fasern, die vom Rezeptor der Halsschlagader in den Hirnstamm führen, werden elektrisch stimuliert. Das hemmt die Aktivität des Sympathikus und aktiviert den Parasympathikus, was sich direkt positiv auf den Blutdruck auswirkt.

So funktioniert der Eingriff

Für die Barorezeptor-Stimulation verschafft sich der Chirurg einen Zugang zur Halsschlagader. Im Bereich der Barorezeptoren werden Elektroden um die Halsschlagader gelegt. Diese Elektroden sind mit einem Impulsgeber verbunden, der unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut Platz findet - ähnlich wie das Gehäuse eines Schrittmachers. Wird der Barorezeptor elektrisch stimuliert, sinkt der Blutdruck innerhalb einer halben Minute. Stellt man das Gerät wieder aus, geht der Druck sofort wieder hoch.

Das bewirkt die Operation

Die ersten Daten wurden über einen Zeitraum von vier Jahren an 18 Patienten mit schwerer Hypertonie erhoben. Die Barorezeptor-Stimulation senkte langfristig den systolischen Blutdruck um 30 bis 40 mmHg und den diastolischen um etwa 20 mmHg.

Weitere Erfolge verzeichnete im Jahr 2012 eine US-Studie an 322 Patienten, deren Blutdruck Ärzte für ein Jahr nach dem Eingriff beobachteten. Durchschnittlich fielen ihre Werte um 35/16 mmHg. 55 Prozent der Patienten erreichten durch die neue Methode Werte unter 140 mmHg beziehungsweise unter 130 mmHg bei Diabetes oder bereits bestehenden Nierenschädigungen. Auch die Barorezeptor-Stimulation ersetzt die Medikamententherapie meist nicht vollständig, reduziert den Bedarf jedoch erheblich.

Für wen eignet es sich?

Die Barorezeptor-Stimulation wird bislang nur bei Patienten in Studien angewendet.

Herzlichen Glückwunsch! Das war die letzte Lektion, Sie sind sozusagen durch. Was jetzt noch fehlt? Ein kleiner Abschlusstest, bei dem Sie überprüfen können, wie gut Sie sich das Gelernte gemerkt haben. Wir wünschen gutes Gelingen.

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Ihr Fortschritt im Kurs Bluthochdruck

aktualisiert am 28.07.2014, erstellt am 25.10.2013
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