Medikamente, die den Knochenabbau hemmen

3D-Ansicht vom Wirkstoff Ibandronsäure

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Für Patienten ist ein Wirkstoff nur ein Name. Und wie das so ist: Ein Name ohne Gesicht kann man sich nur schlecht merken. Ein Gesicht können wir den Wirkstoffen zwar nicht geben. Aber wir zeigen Ihnen, wie Chemiker diese kleinen Moleküle am Computer sichtbar machen – in Form sogenannter Strukturmodelle. Im Beispiel oben sehen Sie das Bisphosphonat Ibandronsäure, das bei Osteoporose zum Einsatz kommt

In dieser Gruppe werden am häufigsten Bisphosphonate verschrieben, weil sie sich für alle Formen von Osteoporose eignen, bei Männern und Frauen zum Einsatz kommen und die Wirkung gut belegt ist. Bisphosphonate ähneln in ihrer chemischen Struktur  dem Knochen und binden sich an seine Substanz. Auf diese Art bilden sie eine Art Schutzhülle und werden bei Knochenabbau von den Osteoklasten aufgenommen – das sind die für den Abbau zuständigen Zellen. Weil Bisphosphonate den Zellstoffwechsel und die Aktivität der Osteoklasten hemmen, während gleichzeitig der Knochenaufbau weitergeht, verbessert sich die Knochendichte in der Regel deutlich.

Ein weiterer Pluspunkt: Patienten können Bisphosphonate als tägliche, wöchentliche oder monatliche Tablette einnehmen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit für eine jährliche Infusion oder einen Vierteljahresspritze.

Ebenfalls oft verschrieben werden selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren, kurz SERM. Sie kommen nur für Frauen infrage und verringern genau wie Bisphosphonate den Abbau von Knochenmasse. Allerdings ist ihre Wirkweise eine völlig andere: Statt eine Schutzschicht um die Knochen zu bilden, bremsen SERM die Aktivität der knochenfressenden Zellen direkt. Sie imitieren dazu die Wirkung des Hormons Östrogen, das hemmende auf Osteoklasten wirkt. Mit der Menopause entfällt dieser Effekt, was eine der Hauptursachen für Osteoporose bei Frauen darstellt.

Obwohl SERM keine Hormone sind, beeinflussen sie die Östrogen-Rezeptoren an den knochenabbauenden Zellen und hemmen so deren Aktivität. Weil sie – wie der Name schon sagt – selektiv sind, beeinflussen sie dabei nur die Knochensubstanz, nicht aber das Brustgewebe oder die Gebärmutterschleimhaut. Östrogene hingegen würden auch dort wirken. Ein Nebeneffekt der SERM-Therapie ist, dass sie das Brustkrebsrisiko senkt. Allerdings kann sie – genau wie die Gabe von Hormone – das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien steigern. Die bekanntesten Mittel im Handel sind Raloxifen und Bazedoxifen.

SERM und Bisphosphonate sind die wichtigsten Wirkstoffe aus der Gruppe der Medikamente, die den Knochenabbau hemmen. Daneben gibt es aber noch eine Reihe weiterer. Zum Beispiel Calcitonin, ein Hormon, das maßgeblich an der Regulation des Knochenstoffwechsels beteiligt ist. Es wird unter die Haut gespritzt oder als Nasenspray eingenommen und hemmt die Osteoklasten. Allerdings verursacht es häufig starke Nebenwirkungen wie Erbrechen und Hitzewallungen, weshalb es sich eher zur akuten Schmerzbekämpfung als für eine dauerhafte Therapie eignet. Dem Vergleich mit Bisphosphonaten und SERM hält es in Studien zur Wirkung aber ohnehin nicht stand. Allerdings wirkt es sehr schmerzlindernd, vor allem nach frischen Knochenbrüchen.

Auch Denosumab wollen wir an dieser Stelle noch nennen. Der Name dieses Medikaments steht für einen monoklonalen RANKL-Antikörper. Das ist ein Eiweißstoff, der die Aktivität der Osteoklasten hemmt. Er wird zweimal im Jahr unter die Haut gespritzt und dient oft als Basis für eine Anschlussbehandlung mit Bisphosphonaten.

Die nun folgende Lektion behandelt Arzneien, die den Knochenaufbau fördern.

Ihr Fortschritt im Kurs Osteoporose
89%

aktualisiert am 20.07.2015, erstellt am 15.05.2015
Bildnachweis: W&B / 3Dmol

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