Medikamente, die den Knochenaufbau fördern

3D-Ansicht vom Wirkstoff Parathormon

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Für Patienten ist ein Wirkstoff nur ein Name. Und wie das so ist: Ein Name ohne Gesicht kann man sich nur schlecht merken. Ein Gesicht können wir den Wirkstoffen zwar nicht geben. Aber wir zeigen Ihnen, wie Chemiker diese kleinen Moleküle am Computer sichtbar machen – in Form sogenannter Strukturmodelle. Im Beispiel oben sehen Sie das Parathormon, das bei Osteoporose zum Einsatz kommt

Medikamente, die den Aufbau der Knochen fördern, werden insgesamt seltener verschrieben als solche, die den Abbau hemmen. Das Spektrum der Wirkstoffe ist weniger breit, manche Medikamente sind umstritten, noch in der Entwicklung oder haben sich nicht bewährt.

So zum Beispiel Fluoride, die lange als das Mittel schlechthin zur Behandlung von Osteoporose galten. In den 1960iger-Jahren schloss man aus der Beobachtung, dass Fluorid-Vergiftungen zu einer Verdichtung der Knochen führen. Das tun sie auch – allerdings erhöhen sie bei zu hoher Dosis trotzdem die Brüchigkeit. Seit Anfang der 1990iger-Jahre Studien diesen Effekt belegten, sind Fluoride nicht mehr das Mittel der Wahl. Verschreibt ein Arzt sie dennoch, dann nur unter Begleitung von regelmäßigen Blutkontrollen und Therapiepausen zwischendurch. Denn die Gefahr, dass sich bei einer Überdosierung die Knochenqualität noch weiter verschlechtert ist groß.

Eine zweite Möglichkeit, den Knochenaufbau zu fördern, ist das männliche Sexualhormon Testosteron. Es regt sowohl den Muskel- als auch den Knochenaufbau an. Offenbar hemmt es gleichzeitig den Knochenabbau und steigert das allgemeine Wohlbefinden, weshalb es oft bei älteren Patienten eingesetzt wird. Allerdings ist die Wirkung noch nicht gut erforscht. Dafür ist die Liste der möglichen Nebenwirkungen lang – vor allem, wenn Frauen Testosteron erhalten. So drohen zum Beispiel Leberschäden, eine Veränderung des Fettstoffwechsels und ein erhöhtes Thromboserisiko. Testosteron kommt also nur in Ausnahmefällen zum Einsatz – und in der Regel nur bei Männern.

Häufiger verschreiben Ärzte hingegen das Parathormon. Das ist ebenfalls ein körpereigenes Hormon, das den Knochenaufbau aktiviert. Es bildet vollwertiges neues Knochengewebe. Studien zeigen, dass bei einer Behandlung mit Parathormon sich Struktur und Festigkeit des Skeletts verbessern. Das Risiko für Frakturen sinkt deutlich. Das ist erstaunlich, weil Parathormon eigentlich die gegenteilige Wirkung hat: Bei einem Mangel an Kalzium und Vitamin D im Blut wird das Hormon ausgeschüttet, um knochenfressende Zellen zu aktivieren. Dieser Mechanismus ist eine der Hauptursachen von Altersosteoporose. Offenbar liegt das Geheimnis des Hormons in der Dosis. Bei einer Ausschüttung durch Mangel kommt es zu einer dauerhaft hohen Blutkonzentration, die permanent knochenfressende Zellen auf den Plan ruft. Wird Parathormon hingegen als Medikament kurzfristig in einer hohen Dosis verabreicht, aktiviert es die Osteoblasten – also die knochenbildenden Zellen. Normalerweise beschränkt sich die Therapiezeit mit Parathormon auf zwei Jahre. Das Hormon muss täglich unter die Haut am Bauch  gespritzt werden. Dafür gibt es spezielle Pens, wie sie auch Diabetiker benutzen.

Als ein Reservemittel für die Therapie von Osteoporose gilt Strontium. Es ist eng mit Kalzium verwandt, stimuliert den Knochenaufbau und hemmt zugleich den Knochenabbau. Strontium kommt nur bei der Therapie schwerer Osteoporosen mit hohen Knochenbruchrisiko zum Einsatz, wenn andere Medikamente ausscheiden, zum Beispiel aufgrund von Unverträglichkeiten. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Thrombosen und Embolien.

In der folgenden – übrigens letzten – Lektion des Kurses soll es um die Schmerzen gehen, die bei Osteoporose fast immer irgendwann auftreten. Diese können sehr unangenehm sein. Doch es gibt gute Behandlungsmöglicheiten.

Ihr Fortschritt im Kurs Osteoporose
92%

aktualisiert am 20.07.2015, erstellt am 15.05.2015
Bildnachweis: W&B / 3Dmol

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