Alpha-Glukosidasehemmer

Acarbose-Kalotte

Alpha-Glukosidasehemmer verzögern die Aufnahme von Stärke und anderen sogenannten Mehrfachzuckern im Darm. Damit helfen sie, einen starken Anstieg des Blutzuckergehalts nach dem Essen zu verhindern.

Wirkungsweise

Wie der Name schon sagt, behindert dieser Wirkstoff die Arbeit des Enzyms Alpha-Glukosidase. Dieses Enzym hilft dem Körper dabei, so genannte Mehrfachzucker - wie beispielsweise Stärke - in Einfachzucker wie Glukose aufzuspalten. Dieser Vorgang ist wichtig, denn nur Einfachzucker können durch die Dünndarmwand ins Blut aufgenommen werden. Alpha-Glukosidase-Hemmer stört die Alpha-Glukosidase und verzögert damit die Aufnahme von Glukose in das Blut. Das wiederum führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel nach einer kohlehydratreichen Mahlzeit nicht in die Höhe schießt - beispielsweise dem Verzehr stärkehaltiger Nahrungsmittel wie Brot oder Kartoffeln, aber auch Haushaltszucker. Denn die Glukose gelangt nur langsam ins Blut.


Auf die Aufnahme von Einfachzuckern ins Blut, wie etwa Traubenzucker, haben Alpha-Glukosidasehemmer allerdings keinen Einfluss.

Einnahme

Um ihre Wirkung entfalten zu können, müssen Diabetiker Medikamente mit diesen Wirkstoffen gleich zu Beginn einer kohlenhydratreichen Mahlzeit oder kurz zuvor einnehmen.

Besonderheiten

Aus der Gruppe der Alpha-Glukosidasehemmer werden die Wirkstoffe Acarbose und Miglitol eingesetzt. Da Alpha-Glukosidasehemmer Blutzucker-Spitzen nach den Mahlzeiten verhindern – der Blutzuckerspiegel nach dem Essen wird um durchschnittlich 40 bis 60 mg/dl (2,2 bis 3,3 mmol/l) reduziert –, lässt sich bei regelmäßiger Einnahme der HbA1c-Wert um etwa 0,5 bis 1 Prozent absenken.


Kommt es während der Behandlung mit einem Alpha-Glukosidasehemmer zu einer Unterzuckerung, können Diabetiker diese nur mit Traubenzucker (Einfachzucker) behandeln. Cola oder Limonaden trinken hilft nicht, denn diese enthalten Haushalts- oder Rohrzucker. Das sind Mehrfachzucker, die erst in Einfachzucker umgewandelt werden müssen. Genau das verzögern die Alpha-Glukosidasehemmer aber. Es dauert zu lange, bis die Mehrfachzucker in gesüßten Getränken den Zuckerspiegel wieder steigen lassen.

Für wen Alpha-Glukosidasehemmer in Frage kommen

Medikamente dieser Wirkstoffgruppe werden als alleiniges Medikament verschreiben Ärzte vielfach zu Beginn einer Erkrankung mit Typ-2-Diabetes, wenn Diät und Bewegung alleine kein befriedigendes Ergebnis bringen. Sie sind auch für die Kombinationstherapie mit Metformin, Sulfonylharnstoffen oder Insulin geeignet.

Nebenwirkungen

Besonders zu Beginn der Therapie treten bei mehr als 50 Prozent der Behandelten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auf wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, starke Blähungen, laute Darmgeräusche und Durchfall. Grund ist die verzögerte Verdauung der Kohlenhydrate, wodurch Fäulnisgase entstehen können.


Da Alpha-Glukosidase-Hemmer über die Leber abgebaut werden, kann die Leberfunktion beeinträchtigt werden. Deshalb sollten Patienten die Leberwerte in regelmäßigen Abständen - möglichst einmal im Quartal - im Rahmen einer Blutuntersuchung vom Arzt überprüfen lassen.

Kontraindikationen

Nicht geeignet ist die Behandlung mit Alpha-Glukosidasehemmern für Patienten mit chronischen Darmerkrankungen, schwerer Niereninsuffizienz, für Schwangere und stillende Mütter sowie für Kinder und Jugendliche.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.07.2013, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: Jmol, W&B / Röper

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