Glinide

Repaglinide-Kalotte

Glinide sind vom Aufbau und ihrem Wirkungsmechanismus eng mit den Sulfonylharnstoffen verwandt. Sie werden daher teilweise auch als Sulfonylharnstoff-Analoga bezeichnet.

Wirkungsweise

Ähnlich wie Sulfonylharnstoffe regen auch Glinide die Bauchspeicheldrüse zur Insulinproduktion an. Im Unterschied zu Sulfonylharnstoffen ist die Wirkung von Gliniden an den Blutzuckerspiegel gekoppelt: Je höher der Blutzuckerwert, desto mehr Insulin wird unter Einnahme von Glinid-Präparaten freigesetzt. Sinkt der Blutzuckerwert, reduziert sich auch die Insulinproduktion.

Glinide unterscheiden sich in ihrer Wirkung von Sulfonylharnstoffen auch durch eine schnellere Wirkung und eine kürzere Wirkungsdauer.

Einnahme

Glinid-Präparate werden jeweils eine halbe Stunde bis kurz vor den Hauptmalzeiten eingenommen - idealerweise 10 Minuten davor.

Besonderheiten

In Deutschland sind aus der Gruppe der Glinide Medikamente mit den Wirkstoffen Nateglinid und Repaglinid erhältlich. Da Glinide schnell wirken und die Wirkungsdauer mit etwa vier Stunden deutlich kürzer ist als die von Sulfonylharnstoffen, können sie gezielter als diese eingesetzt werden, um Blutzuckerspitzen nach den Malzeiten zu vermeiden. Auch kann problemlos eine Malzeit ausgelassen werden, ohne dass eine Unterzuckerung zu befürchten ist. In diesem Falle wird auch die Tablette weggelassen. Generell ist das Risiko einer Unterzuckerung durch Glinide im Vergleich zu einem Sulfonylharnstoff geringer.


Allerdings dürfen Ärzte Glinide nur noch in medizinisch begründeten Ausnahmefällen auf Kassenrezept verordnen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der unter anderem festlegt, welche Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden müssen, im Juni 2010 beschlossen. Begründet hat der G-BA seinen Beschluss damit, dass ein zusätzlicher Nutzen der Glinid-Therapie gegenüber den kostengünstigeren Sulfonylharnstoffen nicht nachweisbar sei.

Für wen Glinid-Präparate in Frage kommen

Wie Sulfonylharnstoffe sind auch Glinide nur für Typ-2-Diabetiker geeignet, deren Körper noch in der Lage ist, genügend Insulin zu produzieren. Repaglinid dürfen auch als Monotherapie (also als einziges Mittel) von Typ-2-Diabetikern genommen werden, die ihren Blutzuckerspiegel nur durch Diät und Bewegung nicht genügend absenken können. Nateglinid hingegen dürfen deutsche Ärzte ausschließlich in Kombination mit Metformin verordnen – und zwar dann, wenn die Therapie mit Metformin alleine nicht mehr ausreicht.


Für Typ-2-Diabetiker mit Nierenschwäche, die keine Sulfonylharnstoff-Präparate einnehmen dürfen, kommen Glinide als Ausweichmedikation in Frage. Für diese Patientengruppe darf der Arzt den Wirkstoff Repaglinid auch weiterhin zu Lasten der Krankenkasse verschreiben.


Auch für ältere Patienten, für die eine Medikation mit einem Sulfonylharnstoff aufgrund des erhöhten Risikos einer Unterzuckerung weniger geeignet erscheint, kann die Behandlung mit einem Glinid-Präparat eine Alternative sein.

Nebenwirkungen

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Gliniden zählen Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall oder Verstopfung sowie Kopfschmerzen und Sehstörungen.  Außerdem kann die Einnahme von Gliniden der Leber schaden. Deshalb sollten Patienten, die Glinide einnehmen,  die Leberfunktion regelmäßig überprüfen lassen.

Kontraindikationen

Glinide werden über die Leber abgebaut. Deshalb dürfen Patienten mit geschädigter Leber nicht mit Medikamenten dieser Wirkstoffgruppe therapiert werden. Kontraindiziert – also nicht erlaubt – sind Glinide für Schwangere und stillende Mütter. Außerdem müssen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden. So können beispielsweise kortisonhaltige sowie die Bronchialmuskulatur erweiternde  Medikamente und sogenannte Diuretika zur Senkung des Blutdrucks die Wirkung von Gliniden abschwächen, während andere blutdrucksenkende Mittel oder manche Schmerzmittel die Glinid-Wirkung mitunter verstärken.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 04.08.2014, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: Jmol, W&B / Röper

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