Diabetische Nephropathie

Die diabetische Nephropathie ist eine Erkrankung der Nieren. Die Nieren fungieren als Klärwerk des Körpers. Hier werden schädliche oder nicht verwertbare Substanzen, die beim Stoffwechsel anfallen, aus dem Blut gefiltert. Dazu gehören beispielsweise Harnsäure, Harnstoff und Salze. Stoffe, die der Körper braucht, wie zum Beispiel Wasser, Blutkörperchen und Eiweiß, werden in den Nieren zurückgehalten.

Daneben haben die Nieren noch weitere Funktionen: Sie regulieren den Flüssigkeits- und den Salzhaushalt des Körpers, kontrollieren den pH-Wert des Blutes, regulieren den Blutdruck und produzieren Hormone, unter anderem zur Bildung roter Blutkörperchen.

Das Risiko, eine diabetische Nephropathie zu entwickeln, ist für Typ-1- wie Typ-2-Diabetiker vergleichbar hoch. Es liegt bei 30 bis 40 Prozent. Damit zählt die diabetische Nephropathie zu den häufigsten diabetischen Folgeerkrankungen. Diabetes ist in Deutschland der Hauptgrund für ein Nierenversagen. Ohne rechtzeitige Behandlung kann die Erkrankung schließlich zum Nierenversagen führen. Dann ist ein Patient auf eine Nierenersatztherapie angewiesen. Das bedeutet, dass Betroffene mehrmals die Woche zu einer Dialyse müssen oder eine Spenderniere die Aufgaben der Blutreinigung übernimmt.

Die Dialyse ist ein aufwendiges und anstrengendes Verfahren, um das Blut mithilfe einer Maschine zu reinigen. Spendernieren sind nur schwer zu bekommen. Diabetiker sollten folglich alles unternehmen, um eine Nephropathie zu verhindern. Hier lernen Sie, was zu tun ist.

Zunächst erklärt Ihnen das folgende kurze Video den Aufbau einer Niere und wie es zu den Schäden im Organ kommt:

 

Symptome

Der Niedergang der Nieren entwickelt sich nicht plötzlich, sondern schleichend über Jahre hinweg. Das Tückische: Lange Zeit spürt ein Betroffener nichts davon, hat keinerlei Beschwerden. Erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium machen sich Symptome bemerkbar wie ...

• schäumender Urin aufgrund des erhöhten Eiweißgehalts

• Wassereinlagerungen, die sich durch Schwellungen vor allem an den Beinen und Augenlidern und in einer Zunahme des Gewichts bemerkbar machen

• Müdigkeit und Erschöpfung

• Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit

• Juckreiz

• Kopfschmerzen

• Veränderung der Hautfarbe hin zu einem milchkaffeefarbenen Ton

• Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen

• Blutarmut (Anämie)

Therapie

Wie immer bei Diabetes gilt es vor allem, den Bluzuckerspiegel konsequent zu regulieren. Bei bereits gravierend geschädigten Nieren empfehlen Experten, den Blutdruckwert etwas niedriger auf unter 125/75 mm Hg abzusenken. Den Blutdruck optimal einzustellen ist besonders wichtig.

Bei der Diagnose "Nephropathie" sollen Patienten ihren Gefäßstatus prüfen lassen - also den Zustand der Gefäße am Herz, im Auge, in den Beinen und am Hals. Denn mit dieser Diagnose steigt das Risiko für die koronare Herzerkrankung mit all ihren Folgeerkrankungen (darunter unter anderem Herzinfarkt) stark.

Sind die Nieren in ihrer Funktion beeinträchtigt, verschiebt sich zunehmend das Verhältnis zwischen den verschiedenen Cholesterinarten im Körper. Nierenpatienten sollten diese stets im Blick haben.

Ihre Nieren können Sie zusätzlich entlasten, indem Sie nicht nur möglichst fettarm essen, sondern auch stark eiweißhaltige Nahrung reduzieren wie beispielsweise Fleisch, Wurst, Fisch und Milchprodukte. Als Richtwert gilt hier: nicht mehr als 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Auch beim Salz sollten Sie den Nieren zuliebe Abstriche machen - mehr als 6 Gramm pro Tag sollten es nicht sein, wobei auch an verstecktes Salz zu denken ist, beispielsweise in Soßen und Fertiggerichten. Denn Kochsalz treibt den Blutdruck nach oben, der wiederum die Blutgefäße schädigt.

