Schlaganfall: Im Notfall schnell handeln

Mann greift sich an den Kopf

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und Hauptgrund für eine Behinderung. Leider sind Typ-2-Diabetiker aufgrund ihres hohen Risikos für Arteriosklerose besonders gefährdet. Sie erleiden zwei- bis viermal häufiger einen Schlaganfall als Stoffwechselgesunde. Kommen neben einem erhöhten Blutzucker noch weitere Risikofaktoren hinzu, erhöht sich die Gefahr für einen Schlaganfall drastisch. So hat ein Zuckerkranker mit Bluthochdruck gegenüber einem Nicht-Diabetiker mit normalen Blutdruckwerten ein zehnfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Jeder fünfte Schlaganfall-Patient ist Diabetiker.

Sie merken also, auch mit dem Thema Schlaganfall sollten Sie sich beschäftigen. Und auch diese Lektion ist wieder etwas länger.

Text Bei den meisten Schlaganfällen ist eine verengte oder verschlossene Arterie, die Gehirnzellen versorgt, der Auslöser
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Klären wir zunächst einmal, was dieser Vorfall überhaupt ist. Unter einem Schlaganfall versteht man den plötzlichen Ausfall von Hirnfunktionen. Meist sind zwei Störungen dafür verantwortlich. In 80 Prozent der Fälle ist eine Arterie verengt oder verschlossen, die Gehirnzellen versorgt. Teile des Gehirns erhalten dadurch keinen Sauerstoff und Nährstoffe - eine lebensbedrohliche Lage. Bei 15 Prozent der Schlaganfälle führt ein Gefäßriss im Gehirn dazu, dass Blut austritt. Auch solch eine Hirnblutung ist lebensgefährlich und muss sofort behandelt werden.

Symptome

Für Sie als Mensch mit einem erhöhtem Risiko für Schlaganfall ist es sehr wichtig, die Anzeichen zu kennen. Je früher Sie - oder Ihre Angehörigen - die ersten Symptome erkennen, desto schneller kann geholfen werden. Und Zeit ist ein entscheidender Faktor, was die Heilungsprognose nach einem Schlaganfall betrifft.

Je nachdem, welche Gehirnregionen vom Schlaganfall betroffen sind, treten unterschiedliche Symptome auf:

  • Häufig sind einseitige Lähmungen und Empfindungsstörungen. So kann beispielsweise plötzlich ein Arm und/oder ein Bein auf einer Körperseite nicht mehr bewegt werden. Oder es treten Lähmungserscheinungen der unteren Gesichtshälfte einer Körperseite auf. Dabei hängt oft auf einer Seite der Mundwinkel herab. Möglicher Hinweis auf einen Schlaganfall ist mitunter auch ein plötzlich auftretendes pelziges Gefühl in einer Körperhälfte.

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  • Plötzlicher Schwindel und Gangunsicherheit bis hin zum Sturz können ebenfalls auf einen Schlaganfall hinweisen.

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  • Sprach- und Verständnisstörungen äußern sich, je nach Schwere und betroffenem Gehirnbereich, in unterschiedlichen Form. Die Symptome reichen von unklarem, verwaschenem Sprechen bis hin zum Lallen. Oder der Betroffene findet nicht die richtigen Wörter beziehungsweise verwechselt sie, vertauscht Silben oder Buchstaben, redet plötzlich abgehackt im Telegrammstil, kann nicht mehr aufhören zu reden oder ist - in seltenen Fällen - gar nicht mehr in der Lage zu Sprechen. Manche Schlaganfallpatienten verstehen plötzlich nicht mehr, was andere reden.

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  • Auch Sehstörungen, die in unterschiedlicher Form auftreten, sind oft Symptome eines Schlaganfalls. So sehen Betroffene manchmal Doppelbilder und greifen daneben, sind vorübergehend blind auf einem Auge. Oder das Gesichtsfeld - darunter versteht man den Bereich, der bei geradeaus gerichtetem Blick wahrgenommen wird - fällt einseitig aus, sodass Gegenstände oder Hindernisse auf einer Körperseite nicht mehr bemerkt werden. Störungen des räumlichen Sehens sind ebenfalls möglich.

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  • Plötzlich auftretender, sehr starker Kopfschmerz, manchmal begleitet von Übelkeit und Erbrechen, ist ein weiteres mögliches erstes Anzeichen von Schlaganfall. Weitere Symptome wie Lähmungen, Verwirrtheit oder Ohnmacht können im weiteren Verlauf dazukommen.

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Schon beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall muss sofort ein Notarzt gerufen werden! Notrufnummer 112

Zeit ist Hirn. Je früher ein Schlaganfall behandelt wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden, und umso geringer fallen mögliche Behinderungen nach überstandenem Schlaganfall aus.

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Sie wissen ja, als Diabetiker haben Sie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall. Deshalb sollten Sie auch die entsprechenden Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen. Da Sie damit rechnen müssen, durch den Schlaganfall selbst handlungsunfähig zu sein, ist es ratsam, auch Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld für den Fall der Fälle vorzubereiten.

