Die Rolle der Hormone bei Osteoporose

Wichtige Hormondrüsen des menschlichen Körpers ZNS Zierbeldrüse Hirnanhangdrüse Schilddrüse Nebenniere Eierstöcke Hoden

Hormone sind körpereigene Botenstoffe. Sie steuern und beeinflussen verschiedene Vorgänge im Körper, zum Beispiel die Funktion von Organen. Hergestellt werden diese Botenstoffe in den Hormondrüsen, von denen es mehrere im Körper gibt. Die Grafik links zeigt die wichtigsten Hormondrüsen. Gehen Sie mit dem Mauszeiger (oder mit dem Finger auf einem Tablet-PC) über die Plus-Zeichen, um Details zu erfahren.

Auch beim Knochenstoffwechsel spielen Hormone eine wichtige Rolle. So wichtig, dass es ein eigenes Hormonsystem nur für die Knochen gibt. Vor allem die folgenden drei "Knochenhormone" steuern den Knochenstoffwechsel maßgeblich mit:

  • Parathormon: Es stammt aus den Nebenschilddrüsen
  • Vitamin-D-Hormon: Ein Produkt des Stoffwechsels
  • Kalzitonin: Aus der Schilddrüse

Ihre Aufgabe: Dafür Sorge zu tragen, dass genügend Kalzium in die Knochen eingebaut wird.

Im Folgenden erklären wir Ihnen das Zusammenspiel der Hormone. Zugegeben: Das ist ein bisschen kompliziert. Sie müssen das nicht unbedingt wissen. Falls Ihnen also dieser kleine Ausflug in die Stoffwechselphysiologie des Menschen zu viel des Guten ist, überspringen Sie diesen Part und klicken gleich rechts unten auf die nächste Lektion.

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  • Parathormon: Reguliert Kalzium

     

    Das Parathormon wird in den vier Nebenschilddrüsen gebildet. Diese Drüsen sind nicht größer als ein Weizenkorn und befinden sich an der Rückseite der Schilddrüse, unterhalb des Kehlkopfs. Das Parathormon überwacht den Kalziumspiegel im Blut. Für den Organismus ist es wichtig, dass dieser Spiegel konstant bleibt. Sinkt der Kalziumwert, produzieren die Nebenschilddrüsen mehr Parathormon. Je niedriger der Kalziumspiegel im Blut, desto mehr Parathormon wird ausgeschüttet.

     

    Damit der Kalziumspiegel steigt, bewirkt das Parathormon folgendes:

    • Es aktiviert das Vitamin-D-Hormon, damit mehr Kalzium über den Darm aus der Nahrung aufgenommen wird

    • Es signalisiert Niere, Kalzium nicht über den Urin auszuscheiden, sondern wieder in den Blutkreislauf zu bringen

    • Es regt den Knochenabbau an, damit aus dem Knochenspeicher Kalzium herausströmt

    Und warum regt das den Knochenabbau an?


    Die Ausschüttung von Parathormon stimuliert immer auch die Osteoklasten, die Knochenfresszellen. Sie sind für den Knochenabbau verantwortlich, wenn der Knochen nicht ausreichend belastet wird oder der Knochenstoffwechsel gestört ist.

     

    Der Vorteil: Die Fresszellen lösen auch Kalzium aus dem Knochen und führen es dem Blutkreislauf wieder zu. So kann der Kalziumspiegel steigen. Parathormon in niedriger Konzentration kann deshalb einen sogenannten Knochenanbau bewirken.

    Deshalb wird es in manchen Fällen bei Osteoporose auch als Medikament eingesetzt.

     

    Der Nachteil: Eine zu hohe Konzentration von Parathormon stimuliert den Knochenabbau. Im menschlichen Hormonhaushalt können schon kleinste Mengen große Veränderungen bewirken. Es ist daher wichtig, dass auch der Wert des Parathormons möglichst ausgeglichen ist.

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  • Vitamin D: Baut Kalzium in den Knochen

     

    Der Name ist etwas irreführend. "Vitamin D" meint eine ganze Substanzfamilie. Wichtig für den Knochenstoffwechsel sind Vitamin D3 und das Vitamin-D-Hormon. Dieses entsteht erst, wenn Vitamin D3 im Körper umgewandelt wird. Vitamin D3 ist sehr wichtig für den Knochenstoffwechsel, hat jedoch einen großen Nachteil: Man kann es nur teilweise über die Nahrung aufnehmen und nicht in größeren Mengen, wie das bei anderen Vitaminen der Fall ist.

