Herzinfarkt: Jede Minute zählt

Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland, und Diabetiker sind besonders gefährdet. Wer an Diabetes erkrankt ist, hat ein vier- bis sechsmal höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Allein das ist Grund genug, sich mit diesem Thema etwas intensiver zu beschäftigen. Es ist eine etwas längere Lektion, aber es ist wichtig. Gehen wir es an.

Das typische Bild von einem Herzinfarkt ist die eines Mannes, der sich mit schmerzverzogenem Gesicht die Hand an die Brust hält. Plötzlich einsetzende, starke Brustschmerzen sind ja das Hauptsymptom eines Infarkts.

Wirklich? Welche dieser Aussagen ist richtig:

Ein Herzinfarkt kündigt sich immer mit starken Brustschmerzen an

Falsch!

Vor allem Frauen spüren starke Brustschmerzen beim Herzinfarkt, Männer eher selten.

Falsch. Frauen spüren auch Schmerzen im Bauch.

Brustschmerzen begleiten häufig einen Infarkt, aber gerade bei Diabetikern kann er auch nahezu schmerzfrei verlaufen.

Richtig! Sie werden gleich erfahren, warum das so ist.

Gerade bei Diabetikern beginnt ein Herzinfarkt manchmal ohne oder nahezu ohne Schmerzen - nämlich wenn die Nerven durch hohe Blutzuckerwerte bereits geschädigt sind. An Symptomen bleiben dann Atemnot, Schwäche oder Ohnmacht. Man spricht von einem "stummen Infarkt". Umso wichtiger sind hier Vorsorgeuntersuchungen, um Verengungen der Herzkranzgefäße festzustellen, bevor diese einen Herzinfarkt auslösen.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich ein Herzkranzgefäß. Dadurch wird der Teil des Herzens, den diese Arterie versorgt, von der Sauerstoff- und Energiezufuhr fast oder gänzlich abgeschnitten. Ohne umgehende Therapie beginnen die betroffenen Bereiche abzusterben.

Wie schon gesagt: Diabetiker haben eines besonders hohe Risiko. Eine Reihe anderer Erkrankungen - für die Diabetiker ebenfalls eine erhöhtes Risiko tragen - verstärken die Infarkt gefahr zusätzlich, darunter Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte und Übergewicht.

Text Treten Symptome eines Herzinfarkts auf, rufen Sie bitte sofort einen Notarzt unter der Nummer 112
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Symptome

Viele Betroffene verspüren einen plötzlich auftretenden Brustschmerz, der in die Arme (meist den linken), in den Rücken, in Hals, Schulter oder Oberbauch ausstrahlen kann. Meistens äußert sich der Brustschmerz als starkes Druck- oder Engegefühl. Weitere mögliche begleitende Anzeichen sind Schweißausbrüche, Blässe, Atemnot, Übelkeit und Todesangst, möglicherweise auch Bewusstlosigkeit. Bei Frauen sind die Symptome eines Herzinfarkts oft untypischer, der Infarkt kann sich allein durch Schmerzen im Oberbauch, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen ankündigen.

Treten diese Symptome auf, rufen Sie bitte sofort einen Notarzt. Es kommt auf jede Minute an. Die verschlossene Arterie muss schnell wieder geöffnet werden, um möglichst viel Herzmuskelgewebe vor dem Absterben zu retten. Denn schon nach wenigen Minuten ohne Sauerstoffzufuhr beginnen Herzmuskelzellen in dem Bereich abzusterben, der vom Arterienverschluss betroffen ist. Deshalb ist die erste Stunde nach Auftreten der ersten Symptome besonders wichtig für die Prognose eines Herzinfarkts. Je früher die Behandlung beginnt, desto eher lassen sich Folgen des Sauerstoffmangels beheben und desto größer sind die Überlebenschancen des Betroffenen.

Oft geht einem Herzinfarkt eine Angina Pectoris voraus. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen, lässt sich mit "Brustenge" übersetzen (angere = verengen, pectus = Brustkorb). Er bezeichnet das Auftreten von Brustschmerzen, die von alleine wieder abklingen. Meist stecken dahinter verengte Stellen der Herzkranzgefäße, die bei höherem Sauerstoffbedarf - etwa bei körperlicher Anstrengung - zu einer Unterversorgung des Herzmuskels führen. Auch diese Warnsignale einer Verengung in den Herzkranzgefäßen werden von Diabetikern aufgrund von Nervenschädigungen mitunter nicht wahrgenommen.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Als Diabetiker haben Sie ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Deshalb ist es sehr wichtig die entsprechenden Erste-Hilfe-Maßnahmen zu kennen.