Bedenken Sie auch: Übergewicht wirkt sich ungünstig auf Blutzucker und Blutdruck aus. Starkes Übergewicht schädigt zudem direkt die Nieren. Noch ein Grund mehr, Übergewicht abzubauen.

Zur diabetischen Nephropathie gibt es unterschiedliche Einteilungen des Krankheitsverlaufs. Häufig herangezogen wird die Einteilung in fünf Krankheitsstadien nach Professor Carl Erik Mogensen, einem der führenden Experten für diabetische Nephropathie. Je nach Krankheitsstadium gibt es unterschiedliche spezielle Therapieempfehlungen, wobei Stufe 1 und 2 Vorstufen der Nephropathie sind:

  • Stadium 1 setzt mit Beginn der Diabetes-Erkrankung ein. Die Nieren vergrößern sich und sind stärker durchblutet. In diesem Stadium treten keine Beschwerden auf. Die beginnende Nierenschädigung kann noch rückgängig gemacht werden durch eine optimale Einstellung des Blutzuckers und Blutdrucks.

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  • Stadium 2 ist durch eine Verdickung der Basalmembran gekennzeichnet, wodurch die Filterleistung der Nieren nachzulassen beginnt. Es treten noch keine Beschwerden auf. Die beginnenden Schädigungen sind zum Teil noch reversibel, also heilbar. In diesem Stadium empfehlen Ärzte ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten aufgrund ihrer Schutzfunktion für die Nierengefäße zur Senkung des Blutdrucks.

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  • Stadium 3 bezeichnet den Beginn der Nephropathie. Die Nierenfunktion ist mäßig bis mittelgradig eingeschränkt, das Eiweiß Albumin wird vermehrt über den Urin ausgeschieden. Noch kann ein Fortschreiten der Nephropathie durch konsequente Therapie - unter anderem mit ACE-Hemmern und AT1-Antagonisten - verhindert werden oder lässt sich zumindest abbremsen.

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  • Stadium 4 ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Einschränkung der Nierenfunktion. Über den Urin geht nun ständig Albumin in größeren Mengen verloren. Die Nieren werden schwächer durchblutet. In diesem Stadium kann ein Fortschreiten der Erkrankung durch konsequente Therapie zumindest noch abgebremst und der Zeitpunkt einer Nierenersatztherapie hinausgeschoben werden. Allerdings müssen Patienten nun damit rechnen, dass sie irgendwann zur Dialyse müssen. Neben blutdrucksenkenden und gefäßschützenden Medikamenten sind jetzt auch Wirkstoffe nötig, die die Wasserausscheidung aus dem Körper fördern (Diuretika), sowie Substanzen, die entspannend und damit erweiternd auf die Blutgefäße wirken (sogenannte Vasodilatatoren). Eine eiweißreduzierte Kost ist unbedingt erforderlich.

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  • Stadium 5 ist die Stufe der terminalen Niereninsuffizienz. Jetzt ist die Nierenfunktion so weit eingeschränkt, dass nur noch Dialyse oder eine Nierentransplantation hilft.

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Prävention

Sie wissen ja schon: den Bluzuckerspiegel konsequent regulieren. Es hilft nichts, das ist die Hauptaufgabe, die Diabetiker meistern sollten.

Weil Symptome der Nephropathie erst in einem fortgeschrittenen Stadium auftreten, sind Vorsorgeuntersuchungen wichtig, damit Ärzte beginnende Nierenschädigungen möglichst frühzeitig diagnostizieren und behandeln können. Denn gerade im Frühstadium lassen sich krankhafte Veränderungen der Niere noch rückgängig machen.

Zwei Untersuchungen sollten Typ-2-Diabetiker deshalb gleich bei Diagnosestellung und danach regelmäßig durchführen lassen: einen Schnelltest auf das Eiweiß Albumin im Urin und eine Blut- und Harnuntersuchung auf Kreatinin, die "Kreatinin-Clearance".

Prima! Sie haben die zweite Folgekrankheit durchgearbeitet. Nach der Retino-(Netzhaut) und Nephro-(Niere) kommt jetzt noch die Neuro-(Nerven)pathie. Kurz verschnaufen, dann geht es mit einem Klick rechts unten weiter.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.07.2013, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: W&B, W&B / Röper

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