Diabetische Retinopathie

Menschen sehen mit den Augen, das ist allgemein bekannt. Wie das genau funktioniert, darüber kann man ganze Bücher schreiben. Wir erklären es Ihnen in einem kurzen Video, in dem Sie auch gleich erfahren, was es mit der diabetischen Retinopathie auf sich hat.

 

Die Netzhaut nennen Mediziner auch Retina. Sie ist so etwas wie der Chip in einer digitalen Fotokamera. Dieser Chip - auch Sensor genannt - wandelt auch das einfallende Licht in elektrische Signale um.

In der Werbung wird häufig im Zusammenhang mit Sensoren die Auflösung in Megapixel genannt. Von 12, 16 oder 24 Megapixel ist oft die Rede. Raten Sie mal, welche Auflösung der menschliche Sensor, also die Retina, hat:

16 Megapixel

Falsch. Ein Tipp: Es ist wesentlich mehr.

Um die 40 Megapixel

Falsch. Sie sind noch nicht mal nah dran.

Über 100 Megapixel

Richtig!

Etwa 140.000 Sehzellen pro Quadratmillimeter Retina arbeiten in Ihrem Auge und lesen gerade diesen Text. Und genau diese Sehzellen sind bei Diabetikern gefährdet. Denn die Netzhaut ist von zahllosen kleinsten Blutgefäßen durchzogen. Und leiden unter einem erhöhten Blutzucker. Bleibt der Blutzuckerspiegel dauerhaft hoch, verstopfen und verengen sich diese Blutgefäße, bilden Aussackungen (auch als Mikroaneurysmen bezeichnet) und werden brüchig. Bereiche der Retina erhalten nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe. Einzelne Gefäße können platzen, sodass Blut und Fette in das Retinagewebe austreten. Ein hoher Blutdruck verschärft diese Prozesse.

Text In Deutschland leben rund 15.000 Menschen, die aufgrund einer diabetischen Retinopathie erblindet sind
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Diese Vorgänge sind ein echtes Problem für Diabetiker, denn die Folgen sind verheerend. Tatsächlich sind Netzhautschäden in den westlichen Industrieländern die häufigste Ursache einer Erblindung bei 20- bis 65-Jährigen.

Sie sehen also - im wahrsten Sinne des Wortes: Diabetische Retinopathie ist ein wichtiges Thema für jeden Diabetiker, also auch für Sie. Deswegen sollten Sie typische Symptome sowie Therapie und Prävention dieser Augenerkrankungen kennenlernen.

Symptome

Je früher eine diabetische Retinopathie erkannt wird, desto besser wirken die Therapien. Leider macht sich die Erkrankung meist erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar. Erst wenn der Bereich der Makula beeinträchtigt ist oder es zu Einblutungen in den Glaskörper kommt, bemerkt der Betroffene Symptome. Einblutungen in den Glaskörper des Auges oder in die Netzhaut im Bereich der Makula erkennen Menschen dadurch, dass sie innerhalb weniger Tage nur noch verschwommen sehen, schwarze Punkte wahrnehmen - auch als "Rußregen" oder "Mückenschwärme" bezeichnet - oder dunkle Flecken und rote Schleier im Gesichtsfeld auftauchen. Eine Netzhautablösung kann sich andeuten durch Lichtblitze und Rußregen. Bei einem Makulaödem oder einer Netzhautablösung im Bereich der Makula nehmen Betroffene meist einen schwarzen Schleier vor ihrem Gesichtsfeld wahr. Bei jedem dieser Symptome heißt es: Sofort zum Augenarzt gehen.

Therapie

Eine diabetische Retinopathie lässt sich nicht heilen, aber aufhalten. Je früher die Krankheit diagnostiziert wird, desto besser sind die Aussichten, ein gutes Sehvermögen zu erhalten:

  • Liegt bereits eine Retinopathie vor, gilt es vor allem, den Blutzuckerspiegel konsequent zu regulieren. Aber nicht nur hohe Blutzuckerwerte müssen Betroffene vermeiden, sondern auch Unterzuckerungen. Diese können sich ebenfalls ungünstig auf die weitere Entwicklung der Retinopathie auswirken.