Da Sie damit rechnen müssen, durch einen Herzinfarkt selbst handlungsunfähig zu sein, sollten Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld im Fall des Falles wissen, was zu tun ist. Das sind die wichtigsten Maßnahmen:

• Umgehend Notarzt verständigen, Notrufnummer 112, unter Angabe des Namens, der Adresse und Telefonnummer

• Bei dem Betroffenen bleiben und ihn beruhigen, bis der Notarzt eintrifft

• Den Betroffenen in eine bequeme Lage bringen, möglichst mit erhöhtem Oberkörper

• Einengende Kleidungsstücke wie Hemdkragen oder Gürtel lockern

• Den Betroffenen bei Bewusstlosigkeit in Seitenlage bringen

• Bei Aussetzen der Atmung mit Wiederbelebungsversuchen beginnen (Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage). Dazu muss der Betroffene auf einen harten Untergrund gelegt werden

• In Gebäuden Fenster öffnen, damit frische Luft in den Raum kommt

• Falls der Betroffene ein Notfallmedikament hat (Nitrospray), dieses einsetzen.

Behandlung

Der Notarzt wird bei Verdacht auf Herzinfarkt zunächst ein Elektrokardiogramm (EKG) anlegen. Das Verfahren misst die Stromflüsse am Herzen. Mit dem EKG kann der Arzt einen Herzinfarkt meist diagnostizieren und sofort gezielt behandeln. Dazu gehört das Anlegen einer Sauerstoffmaske. Außerdem bekommt der Patient Mittel zur Beruhigung und Schmerzlinderung, zur Verbesserung der Durchblutung, zur Gefäßerweiterung und zur Verlangsamung des Herzschlags. Nach dieser Erstversorgung wird der Patient zur weiteren Behandlung umgehend in eine Klinik gebracht.

In der Klinik versuchen Ärzte meist, den Gefäßverschluss in der Herzkranzarterie mit einem Herzkatheter zu öffnen. Der Katheter ist eine feine, biegsame Kunststoffsonde, die über die Leistenarterie eingeführt und bis zum Herzen geschoben wird. Über einen winzigen, an der Katheterspitze angebrachten länglichen Ballon wird er die Engstelle soweit erweitern, dass das Blut wieder ausreichend fließt und die Herzmuskelzellen versorgt. Damit sich die erweiterte Arterie nicht wieder zusammenzieht, platziert der Arzt - ebenfalls über den Katheter - ein Metallgitterröhrchen in die Arterie. Diese Gefäßstütze wird auch als Stent bezeichnet.

Eine Alternative ist die so genannte Thrombolyse-Behandlung, zu der sich der Notarzt besonders dann entscheiden wird, wenn eine Klinik nicht schnell genug erreicht werden kann. Bei der Thrombolyse-Behandlung werden Substanzen in die Vene gespritzt, die ein Blutgerinsel auflösen.

Nach überstandenem Herzinfarkt steht üblicherweise ein Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung an. Ziel ist es hier, den Patienten nach dem einschneidenden Erlebnis Herzinfarkt wieder in den Alltag zurückzubringen. Der Schwerpunkt der Rehabilitation liegt auf Vorbeugung. Es geht darum, einen erneuten Herzinfarkt zu verhindern. Die Maßnahmen: Konsequente Behandlung eines erhöhten Blutzuckers, erhöhten Bluthochdrucks, erhöhter Blutfettwerte und von Übergewicht. Dazu gehört auch ein Bewegungsprogramm mit Ausdauertraining, eventuell ergänzt durch Krafttraining.

Nicht minder gefährlich und dramatisch verläuft die nächste Folgeerkrankung: der Schlaganfall. Genauso wie beim Herzinfarkt entscheiden mitunter Minuten über Leben und Tod. Rechts unten klicken und Sie erfahren mehr darüber.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.09.2014, erstellt am 24.10.2013
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