Depressionen: Für Diabetiker doppelt gefährlich

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Hätten Sie es gedacht? Erhöhter Blutzucker, Behandlung mit Medikamenten, Insulin spritzen - das schlägt vielen Diabetikern auch aufs Gemüt. Menschen mit Diabetes erkranken doppelt so häufig an einer Depression wie Stoffwechselgesunde. Rund ein Drittel der Diabetiker leidet an einer leichten bis ausgeprägten Depression. Über den Grund für diesen Zusammenhang zwischen psychischen Leiden und Stoffwechselerkrankungen gibt es bislang nur Spekulationen.

NCHOOKDer Diabetes allein dürfte aber nur in seltenen Fällen eine Depression auslösen. Der Ausbruch einer Depression hängt vermutlich von vielen Faktoren ab. Neben der Persönlichkeit und erblicher Veranlagung gehören auch die finanzielle und familiäre Situation dazu. Ebenso können Erziehung und Erlebnisse in der Kindheit einen Einfluss haben. Und manchmal treten Depressionen bei dafür veranlagten Menschen scheinbar völlig ohne erkennbare Ursache auf.

Leider bleiben Depressionen bei mehr als der Hälfte der Betroffenen unentdeckt. Das hat unterschiedliche Gründe. Viele trauen sich nicht, ihren Arzt darauf anzusprechen, wenn sie sich niedergedrückt fühlen. Einige der Symptome - darunter Schlafstörungen und Kopfschmerzen - sind typische Anzeichen für anderen Leiden, sodass weder Betroffener noch Arzt an eine Depression denken. So mancher Depressiver versucht seine Schwermut mit Überaktivität und Fröhlichkeit zu überspielen, was eine Diagnose erschwert. Dazu kommt, dass sowohl Betroffene als auch Angehörige - zuweilen sogar Ärzte - eine Depression häufig bagatellisieren. Von einem "vorübergehenden Stimmungstief" ist dann die Rede.

Für Diabetiker ist eine Depression gleich doppelt gefährlich. Zum einem hat man es mit psychischen Problemen zu tun, zum anderem vernachlässigen depressive Diabetiker häufig ihre Therapie. Mit unangenehmen Konsequenzen: Schon bei leichten depressiven Verstimmungen können sich die Blutzuckerwerte verschlechtern. Das erhöht nicht nur das Risiko für die Folgekrankheiten von Diabetes, sondern kann auch eine Depression selbst verstärken.

Psychischer Stress - also auch Sorgen und Kummer - führt zu einer ständigen Aktivierung der Stressachse. Das begünstigt unter anderem Entzündungsprozesse an den kleinen wie großen Gefäßen. Im Vergleich mit Diabetikern ohne Depressionen leiden depressive Diabetiker elf Mal häufiger unter Komplikationen an den kleinen Blutgefäßen. Die Gefahr von Schädigungen an den großen Gefäßen ist um das 2,5-Fache erhöht. Das ohnehin schon hohe kardiovaskuläre Risiko von Diabetikern wird durch eine Depression also zusätzlich erhöht.

Außerdem beeinträchtigt psychischer Stress die Wirkung von Insulin. Schlechte Blutzuckerwerte wiederum können für depressive Verstimmungen verantwortlich sein. So wird eine Negativspirale in Gang gesetzt.

Symptome

Nicht jede Stimmungsschwankung ist gleich eine Depression. Auch Trauer um Angehörige oder gelegentliche Niedergeschlagenheit sind im Leben eines Menschen normal. Nicht normal - und Hinweis auf eine Depression - ist es, wenn Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und innere Leere über Wochen bis Monate anhalten. Viele Depressive berichten von einem "Gefühl der Gefühllosigkeit". Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, eine unbestimmte, nicht fassbare Angst und Selbsttötungsgedanken sind ebenfalls häufig.

