Angst vor Medikamenten-Nebenwirkungen

Frau liest Beipackzettel

Der Bluthochdruck liegt bei Gerd in der Familie. Deshalb war es auch keine Überraschung für ihn, als der Hausarzt bei einer Routineuntersuchung zu hohe Werte feststellte. Das vom Arzt verordnete Medikament nimmt Gerd gewissenhaft ein - für genau drei Tage. Dann beschließt er, die Tabletten wegzulassen - wegen der Nebenwirkungen. Die Mittel verursachten Benommenheit und Schwindel.

Wenige Monate später kann Gerd beim Aufwachen seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Seine Frau ruft geistesgegenwärtig den Notarzt. Im Krankenhaus bessert sich sein Zustand nach wenigen Stunden. Die Ärzte erklären ihm den Vorfall: Die Attacke zeigte, dass sein Schlaganfall-Risiko deutlich erhöht ist. Ein echter Schlaganfall mit bleibenden Schäden könne jederzeit eintreten, wenn Gerd seine Blutdruckwerte nicht in den Griff bekommt. Seither nimmt er seine Medikamente gewissenhafter, auch wenn er von Zeit zu Zeit eine Tablette vergisst.

Obwohl Benommenheit und Schwindel vergleichsweise harmlose Nebenwirkungen sind, führen sie nicht selten dazu, dass Patienten eine Therapie mit Medikamenten auf eigene Faust abbrechen. Bei unserem fiktiven Bluthochdruckpatient Gerd ist das umso ärgerlicher, weil bei Bluthochdruck diese Nebenwirkungen der Arzneien schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Etwas mehr Geduld hätte ihm den Aufenthalt im Krankenhaus womöglich erspart.

Text Die Angst vor Nebenwirkungen ist fast immer unbegründet
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Mit seinem Verhalten ist Gerd kein Einzelfall. Die Angst vor Nebenwirkungen ist einer der häufigsten Gründe, die Patienten angeben, warum sie ihre Medikamente nicht nehmen. Viel wichtiger wäre hingegen: die eigene Erkrankung nicht zu unterschätzen.

Es ist schon erstaunlich: Im Beipackzettel steht schwarz auf weiß, welche unerwünschten Wirkungen während der Therapie auftreten können. Die schrecken oft erstmal ab. Was im Beipackzettel aber nicht steht, sind die unerfreulichen, zum Teil lebensgefährlichen, Folgen der Krankheit, gegen die ein Patient das Medikament eingesetzt. Bei Bluthochdruck zum Beispiel ein Schlaganfall.

Was glauben Sie: Bei welchen Krankheiten brechen Patienten am ehesten eine Therapie mit Medikamenten ab?

Bei leichten Erkrankungen, weil diese ja nicht so schlimm sind. Im Zweifelsfall hält man auch unangenehme Symptome aus.

Nein, eher nicht. Patienten wollen vor allem nicht Leiden. Sobald Beschwerden auftreten, nehmen Menschen auch gewissenhafter Medikamente.

Es geht um die Beschwerden: Sind diese kaum vorhanden, ignoriert so mancher Patient auch eine schwere Erkrankung, wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck - die erstmal kaum Beschwerden verursachen.

So ist es. Wenn eine Krankheit keine Beschwerden verursacht, ist die so einigen Betroffenen erstmal egal. Dann werden auch Medikamente häufiger auf eigene Faust abgesetzt.

Gerade bei Leiden, die an sich wenig Beschwerden machen - wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen - verdrängen Patienten gerne die Risiken der Erkrankung. Der Beipackzettel informiert nämlich nicht über die Folgen, die zum Beispiel ein unbehandelter Bluthochdruck nach sich ziehen kann: Nierenversagen, Schlaganfall oder Herzinfarkt, um nur einige zu nennen.

Bemerkenswert am Beispiel Bluthochdruck: Einige Blutdruckmittel listen Potenzprobleme als unerwünschte Wirkung auf dem Beipackzettel - was viele Männer davon abhält, die Mittel zu nehmen. Was die Patienten dabei übersehen, ist, dass auch der Bluthochdruck selbst zu Impotenz führen kann. Der Grund: Zu hoher Druck lässt die Blutgefäße verkalken, die den Penis versorgen.

Und warum Nebenwirkungen sogar ein gutes Zeichen für die Wirksamkeit eines Medikaments sein können, erfahren Sie in der nächsten Lektion.

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Ihr Fortschritt im Kurs Medikamente richtig einnehmen

aktualisiert am 10.09.2014, erstellt am 04.06.2014
Bildnachweis: Glow Images/Boissonet/BSIP, W&B / Röper

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