Verschiedene Insuline und ihre Wirkweise

Insulinvarianten

Insulin ist nicht gleich Insulin. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Insuline, die zur Therapie von Diabetes eingesetzt werden. Die Unterschiede liegen in der Wirkweise (schnell oder langsam) und Wirkdauer (kurz oder lang). Der Vorteil dieser Wirkstoffauswahl ist die Möglichkeit, eine Behandlung gezielt auf den Bedarf und die Lebensgewohnheiten eines Patienten abzustimmen.

Die erste Einteilung der Insuline erfolgt nach ihrer Herstellung. Es gibt drei Kategorien:

  • Humaninsuline


    Sie werden biotechnologisch aus Bakterien hergestellt werden und sind identisch mit menschlichem Insulin. Humaninsuline können durch Zusetzen verschiedener Substanzen in ihrer Wirkweise und Wirkdauer verändert werden. So verdanken sogenannte Verzögerungsinsuline ihre lange Wirkdauer zugesetztem Protamin, Zink oder Surfen.

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  • Insulinanaloga


    Sie werden ebenfalls biotechnologisch hergestellt. Insulinanaloga gleichen dem menschlichen Insulin weitgehend, sind jedoch in ihrer Struktur geringfügig verändert, um bestimmte Effekte zu erzielen. So gibt es Varianten, bei denen die Wirkung besonders schnell einsetzt und nur wenige Stunden anhält. Andere wirken langsam, aber lang anhaltend und gleichmäßig.


    Nicht jeder Kassenpatient bekommt jede Variante. So darf Ihr Arzt Ihnen nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen Insulinanaloga verordnen - beispielsweise wenn Sie gegen Humaninsuline allergisch sind. Eine Verordnung von Insulinanaloga auf Kassenrezept ist aber auch dann möglich, wenn die Therapie dadurch nicht teurer wird als mit kostengünstigeren Humaninsulinen. Das kann der Fall sein, wenn Ihre Krankenkasse Rabattverträge mit einem Hersteller von Insulinanaloga geschlossen hat.

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  • Tierische Insuline

    Sie sind auf dem deutschen Markt nicht mehr erhältlich. Es gibt aber einige wenige Diabetiker, die mit Allergien und Unverträglichkeiten auf die erhältlichen Humaninsuline und Insulinanaloga reagieren und nur tierische Insuline vertragen. Für sie besteht die Möglichkeit, über eine Apotheke tierisches Insulin aus dem Ausland zu beziehen. Bei nachweislicher Unverträglichkeit oder Allergie gegen Humaninsuline und Insulinanaloga übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

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Viel wichtiger als die Herstellungsart sind für Diabetiker Wirkgeschwindigkeit und Wirkdauer. Es gibt kurz wirkende Insuline, lang wirkende Insuline und Mischinsuline, die eine Mischung aus kurz und lang wirkenden Insulinen sind.

Verwirrend? Ja, ein bisschen. Aber Sie werden es schnell verstehen. Zunächst sollten Sie die einzelnen Varianten einmal genauer kennenlernen. Danach erklären wir, wozu genau diese Vielfalt gut ist:

Kurz wirkende Insuline wie ...

Humaninsuline

Ihre Wirkung setzt 10 bis 30 Minuten nach der Injektion ein. Die volle Wirkung, also das Wirkmaximum, ist 1,5 bis 3 Stunden nach der Injektion erreicht. Die Wirkung fällt danach wieder langsam ab und hält insgesamt 6 bis 8 Stunden an.

Isulinanaloga, schnell wirkend

Ihre Wirkung setzt etwa 5 Minuten nach der Injektion ein, sodass man nicht mit dem Essen warten muss. Der Höhepunkt ist nach etwa 1 Stunde erreicht, die Wirkung hält 3 bis 4 Stunden an.

Lang wirkende Insuline, auch Basalinsuline wie ...

Intermediärinsuline, auch Verzögerungsinsuline genannt

Hier setzt die Wirkung nach 40 bis 50 Minuten ein, das Wirkmaximum wird nach 4 bis 6 Stunden erreicht. Die Wirkung hält insgesamt 12 bis 18 Stunden an.

Insulinanaloga, lang wirkend

Die Wirkung setzt 2 bis 4 Stunden nach der Injektion ein. Die Wirkung verläuft gleichmäßig oder mit nur leicht erhöhtem Wirkmaximum nach 6 bis 8 Stunden, was das Risiko für eine Unterzuckerung mindert. Die Wirkdauer liegt zwischen 20 und 24 Stunden.

Mischinsuline

Bestehen, wie der Begriff schon andeutet, aus einem kurz wirkenden und einem lang wirkendem Insulin, wobei die Zusammensetzung unterschiedlich sein kann. Bei einem Verhältnis von 1:2 besteht ein Mischinsulin zu einem Drittel aus kurz wirkenden und zu zwei Drittel aus lang wirkenden Insulin.

Beachten Sie, dass die angegebenen Zeiten bis zum Einsetzen der Wirkung, bis zum Erreichen der Maximalwirkung und die Angaben zur gesamten Wirkdauer beim einzelnen Patienten stark abweichen können. Deshalb sind die Angaben nur Orientierungswerte.

Insbesondere bei Humaninsulin ist Wirkmaximum und Wirkdauer abhängig von der Dosis. Hier gilt: Je höher die Dosis, desto länger die Wirkdauer. Das Wirkmaximum wird bei einer höheren Dosis später erreicht und fällt stärker aus. Bei kurz wirkenden Insulinanaloga hat die Dosis weniger Auswirkung auf Wirkdauer und -maximum.

So, jetzt kennen Sie alle Insulinarten. In der folgenden Lektion erklären wir die Anwendung.

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Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.07.2013, erstellt am 24.10.2013
Bildnachweis: W&B/Burkhardt Röper, W&B / Röper

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