Schlaganfall

Mann greift sich an den Kopf

Schätzen Sie mal: Bei wieviel Prozent aller Schlaganfälle spielt Bluthochdruck als Risikofaktor eine entscheidende Rolle?

30 Prozent

Falsch, es sind deutlich mehr.

50 Prozent

Immer noch falsch.

90 Prozent

Tatsächlich ist es so, dass Bluthochdruck bei fast jedem Schlaganfall eine Rolle spielt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Bluthochdruck ist der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall.

Die gute Nachricht: Sie wissen um Ihren hohen Blutdruck. Und Sie lernen hier in der Gesundheitsakademie gerade, was alles zu tun ist, um die Werte im Normalbereich zu halten. Gelingt Ihnen das, senken Sie auch Ihr Risiko für einen Schlaganfall deutlich. Studien belegen, dass die frühzeitige Erkennung und Behandlung des Bluthochdrucks das Risiko für einen Schlaganfall um bis zu 40 Prozent senken kann.

Was genau ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall oder Hirninfarkt ist eine plötzlich einsetzende Funktionsstörung des Gehirns. Dazu kommt es in etwa 80 bis 85 Prozent durch den Verschluss eines hirnversorgenden Gefäßes. Die Ursache der übrigen 15 bis 20 Prozent aller Schlaganfälle ist eine Hirnblutung. Bei beiden Formen des Schlaganfalls werden Nervenzellen im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und sterben ab. Je nachdem wieviele absterben und in welchem Hirnbereich dies geschieht, können die Folgen dramatisch sein. Somit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und der Hauptgrund für eine Behinderung.

Arteriosklerose (also Arterienverkalkung) und dadurch bedingter Verschluss in einer oder beiden Halsschlagadern sind der Hauptursache der meisten Schlaganfälle. Solche Ablagerungen können sich lösen, mit dem Blutstrom in das Gehirn wandern und einen Gefäßverschluss in kleineren Blutgefäßen verursachen. Auch von anderen Orten des Körpers können Blutgerinnsel ins Gehirn wandern: Etwa ein Fünftel aller Schlaganfälle geht auf Blutgerinnsel zurück, die sich aus einem Herzkranzgefäß gelöst haben und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen.

Liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung zugrunde, sind meist Schädigungen der kleineren Blutgefäße der Auslöser - insbesondere durch jahrelang erhöhte Blutdruckwerte. Die Blutgefäße haben an Elastizität eingebüßt und können deshalb leicht reißen, wenn der Blutdruck plötzlich stark ansteigt, etwa durch körperliche Anstrengung. Das aus den Hirngefäßen austretende Blut erhöht zum einen den Druck im Gehirn, was zu Engpässen bei der Versorgung bestimmter Gehirnareale führt. Zum anderen wird auch das Hirngewebe, welches normalerweise von dem eingerissenen Blutgefäß versorgt wird, nicht mehr ausreichend durchblutet. Da die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung dann nicht mehr gewährleistet ist, können Hirnzellen absterben.

Über das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn entscheiden die ersten Stunden nach einem Schlaganfall. Jede Minute zählt, um kostbare Gehirnzellen zu retten. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall!
 Sie als Risikopatient sollten deshalb die Symptome kennen und wissen, wie im Fall der Fälle richtig zu handeln ist. Lesen Sie also bitte weiter und klären Sie auch Menschen in Ihrem Umfeld über Warnsignale und Notfallmaßnahmen auf.

Symptome

"Zeit ist Hirn" heißt es beim Schlaganfall. Je früher Sie oder Menschen in Ihrem Umfeld einen Schlaganfall erkennen, desto schneller kann geholfen werden und desto besser ist die Heilungsprognose.

Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort handeln:

  • Einseitige Lähmungen und Empfindungsstörungen

    Wenn Sie plötzlich nicht mehr in der Lage sind ein Arm und/oder ein Bein zu bewegen oder Lähmungserscheinungen in einer Gesichtshälfte auftreten. Ein weiterer möglicher Hinweis auf einen Schlaganfall ist ein plötzlich auftretendes pelziges Gefühl in einer Körperhälfte.

    1/5

  • Schwindel und Gangunsicherheit

    Setzt plötzlich Schwindel ein, jemand schwankt oder stürzt sogar ohne ersichtlichen Grund, ist dies ebenfalls ein Warnsignal für einen Schlaganfall

    2/5

  • Sprach- und Verständnisstörungen

    Je nach betroffenem Gehirnbereich können Sprach- und Verständnisstörungen in unterschiedlichen Formen Hinweise auf einen Schlaganfall sein. Der Betroffene findet plötzlich nicht mehr die richtigen Worte beziehungsweise verwechselt sie, vertauscht Silben oder Buchstaben, redet plötzlich abgehackt im Telegrammstil, lallt oder spricht undeutlich. Eventuell kann er aber auch gar nicht mehr aufhören zu reden. Manche Schlaganfallpatienten verstehen plötzlich auch nicht mehr, was zu ihnen gesagt wird.

    3/5

  • Sehstörungen

    Manche Betroffene sehen Doppelbilder und greifen deshalb daneben, wenn Sie einen Gegenstand berühren wollen. Andere sind vorübergehend blind auf einem Auge. Auch das Gesichtsfeld kann einseitig ausfallen, sodass Gegenstände oder Hindernisse auf einer Körperseite nicht mehr bemerkt werden. Störungen des räumlichen Sehens sind möglich.