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  • Die Blutdruckwerte sollten reguliertwerden, selbst kurze Blutdruckspitzen sind ungünstig und sollten vermieden werden. Kurze Blutdruckspitzen treten etwa beim Ausüben von Kraftsport oder Heben schwerer Lasten auf und können geschädigte kleine Blutgefäße zum Platzen bringen.

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  • Stellt der Augenarzt eine Retinopathie im proliferativen Stadium oder ein Makulaödem fest, ist eine Lasertherapie - auch als Laserphotokoagulation oder Laserkoagulation bezeichnet - Therapie der ersten Wahl. Dabei wird die äußere Netzhaut gezielt mit Laserstrahlen beschossen, wodurch Netzhautgewebe punktuell verödet wird. Diese gezielte Zerstörung von Netzhautgewebe in den Randbereichen beeinträchtigt das Sehen so gut wie nicht. Der Sauerstoffbedarf im umliegenden Netzhautgewebe sinkt jedoch und damit der Reiz für die Bildung neuer Blutgefäße. So beugt diese Therapieform einer Netzhautablösung vor.

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  • Bei einem Makulaödem zielt die Laserbehandlung in erster Linie darauf ab, undichte Gefäße durch Verödung zu verschließen, um ein weiteres Austreten von Flüssigkeit zu verhindern und so ein Abschwellen der Netzhaut zu erreichen.

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  • Alternativ zur Lasertherapie können auch Injektionen mit sogenannten VEGF-Hemmern helfen. VEGF steht für "Vascular Endothelial Growth Factor", oder zu Deutsch: vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor. Diese Substanzen injiziert der Arzt unter örtlicher Betäubung direkt in den Glaskörper des Auges. VEGF sollen die Bildung neuer, schadhafter Blutgefäße in der Netzhaut verhindern. Zur Behandlung eines Makulaödems ist der VEGF-Hemmer Ranibizumab seit Anfang 2011 zugelassen. Etwa sieben Injektionen sind nötig, jeweils im Abstand von vier bis sechs Wochen.

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  • Bei einer weit fortgeschrittenen Retinopathie kann eine Glaskörper-Operation nötig werden, um das Sehvermögen wiederherzustellen oder zumindest teilweise zu erhalten. Bei diesem aufwendigen chirurgischen Eingriff (auch als Vitrektomie bezeichnet) wird der Glaskörper entfernt und der entstandene Hohlraum mit einer Ersatzsubstanz wie Silikonöl oder Gas gefüllt. Eine Vitrektomie kann beispielsweise erforderlich sein, wenn der Glaskörper durch Einblutungen dauerhaft getrübt ist oder eine Netzhautablösung im Bereich der Makula durch neugebildete, schrumpfende Blutgefäße droht, die an der Netzhaut ziehen.

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Prävention

Wie bereits gesagt: Da ein zu hoher Blutzuckerspiegel die Wurzel des Übels ist, gilt es vor allem, den Blutzucker unter Kontrolle zu halten. Außerdem spielen Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt eine entscheidende Rolle, um Netzhautveränderungen im Frühstadium zu entdecken, wenn noch kein größerer Schaden entstanden ist. Deshalb sollten Sie nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes umgehend Ihre Netzhaut von einem Augenarzt untersuchen lassen. Zu dieser Untersuchung wird zunächst ein Medikament in die Augen getropft, das die Pupillen weitet und ein Zusammenziehen der Pupillen bei Lichteinfall verhindert. Durch die "weitgetropfte" Pupille kann der Augenarzt dann die Netzhaut mit einer speziellen Lupe betrachten. Die Untersuchung tut nicht weh und sollte alljährlich wiederholt werden, wenn der Augenarzt keine krankhaften Veränderungen feststellt, ansonsten in kürzeren Abständen.

Geschafft! Die erste Folgekrankheit in diesem Themenblock ist absolviert. Am besten, Sie machen jetzt eine Pause, bevor es mit der nächsten weitergeht: die diabetische Nephropathie.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.07.2013, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: W&B, W&B / Röper

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