Was bei Diabetespatienten alles kontrolliert wird

Elisabeth Schnellbächer

Elisabeth Schnellbächer ist Diabetesberaterin und Vorsitzende des Verbands der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland

Im Interview erklärt Elisabeth Schnellbächer - Diabetesberaterin und Vorsitzende des Verbands der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland - welche Kontrolluntersuchungen bei Diabetikern regelmäßig anstehen. 

Frau Schnellbächer, Diabetiker müssen viel mehr auf ihren Körper achten als Gesunde. Welche Kontrollen stehen an?

Da viele Diabetiker Übergewicht haben und idealerweise ein paar Kilos abnehmen sollten, soll hier die Gewichtskontrolle an erster Stelle stehen. Das ist einfach, ohne Vorbereitung möglich und eine Waage hat fast jeder zu Hause.

Wiegen noch vor dem Blutzuckermessen?

Ja, denn es ist eine sehr wichtige Maßnahme und zudem sehr einfach. Ich empfehle einmal die Woche den Gang auf die Waage, am besten immer am gleichen Tag, gleiche Uhrzeit, nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, leicht bekleidet.

Warum nur einmal die Woche?

Bei einer vernünftigen Gewichtsabnahme rechnet man mit 500 Gramm in sieben Tagen. Wer sich also täglich wiegt, sieht kaum einen Fortschritt. Es besteht die Gefahr, dass sich Frust breitmacht.

Text Der Blutzucker spielt bei Diabetes eine zentrale Rolle
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Und jetzt der Blutzucker …

Der spielt bei Diabetes natürlich eine zentrale Rolle. Aber nicht jeder Diabetiker misst jeden Tag. Wer Insulin nimmt, muss mitunter mehrmals täglich messen, andere nur alle ein oder zwei Wochen. Nach zwei Wochen ein sogenanntes Tagesprofil zu erstellen empfehle ich aber jedem Typ-2-Diabetes-Patient.

Was ist ein Tagesprofil?

Sechs Blutzuckermessungen an einem Tag: einmal nüchtern, dann zwei Stunden nach dem Frühstück, vor dem Mittagessen, dann zwei Stunden nach dem Mittagessen, vor dem Abendessen und ein letztes Mal zwei Stunden nach dem Abendessen.

Wozu der Aufwand?

Blutzucker-Entgleisungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes treten nicht plötzlich auf, sondern kommen schleichend. Ein Blutzuckertagesprofil gibt dem Patienten die Sicherheit zu sehen, wo er im Moment mit seinem Zuckerwert steht. Da drohen keine Überraschungen beim nächsten Kontrolltermin beim Arzt oder Diabetesberater.

Arzt und Diabetesberaterin messen also auch nochmal?

Ja. Alle drei bis sechs Monate, und zwar einen exakten Wert. Blutzuckermessgeräte zur Selbstkontrolle sind nicht exakt. Die Werte können bis zu 20 Prozent vom tatsächlichen Blutzuckerwert abweichen. Der Laborwert beim Arzt oder Diabetesberater hingegen ist sehr genau.

Arztbesuche nur um den Blutzucker messen zu lassen?

Nein, bei der Gelegenheit werden auch noch ein paar andere Werte ermittelt, unter anderem der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c. Auch der Blutdruck ist eine wichtige Messgröße für Diabetiker.

Blutdruck? Was hat der mit Diabetes zu tun?

Wenn jemand zuckerkrank ist, hat er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch einen zu hohen Blutdruck. Leider erhöht Bluthochdruck das Risiko für Folgekrankheiten, das bei Diabetikern ohnehin schon hoch ist, noch einmal deutlich. Deswegen muss der Blutdruck regelmäßig gemessen werden. Mit einem modernen Messgerät ist das ganz einfach, sofern man das Gerät richtig bedient.

Gewicht, Blutzucker, HbA1c, Blutdruck - sind das alle Werte?

Noch nicht ganz. Einmal im Jahr stehen noch ein paar weitere Kontrollen an, zum Beispiel die Blutfettwerte und Kreatinin im Blut sowie Mikroalbumin im Urin bestimmen. Auch eine Augenhintergrundkontrolle beim Augenarzt darf nicht fehlen.

Wie kann man sich das alles merken?

Die Diabetesberaterinnen können das und sind stets für die Fragen der Patienten da.

Waren das jetzt alle Punkte?

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss: Kaufen Sie sich einen Schrittzähler und ermitteln damit jeden Tag, wie viel Sie laufen. Bewegung ist so wichtig für Diabetiker. Leider vernachlässigen das aber viele. Ein Schrittzähler kann richtig motivierend sein. Das haben sogar Studien gezeigt.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben den ersten Themenblock - das Grundwissen - der Gesundheitsakademie Diabetes durchgearbeitet. Sie wissen jetzt, was in Ihrem Körper falsch läuft, dass Sie diesen Umstand nicht ignorieren sollten, warum gesunde Ernährung und Bewegung so wichtig sind, was Blutzucker und Insulin sind. Und Frau Schnellbächer hat Ihnen gerade erklärt, welche Kontrolluntersuchungen immer wieder mal anstehen.

Aber haben Sie sich auch alles gemerkt? Ein kleiner Test wird es zeigen. Kleine Zwischentests werden Sie immer wieder mal finden. Keine Angst, Noten dafür gibt es nicht. Nur eine kurze Kontrolle. Kurzer Klick rechts unten, schnell die paar Fragen beantworten, und dann beginnt auch schon der zweite Themenblock: Gesunde Ernährung.

9.8

Ihr Fortschritt im Kurs Diabetes Typ 2

aktualisiert am 19.09.2014, erstellt am 21.10.2013
Bildnachweis: W&B/Ute Schmidt, W&B / Röper

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