     

    Für Vitamin D3 braucht der Körper Sonne. Durch die ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts wird es in der Haut gebildet und anschließend in den Fettdepots des Körpers aufbewahrt. Bei Bedarf wandelt die Niere diese Speicherform in das aktive Vitamin-D-Hormon um.

     

    Der Vitamin-D-Speicher ist wichtig, damit der Körper auch in den sonnenarmen Wintermonaten ausreichend versorgt ist.

     

    Das Vitamin-D-Hormon beteiligt sich am Knochenstoffwechsel, indem es:

    • im Darm die Aufnahme von Kalzium ins Blut anregt

    • dadurch veranlasst, das mehr Kalzium in die Knochen eingebaut wird

    • das Ausscheiden von Kalzium über die Niere reduziert

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  • Kalzitonin: Der Schutzmechanismus

     

    Eine zu hohe Konzentration von Parathormon oder Vitamin-D-Hormon lässt den Kalziumspiegel in die Höhe schnellen. Im Hormonsystem verbreitet sich dann das Signal: Zu viel Kalzium, unbedingt regulieren. Daraufhin schüttet der Körper vermehrt Kalzium aus, beziehungsweise diese durch die Osteoklasten frei. Das beschleunigt den Knochenabbau.

     

    Zum Schutz davor bilder die Schilddrüse das Hormon Kalzitonin (auch Calcitonin geschrieben) gebildet. Es fungiert als Gegenspieler und gleicht zu große Mengen Parathormon oder Vitamin-D-Hormon wieder aus.

     

    Das Hormon aus der Schilddrüse:

    • hemmt übermäßigen Knochenabbau

    • regt knochenbildende Zellen (Osteoblasten)

    • senkt den Kalziumgehalt im Blut wieder, sollte dieser zu hoch sein

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  • Der Einfluss der Sexualhormone

     

    Zu den bekanntesten Sexualhormonen zählen Östrogen (bei Frauen) und Testosteron (bei Männern). Sie haben keinen direkten Einfluss auf den Knochenstoffwechsel. Ein Mangel kann jedoch bei beiden Geschlechtern Osteoporose auslösen.

     

    Deshalb sind zum Beispiel Frauen in und nach den Wechseljahren gefährdet, an Osteoporose zu erkranken. Während der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel und führt häufig zu einem Östrogenmangel. Infolgedessen wird allerdings der Knochenstoffwechsel angekurbelt. So steigt zum Beispiel die Konzentration von Parathormon im Blut, in den Knochen setzen Osteoklasten vermehrt Kalzium frei. Darauf steigt der Kalziumgehalt im Blut kurzfristig und signalisiert an Nieren und Magen-Darm-Trakt: Es ist genug Kalzium vorhanden. Fatal: Denn jetzt scheiden die Nieren vermehrt Kalzium aus, während der Darm keines mehr aus der Nahrung aufnimmt. Gleichzeitig wird zu wenig Kalzitonin ausgeschüttet, um den Knochen zu schützen.

     

    Diese Kettenreaktion lässt sich oft nicht mehr stoppen, die langfristige Folge sind schwerer Kalziummangel, Verlust der Knochendichte und Osteoporose.

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  • Weitere Hormone

     

    Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin wirken indirekt auf den Knochenstoffwechsel. Zu viele Hormone aus der Nebenniere, wie zum Beispiel Kortisol, können einen ähnlichen Knochenabbau bewirken wie ein Östrogenmangel. Auch eine Behandlung mit Kortison, etwa bei Asthma oder Rheuma, löst mitunter Osteoporose aus. Es ist deshalb wichtig, bei solchen Krankheit nicht zu lange und mit möglichst geringen Mengen Kortison zu behandeln.

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So, das war jetzt nicht ohne. Selbst bei so manchem Biologen oder Mediziner dürfte jetzt der Kopf vor Anstrengung etwas rauchen. Auf der anderen Seite: Mal zu verstehen, was im Inneren des eigenen Körpers eigentlich so passiert, sollte auch dem ein oder anderen Laien faszinieren.

Die nun folgende Lektion wird wieder etwas entspannter und beschäftigt sich mit dem Problem latenter Kalziummangel – in Deutschland einer der Gründe, warum soviel Menschen unter Osteoporose leiden.

Ihr Fortschritt im Kurs Osteoporose
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aktualisiert am 08.04.2015, erstellt am 15.05.2015
Bildnachweis: W&B

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