Als Diabetiker sollten Sie die Unterschiede kennen. Suchen Sie Hilfe und Rat bei einem Arzt oder Psychologen, wenn Sie feststellen, dass ein oder mehrere der folgenden Beschwerden sich (fast) täglich über mindestens 14 Tage zeigen:

• Innere Leere: Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit sind vorherrschende Gefühle. Man fühlt sich leer und ausgebrannt

• Interessenverlust: Dinge, die früher Spaß gemacht haben, und soziale Kontakte werden vernachlässigt. Stattdessen verbringt man viel Zeit im Bett oder auf dem Sofa

• Antriebslosigkeit: Man kann sich zu nichts entschließen, wägt alles ab, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Einfache Tätigkeiten, wie Blutzucker messen, bereiten große Mühe. Schwierige Dinge werden gar nicht erst angepackt. Oft können depressive Menschen ihre Arbeit nicht mehr bewältigen

• Konzentrationsstörungen: Die Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Dinge, man grübelt, kann sich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Tätigkeiten, die früher mühelos zu bewältigen waren, werden auch deshalb als sehr anstrengend und überfordernd erlebt

• Selbstzweifel: Es kommt es zu einem starken Verlust an Selbstvertrauen und zu massiven Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen. Alles scheint sinnlos. Auch Angstzustände, Gedanken an den eigenen Tod oder an Suizid (Selbsttötung) treten im fortgeschrittenen Stadium einer Depression auf

• Veränderte Mimik: Manche Depressive wirken wegen ihrer eingeschränkten Mimik und Gestik wie erstarrt. Die Stimme ist leise und monoton, der Händedruck schwach

• Körperliche Beschwerden: Bei einer Depression leidet der Körper häufig mit - manchmal sind das sogar die einzigen Anzeichen. Die Seele nutzt den Körper quasi als Sprachrohr, dass es ihr nicht gut geht. Typisch sind beispielsweise Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder starker Hunger, ein Engegefühl in der Brust, Schwindel, Kopf-, Rücken- oder andere Schmerzen, Magen- und Darmprobleme oder fehlendes Interesse an Sex.

Therapie

Wichtig ist, dass eine Depression erkannt und behandelt wird. Deswegen sollten Sie bei Verdacht auf eine Depression frühzeitig einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. Für Diabetespatienten gibt es Fachpsychologen. Welche Therapie sinnvoll ist - mit Medikamenten, eine Psychotherapie oder eine Kombination aus beidem - hängt vom Einzelfall ab.

Vorraussetzung für die erfolgreiche Behandlung ist neben einer möglichst frühzeitigen Diagnose und der passenden Therapie auch die Bereitschaft des Patienten, sich darauf einzulassen. Vor allem Antidepressiva stehen viele Menschen kritisch gegenüber. Doch diese machen weder abhängig, noch verändern sie die Persönlichkeit. Letzteres macht eher eine unbehandelte Depression.

Auch ein Gespräch mit einer Diabetesberaterin kann eine Hilfe sein. Sie kennt die typischen psychischen Problemen von Diabetikern sehr gut - und im Laufe der Zeit haben Diabetiker vielleicht ein gewisses Vertrauensverhältnis mit der Beraterin aufgebaut. Vertrauen ist bei psychischen Leiden ganz wichtig.

Der Themenblock Folgeerkrankungen ist damit beendet. Sie haben eine ganze Menge Informationen bekommen. Falls Sie sich alles merken konnten, gratulation. Wenn nicht, nicht schlimm. Das müssen Sie nicht. Den kleinen Test sollten Sie trotzdem angehen. Und in regelmäßigen Abständen die ein oder andere Folgeerkrankungen noch einmal durchlesen. Um das Wissen immer wieder mal aufzufrischen.

Der nächste Themenblock ist gleichzeitig der letzte. Sie nähern sich also dem Ende. In diesem Block wird es um diverse kleinere - aber wichtige - Themen gehen, zum Beispiel Diabetes und Sexualität, Haut- und Zahnpflege und die Möglichkeit, einen Behindertenausweis zu bekommen.

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Text rechts Deutsche leiden an einer Depression
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aktualisiert am 23.09.2014, erstellt am 24.10.2013
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