Dem Arzt die Migräne erklären

So erklären Sie ihrem Arzt ihre Migräne

Unbedingt genau erklären: Wo schmerzt es im Kopf, wie, wann und wie lange

Egal, ob es Ihr erster Besuch beim Arzt ist, oder ein Folgetermin, folgende Aussage gilt immer:

Das Gespräch mit dem Arzt ist das wichtigste Untersuchungswerkzeug.

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Text rechts konsultieren nicht einen Arzt, sondern behandeln ihre Kopfschmerzen eigenständig
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Deswegen sollten Sie bei anhaltenden oder wiederkehrenden Kopfschmerzen - egal ob in Form von Migräne oder nicht - einen Arzt aufsuchen. Ein guter Arzt kann Ihnen helfen. Ein guter Arzt wird ausreichend Zeit investieren, um sich mit Ihrem Leiden zu beschäftigen. Zeit ist in der modernen Medizin ein knappes Gut. Aber ein guter Arzt nimmt sich die Zeit. Er wird Sie erzählen und ausreden lassen. Er wird sich tiefgehend für Ihren Kopfschmerz interessieren. Ohne detaillierte Informationen über den Ablauf und das Ausmaß ihrer Kopfschmerzen kann der Arzt keine genaue Diagnose stellen. Diese ist aber von entscheidender Bedeutung. Migräne wird in sechs Hauptformen und 16 Unterformen untergliedert. Insgesamt unterscheidet die Medizin heute über 252 Formen von Kopfschmerz. Ausführliche Informationen über den Ablauf Ihrer Migräne sind deshalb der wichtigste Schritt für eine erfolgreiche Kopfschmerzbehandlung. Bereiten Sie sich also gut auf das Gespräch vor.

Dabei hilft es, wenn Sie sich in Ruhe Notizen zu den unten aufgelisteten Fragen machen.

  • Wo haben Sie Schmerzen?

    Beschreiben Sie möglichst exakt, wo Sie den Schmerz fühlen: Am ganzer Kopf oder auf einer Kopfhälfte? Wandert der Schmerz oder breitet er sich aus? Tritt er während einer Attacke an verschiedenen Stellen auf? Verläuft dieses Schmerzempfinden bei den einzelnen Attacken immer gleich?

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  • Wie fühlt sich der Schmerz an?

    Versuchen Sie dem Arzt zu erklären, wie Sie den Schmerz empfinden: Ist der Kopfschmerz zum Beispiel eher drückend, stechend, hämmernd oder pochend? Fühlt es sich so an, als ob jeder Pulsschlag den Kopfschmerz verstärkt, er quasi parallel zum Puls wellenförmig verläuft? Haben sich die Kopfschmerzen verändert, fühlen sie sich vielleicht seit einiger Zeit anders an, als für gewöhnlich? Wie stark ist der Kopfschmerz? Ist vielleicht jede Aktivität unmöglich, weil sich der Schmerz dadurch verstärkt? Sind Sie durch die Schmerzen im Arbeitsleben oder ihren alltäglichen und sozialen Aktivitäten behindert?

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  • Begleiten noch andere Beschwerden den Kopfschmerz?

    Schildern Sie dem Arzt, was Sie neben den Kopfschmerzen während einer Attacke noch quält: Wird ihnen unter dem Migräne-Anfall schlecht, an Essen ist nicht zu denken oder müssen Sie sich sogar übergeben? Vertragen Sie keinen Lärm und ziehen Sie sich am liebsten in ein abgedunkeltes Zimmer zurück, weil selbst Licht Sie dann quält? Oder werden Sie geruchsempfindlich während der Kopfschmerz in Ihnen wütet?

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  • Wie oft treten die Kopfschmerzen auf und wie lange dauern sie an?

    Versuchen Sie sich zu erinnern, seit wann und wie oft Sie schon solche Kopfschmerzen hatten: Wie häufig kommen sie wieder - täglich, einmal pro Woche, zweimal im Monat, regelmäßig oder unregelmäßig? Treten die Kopfschmerzen vielleicht seit einiger Zeit häufiger auf? Wie lange hält so eine Kopfschmerzattacke an? Schlafen Sie dabei vielleicht ein und der Schmerz ist weg, wenn Sie wieder erwachen?

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  • Wann treten Ihre Kopfschmerzen auf?

    Probieren Sie zu reflektieren, wann es bei Ihnen meistens zu Kopfschmerzen kommt: Ist das vielleicht oft der Fall, wenn Sie beruflich oder privat sehr unter Druck stehen? Oder wenn Sie schlecht geschlafen haben, sie traurig sind, ihre Periode bekommen oder bestimmte Lebensmittel gegessen haben? Können Sie vielleicht ein Muster erkennen, wann die Migräne bei Ihnen meistens zuschlägt?

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  • Wie behandeln Sie Ihre Kopfschmerzen?