    4/5

  • Plötzlich auftretender, sehr starker Kopfschmerz

    Auch das ist zuweilen ein typisches Symptom. Lähmungen, Verwirrtheit oder Ohnmacht können sich schnell zu den Kopfschmerzen gesellen.

    5/5

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Nicht nur Sie, sondern Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld sollten Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen. Denn Sie selbst könnten durch ein solches Ereignis handlungsunfähig werden.

Das ist im Notfall zu tun:

• Den Notarzt unter der Notrufnummer 112 verständigen. Geben Sie Ihren und den Namen des Betroffenen an, die Adresse des Notfallortes und eine Telefonnummer. Eventuell hat die Leitstelle noch weitere Fragen. Deshalb nie selbst auflegen, sondern immer warten, bis die Leitstelle das Gespräch beendet

• Bleiben Sie beim Betroffenen, bis der Notarzt eintrifft. Versuchen Sie beruhigend auf den Patienten einzuwirken und bringen Sie ihn möglichst mit erhöhtem Oberkörper in eine bequeme Lage. Lehnen Sie ihn am besten gegen die Wand, damit er nicht vom Stuhl fallen kann

• Lockern Sie einengende Kleidungsstücke wie Hemdkragen oder Gürtel. Eventuelle Zahnprothesen herausnehmen

• Wird der Betroffene bewusstlos, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage

• Kontrollieren Sie Atmung und Puls des Ohnmächtigen fortlaufend

• Setzt die Atmung aus, mit Wiederbelebungsversuchen beginnen (Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage). Dazu muss der Betroffene wieder auf den Rücken gedreht werden. Der Untergrund sollte hart sein, um die Herzmassage effektiv durchführen zu können

Ist der Notarzt eingetroffen, berichten Sie ihm über alle Symptome, die Ihnen beim Betroffenen aufgefallen sind.

Behandlung

Vermutet der Notarzt einen Schlaganfall hinter den Symptomen, wird er den Betroffenen sofort nach der ersten Versorgung in die nächstgelegene Klinik transportieren, die im Idealfall über eine "Stroke Unit" verfügt. Das ist eine auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisierte Abteilung. Eine Computertomographie (CT) zeigt, ob eine Hirnblutung oder ein Gefäßverschluss zu dem Schlaganfall geführt hat. Das zu wissen ist entscheidend für die weitere Behandlung im Krankenhaus.

Wenn ein verengtes Gefäß die Ursache des Schlaganfalls ist

Die Therapie besteht aus einer sogenannten Thrombolyse. Dabei werden dem Patienten Substanzen per Tropf verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen oder körpereigene Enzyme aktivieren, die dies tun. Die Thrombolyse sollte möglichst innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome erfolgen, um optimal wirken zu können.

Um die Versorgung des Hirngewebes mit Sauerstoff zu verbessern, wird dem Patienten Sauerstoff über eine Atemmaske oder eine Nasensonde verabreicht.

Wenn eine Hirnblutung die Ursache des Schlaganfalls ist

Hat eine Hirnblutung zum Schlaganfall geführt, versuchen Ärzte die Blutung zu stoppen und gefährliche Nachblutungen zu verhindern. Dazu werden dem Betroffenen Medikamente verabreicht, die die Blutgerinnung verstärken. Um den erhöhten Druck im Schädel auszugleichen, kann auch eine Operation nötig sein.

Die Rehabilitation

Je nachdem, welche Gehirnareale vom Schlaganfall betroffen waren und wieviel Gehirngewebe verloren gegangen ist, hinterlässt das Ereignis mehr oder weniger stark ausgeprägte Behinderungen. Damit die Betroffenen lernen mit den Behinderungen umzugehen und wieder einen möglichst selbstbestimmten Alltag leben können, ist die Nachsorge in einer Rehabilitationseinrichtung besonders wichtig. Zwar lassen sich abgestorbene Hirnzellen nicht ersetzen, aber möglicherweise können andere Gehirnregionen ihre Funktion ganz oder teilweise übernehmen. Je schneller spezielle Therapien einsetzen, desto besser sind die Aussichten, dass neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen, durch die Beeinträchtigungen kompensiert werden können.

Schlaganfall vorbeugen

Neben dem Bluthochdruck sind auch Bewegungsmangel, erhöhte Blutfettwerte, Alkohol- und Nikotinkonsum, Übergewicht und Fehlernährung sowie Vorhofflimmern und Diabetes Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Deshalb lautet die wichtigste Vorsorgemaßnahme: Schützen Sie Ihre Blutgefäße, indem Sie Risikofaktoren minimieren.

Halbzeit bei den Folgeerkrankungen. Vier haben Sie bereits durchgearbeitet, vier folgen noch. Sie sind sozusagen gut im Rennen. Weiter so! In der nächsten Lektion geht es um die Herzschwäche.

Ihr Fortschritt im Kurs Bluthochdruck
86%

aktualisiert am 24.07.2013, erstellt am 25.10.2013
Bildnachweis: Glow Images/Science Photo Library

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