• Notarzt verständigen - Notrufnummer 112 - unter Angabe des Namens, der Adresse und Telefonnummer. Bitte nach Angabe der Daten nicht selbst auflegen, sondern alle Fragen der Leitstelle beantworten und warten, bis diese das Gespräch beendet

• Falls Sie ein Begleiter sind: Beim Betroffenen bleiben, bis der Notarzt kommt. Den Betroffenen beruhigen, in eine bequeme Lage möglichst mit erhöhtem Oberkörper bringen, für frische Luft durch Öffnen eines Fensters sorgen

• Zahnprothese herausnehmen, falls vorhanden

• Einengende Kleidungsstücke wie Hemdkragen oder Gürtel lockern

• Den Betroffenen bei Bewusstlosigkeit in Seitenlage bringen

• Atmung und Puls fortlaufend kontrollieren

• Bei Aussetzen der Atmung mit Wiederbelebungsversuchen zu beginnen (Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage). Dazu muss der Betroffenen auf einen harten Untergrund gelegt werden

• Wenn der Notarzt eintrifft, ihn über die Symptome informieren.

Behandlung

Der Notarzt wird nach einer ersten Versorgung sofort den Transport in die nächstgelegene Klinik veranlassen, die in der Lage ist, einen Schlaganfall zu behandeln. Im Idealfall verfügt die Klinik über eine auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisierte Abteilung, auch "Stroke Unit" genannt. Dort ist der erste Schritt eine Computertomografie des Gehirns. Diese Röntgenschichtaufnahme gibt innerhalb weniger Minuten Aufschluss darüber, ob eine Blutung die Ursache ist. Entscheidend für die weitere Behandlung ist, ob eine Gefäßverengung beziehungsweise ein Gefäßverschluss den Schlaganfall ausgelöst hat oder eine Hirnblutung.

Ist ein verstopftes Blutgefäß Auslöser, besteht die Therapie aus einer Thrombolyse. Darunter versteht man das Verabreichen von Substanzen in die Blutbahn, die Blutgerinnsel auflösen oder körpereigene Enzyme aktivieren, die dies tun. Die Thrombolyse sollte möglichst innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome erfolgen, um ihre Wirkung zu entfalten. Bis zu sechs Stunden nach Einsetzen der Symptome wirkt die lokale Thrombolyse. Dazu geben Ärzte die Blutgerinnsel auflösenden Substanzen mit Hilfe einer Sonde direkt an der verstopften Stelle.

Zu den weiteren Behandlungsmaßnahmen zählen:

• das Verabreichen von Sauerstoff über eine Atemmaske oder eine Nasensonde. Dadurch wird der Sauerstoffgehalt im Blut erhöht und die Versorgung des Hirngewebes mit Sauerstoff verbessert

• Überwachung und Anpassen des Blutdrucks, der gerade bei Bluthochdruck-Patienten nicht zu stark abfallen darf, damit das Gehirn ausreichend durchblutet wird

• Überwachung und gegebenfalls Behandlung des Blutzuckerspiegels, da sich sowohl eine Unter- als auch eine Überzuckerung negativ auf den Schlaganfall auswirken

• Überwachung - und bei Bedarf Absenken - der Körpertemperatur

• Verabreichung blutgerinnungshemmender Medikamente wie beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS).

Hat eine Hirnblutung den Schlaganfall ausgelöst, kann eine Operation nötig sein.

Bei bis zu zwei Drittel aller Betroffenen hinterlässt ein Schlaganfall mehr oder weniger ausgeprägte Behinderungen, je nachdem, welche Gehirnareale betroffen waren und wie viel Gehirngewebe verloren gegangen ist. Mit diesen Behinderungen leben zu lernen - beziehungsweise sie zu mildern - ist die Hauptaufgabe der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Zwar lassen sich abgestorbene Hirnzellen nicht ersetzen, aber ihre Funktion übernehmen möglicherweise andere Gehirnregionen ganz oder teilweise.

Einem Schlaganfall vorbeugen

Da ein Schlaganfall zu 80 Prozent auf Gefäßschädigungen zurückgeht und auch bei einer Hirnblutung Gefäßschädigungen maßgeblich beteiligt sind, lautet die oberste Vorsorgemaßnahme: Schutz der Blutgefäße.

Das Risiko eines erneuten Schlaganfalls ist besonders hoch: Fast jeder dritte Betroffene erleidet einen erneuten Schlaganfall. Diese Zahl ließe sich durch eine konsequente Vorbeugung senken. Dazu gehören: Bluthochdruck behandeln, Rauchen einstellen, Blutzuckerwerte optimieren, Blutfettwerte optimieren, gewissenhaft Medikamente einnehmen.

Vorbeugungsmaßnahmen, die auch bei der nächsten Folgeerkrankung sinnvoll sind, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (auch unter der Abkürzung PAVK bekannt). Was hinter dieser komplizierten Bezeichnung steht, erfahren Sie in der nun folgenden Lektion.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 22.07.2013, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: W&B / Röper, iStockphoto/nebari

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