Ernährungsmythen entlarvt

Frau isst Spinat

Sie haben jetzt eine ganze Menge über Ernährung erfahren. Um Sie endgültig zum Spezialisten zu machen, räumen wir hier jetzt noch mit einigen Ernährungsmythen auf, die sich hartnäckig halten.

  • 1. Süßigkeiten sind für Diabetiker verboten

    Sie wissen es schon: Das stimmt nicht. Für Diabetiker gilt dasselbe wie für gesunde Menschen: Nicht mehr als zehn Prozent - also etwa 30 bis 50 Gramm - der täglichen Kalorienaufnahme sollte aus Zucker - oder besser gesagt: Kohlenhydraten - bestehen. Dabei gilt zu beachten, dass Zucker Bestandteil fast aller Nahrungsmittel ist - gerade auch Obst - und sich gerne versteckt, etwa in Fertiggerichten, Müslis und Ketchup.

    Süßigkeiten sind für Diabetiker also in Maßen erlaubt. Ihr Zuckergehalt ist für Ihre Stoffwechseleinstellung oft das geringere Problem als der meist sehr hohe Fettanteil, etwa in Vollmilchschokolade.

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  • 2. Ein träger Darm ist die Folge falscher Ernährung

    Nein, das ist nicht zwingend so. Eine ballaststoffarme Kost kann zwar mitschuldig an einer Verstopfung sein, ist aber nicht unbedingt die Ursache für einen trägen Darm. Oft stecken Nebenwirkungen von Medikamenten dahinter und auch der Diabetes selbst spielt zuweilen eine Rolle. Ihrem Darm können Sie auf die Sprünge helfen, indem Sie sich schon morgens unters Müsli Leinsamen oder Haferkleie mischen. Auch ein Glas Sauerkrautsaft kann den Darm antreiben.

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  • 3. Ein Schnaps nach dem Essen fördert die Verdauung

    Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Alkohol lockert zwar die Magenmuskulatur - so hat man den Eindruck, das Völlegefühl lasse nach. Doch der Alkohol führt dazu, dass sich die Leber erstmal nur mit dessen Abbau beschäftigt und die Fettverdauung vorübergehend einstellt. Das beste Getränk nach einem opulenten Mahl ist ein frisch aufgebrühter Kräutertee, etwa aus Pfefferminze oder Ingwer. Auch ein kleiner Verdauungsspaziergang hilft gegen Völlegefühl.

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  • 4. Spinat enthält besonders viel Eisen

    Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Doch Spinat ist kein großer Eisenlieferant. 100 Gramm des Gemüses enthalten ungefähr 3,5 Milligramm Eisen. Das ist zwar ein guter Wert, aber nicht überragend. Der Irrglaube unterliegt einem Rechenfehler: 1890 stellte der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge den Eisengehalt von getrocknetem Spinat fest. Fälschlicherweise wurden die Werte dem frischen Gemüse zugeschrieben. Dieses besteht aber zu 90 Prozent aus Wasser. Somit setzte sich das zehnmal zu hohe Ergebnis (von 35 statt 3,5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm Spinat) in den Köpfen fest. Dennoch ist Spinat sehr gesund. Er liefert dem Körper vor allem viele Ballaststoffe, Mineralien sowie die Vitamin A, C und Betacarotin.

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  • 5. Enzyme aus Ananas, Mango und Papaya verbrennen Körperfett

    Schön wär’s, aber auch das ist nur ein Ernährungsmythos. Dass Enzyme aus tropischen Früchten Fettpölsterchen zum schmelzen bringen, konnten Wissenschaftler nicht nachweisen. Enzyme sind Eiweiße, die im Magen-Darm-Trakt schnell verdaut werden. Dadurch werden sie zerstört, noch bevor sie einen Effekt auf den Fettabbau ausüben könnten. Von Diät-Programmen wie der "Ananas-Diät" und ähnlich einseitigen Abnehm-Konzepten sollten Sie gerade als Diabetiker die Finger lassen. Zum dauerhaften Abnehmerfolg ohne Jo-Jo-Effekt führt nur eine langfristige Ernährungsumstellung, fettreduzierte Kost in Kombination mit viel Bewegung.

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  • 6. Für den Muskelaufbau braucht man Eiweiß-Shakes

    Nein, Eiweiß-Shakes sind in Fitnessstudios mehr Geldmacherei als alles andere. Selbst für sportlich sehr Aktive, die vier- bis fünfmal wöchentlich eine Dreiviertel- bis eine Stunde trainieren, gilt die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilogramm Körpergewicht. Lassen Sie also die Finger von Eiweiß-Shakes - gerade als Diabetiker.

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  • 7. Kaffee entwässert

    Über Jahre hinweg wurde empfohlen, zu jeder Tasse Kaffee zum Ausgleich die gleiche Menge Wasser zu trinken. Doch heute weiß man, dass dies nicht nötig ist - denn Kaffee entwässert nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rechnet Kaffee inzwischen sogar in die tägliche Flüssigkeitsbilanz mit ein. Insgesamt sollten Sie als Erwachsener zwischen 19 und 51 Jahren täglich 2,6 bis 2,7 Liter Flüssigkeit durch Getränke und Nahrung aufnehmen. Wasser ist dabei zu bevorzugen, aber auch bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag dürfen Sie bedenkenlos genießen.

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  • 8. Fett ist böse

    Auch diesen Irrglauben müssten Sie bereits als Mythos identifizieren können, da Sie wissen: Fette sind lebenswichtig. Wer Fette rigoros von seinem Speiseplan streicht, etwa weil er abnehmen will, schadet seiner Gesundheit. Denn ungesättigte Fettsäuren schützen Herz und Gefäße. Außerdem brauchen wir diese Fette für den reibungslosen Ablauf vieler Körperfunktionen.

    Für gesättigte Fettsäuren stimmt der Ausspruch jedoch. Fettreiche tierische Produkte sollten deshalb nur hin und wieder auf den Tisch kommen.

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  • 9. Honig oder Fruchtzucker sind gesünder als Zucker

    Für Honig trifft das bedingt zu. Im Gegensatz zu Zucker enthält er Mineralstoffe und Spurenelemente, Blütenpollen und Enzyme - jedoch in geringer Konzentration. Für Sie als Diabetiker ist Honig keine Alternative zu Zucker, da er den Blutzucker genauso stark ansteigen lässt, gleich viele Kalorien hat und Karies ebenso fördert wie Haushaltszucker.

    Fruchtzucker (Fruktose) lässt den Blutzuckerspiegel zwar nur geringfügig ansteigen, trumpft aber ebenfalls mit derselben Kalorienmenge auf wie normaler Zucker. Das größte Problem von Fruchtzucker ist jedoch, dass viele Menschen ihn nicht richtig verdauen können. Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sind nach seinem Genuss deshalb keine Seltenheit. Studien haben zudem gezeigt, dass Lebensmittel mit hohem Fruchtzuckergehalt die Blutfette ungünstig beeinflussen können. Auf Obst sollten Sie aber auf keinen Fall verzichten, da es Sie mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen versorgt.

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Damit sind Sie am Ende des Themenblocks Ernährung angelangt. Prima! Und wie immer am Ende eines Themenblocks steht nun ein kleiner Test an. Damit Sie wissen, ob Sie sich auch alles gemerkt haben. Nur ein paar Fragen, das geht ganz schnell. Viel Erfolg.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 18.07.2013, erstellt am 24.10.2013
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