    Viele Kopfschmerzen sind harmlos und können bei gelegentlichem Auftreten gut mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden: Haben Sie solche Mittel bereits eingenommen? Mit welchen haben Sie gute Erfahrungen gemacht und welche haben nicht gegen die Kopfschmerzen geholfen? Wann nehmen Sie ein Schmerzmittel ein: Bereits bei den ersten Anzeichen der Kopfschmerzen oder erst nach einigen Stunden? Wie oft nehmen Sie Schmerzmittel ein und welche Präparate sind das? Brauchen Sie diese vielleicht sogar mehr als zehn Mal pro Monat? Greifen Sie auch noch zu anderen Wirkstoffen als Schmerzmitteln, um ihre Migräne zu bremsen, etwa übelkeitlindernde Medikamente? Was haben Sie schon alles zur Selbstbehandlung Ihrer Migräne versucht? Probieren Sie auch Attacken vorzubeugen? Bei der Beantwortung der beiden letzten Fragen zählen auch nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren, wie etwa Entspannungsmethoden, Akupunktur, Fasten und so weiter.

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  • Wie fühlen Sie sich kurz vor der Kopfschmerz-Attacke?

    Schildern Sie dem Arzt möglichst genau, wie sich ein Migräne-Anfall bei Ihnen anschleicht: Haben Sie kurz davor Seh- oder Sprachstörungen? Wie äußern sich diese? Fühlt sich Ihr Körper komisch an, weil es zum Beispiel im Arm kribbelt oder sogar kurze Lähmungserscheinungen auftreten? Können Sie sich kurz vor den Kopfschmerzen noch gut orientieren oder ist Ihnen vielleicht schwindelig und Sie haben Gleichgewichtsprobleme? Übermannt Sie große Schwäche, bevor der Kopfschmerz einsetzt? Wie lange sind solche oder andere Beschwerden aufgetreten? Versuchen Sie sich an sämtliche Auffälligkeiten zu erinnern, die Sie vor einer Migräneattacke schon wahrgenommen haben.

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  • Wie steht es sonst um Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie?

    Der Arzt muss sicherstellen, dass Ihre Kopfschmerzen nicht aus einer Grunderkrankung resultieren: Haben Sie außer Ihren Kopfschmerzen aktuell noch weitere gesundheitliche Probleme? Müssen Sie regelmäßig Medikamente einnehmen? Unter welchen Krankheiten haben Sie bereits gelitten und haben sich eventuell Komplikationen ergeben? Hatten Sie Unfälle oder Verletzungen, sind Sie zum Beispiel auf den Kopf gefallen? Welche? Leidet ein angehöriger unter Migräne oder einer anderen Schmerzerkrankung? Treiben Sie Sport und wie oft? Gestatten Sie sich immer wieder Auszeiten vom stressigen Alltag? Wie ernähren Sie sich? Trinken Sie regelmäßig Alkohol oder rauchen Zigaretten? Wie oft und wie viel? Haben Sie seelische Probleme, Konflikte in der Partnerschaft oder im Job? Stehen Sie unter Dauerstress?

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  • Keine Scheu vor persönlichen Fragen

    Die bis hierhin aufgeführten Fragen sind zum Teil sehr persönlich. Auf den ersten Blick ist Ihnen vielleicht unverständlich, warum der Arzt so vieles von Ihnen wissen möchte, was doch scheinbar nichts mit Ihren Kopfschmerzen zu tun hat. Dennoch sollten Sie auch sehr persönliche Fragen ehrlich beantworten. Seien Sie möglichst offen, damit der Arzt sich ein umfassendes Bild von Ihnen und Ihren Schmerzen machen kann. Das hilft ihm, Ihre Erkrankung genau einzuordnen und die beste Behandlung für Sie zu finden.

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  • Nur Ihre eigenen Beobachtungen schildern


    Zum Abschluss: Schildern Sie zunächst nur Ihre eigenen Beobachtungen rund um Ihren Kopfschmerz. Versuchen Sie diese möglichst neutral zu beschreiben. Interpretieren Sie nicht und vermischen Sie Ihre eigenen Beobachtungen nicht mit der Meinung anderer Menschen. Wenn Sie bereits bei mehreren Ärzten wegen Ihres Leidens waren, versuchen Sie deren Erklärungsversuche über Ihre Kopfschmerzen und deren Ursache auszublenden. Wenn ein Arzt zum Beispiel schon mal angenommen hat, dass Ihre Kopfschmerzen von Problemen mit der Halswirbelsäule herrühren und Sie damit das Gespräch beim nächsten Arzt eröffnen, könnte das zu einer Voreingenommenheit bei diesem Mediziner führen. Womöglich irrtümliche Erklärungsversuche aus der Vergangenheit werden dann vielleicht fälschlicherweise weitergeführt, führen auf die falsche Fährte und damit zu einer unbefriedigenden Therapie.

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So, in der Theorie wissen Sie jetzt, wie ein guter Arztbesuch abläuft. In der nächsten Lektion wird es um das Schmerztagebuch gehen - das wichtigste Werkzeug, um auch in der Praxis alles richtig zu machen. Denn es ist fast unmöglich ist, sich all die Angaben über einen Kopfschmerzanfall zu merken. Schmerzen werden generell schnell vergessen. Halten Sie diese Angaben deswegen in einem Kopfschmerztagebuch fest. Wie das geht und was Sie dort alles aufschreiben sollten, erfahren Sie in der nächsten Lektion.

Ihr Fortschritt im Kurs Migräne
37%

aktualisiert am 23.06.2014, erstellt am 09.07.2014
Bildnachweis: Your Photo Today/BSIP, W&B / Röper

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