Entwöhnungshilfen: Nikotin-Pflaster, E-Zigarette, Medikamente & Co.

Übersicht Entwöhnungshilfen

Nikotinpflaster, Medikamente, E-Zigaretten: Hilfen zur Tabakentwöhnung gibt es viele. Was taugen sie?

Hut ab! Mehr als 80 Prozent der Ex-Raucher haben ohne Hilfsmittel mit dem Rauchen aufgehört. Doch nicht alle schaffen es, allein durch Willenskraft und von einem Tag auf den anderen von den Zigaretten zu lassen. Gerade bei intensiven Rauchern oder sehr gestressten Menschen hat sich der Körper oft stark an das Nikotin gewöhnt.

Dr. med. Martina Pötschke-Langer

Dr. Martina Pötschke-Langer

Ein Rauchstopp kann zu richtigen Krisen führen und die wiederum zum Rückfall. Solche Raucher profitieren mitunter von Hilfsmitteln wie Nikotinpflaster oder Medikamenten.

Wir stellen Ihnen die Wichtigsten vor, jeweils mit einem Urteil von Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle.

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  • Nikotin aus der Apotheke

    Der sogenannte Nikotinersatz als Pflaster, Kaugummi, Lutschtablette oder Inhaler ist seit 1983 in Deutschland erlaubt und rezeptfrei in Apotheken zu bekommen. Doch warum Nikotin mit Nikotin ersetzen? Aus zwei Gründen:

    Erstens: Nikotinersatz kann die Entzugserscheinungen lindern und den Rauchstopp erträglicher machen. Der Vorteil: Kein gefährlicher Tabakrauch mit Teer, kein Kohlenmonoxid und keine 70 krebserregende Inhaltsstoffe mehr.

    Zweitens:
    Über Tablette oder Kaugummi entfaltet sich die Wirkung des Nikotins langsamer als beim Rauchen, das Suchtpotenzial ist geringer als bei Zigaretten. Zudem schleicht man über diese Hilfsmittel die Droge von Woche zu Woche aus – bis der Körper kein Nikotin mehr bekommt und auch keines mehr braucht.

    Martina Pötschke-Langer: "Nikotinersatz ist kein Wundermittel, die Rückfallquote ist hoch – seine Wirksamkeit wird oft überschätzt. Zudem ist auch Nikotin selbst nicht harmlos, es kann die Entstehung von Krebs begünstigen und steht im Verdacht, selbst Krebs auszulösen. Für die Tabakentwöhnung sollte man es nicht unbedenklich und nur für bestimmte Zeit nutzen. In klinischen Studien aber wurden die Nikotinersatzpräparate als gut wirksam beschrieben, allerdings wurden die Raucher auch entsprechend gut betreut. Wenn überhaupt Medikamente eingesetzt werden, sind die Ersatzprodukte aus der Apotheke für Ärzte und Suchttherapeuten das Mittel der ersten Wahl."

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  • Kaugummi und Lutschtablette

    Bei beiden wird Nikotin freigesetzt und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Nach 15 bis 30 Minuten ist die Wirkung des Nikotins zu spüren. Bei der Lutschtablette ist der Nikotinspiegel im Blut etwas höher als beim Kaugummi. Beide gibt es in unterschiedlichen Stärken, um die Nikotinzufuhr langsam zu reduzieren. Dosiert wird je nach Rauchverhalten, bei leichter bis mittelstarker Abhängigkeit reichen Zwei-Milligramm-Kaugummis (bis zu 16 am Tag) oder eine Zwei-Milligramm-Lutschtablette alle 90 Minuten (maximal 15 am Tag). Beim Verlangen nach einer Zigaretten und um Entzugserscheinungen zu lindern, darf man einen Kaugummi kauen, bis der Effekt des Nikotins zu spüren ist. Wer zu schnell oder zu heftig kaut, muss mit Reizungen von Mund- und Magenschleimhaut rechnen. Nach sechs bis acht Wochen reduziert man die Anzahl der Kaugummis beziehungsweise Lutschtabletten und vergrößert die Zeitabstände. Länger als zwölf Wochen sollte man beide nicht anwenden.

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  • Nikotin-Inhaler

    Über das Mundstück mit auswechselbaren Nikotinpatronen saugt man ähnlich wie beim Rauchen das Nikotin in den Körper. Es wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und entfaltet seine Wirkung nach 15 bis 30 Minuten. Wie viele Patronen Sie brauchen, hängt davon ab, wie viele Zigaretten Sie vorher geraucht haben. Waren es bis zu 20 Zigaretten am Tag, empfehlen die Hersteller sechs bis acht Kapseln. Mehr als 16 Patronen am Tag dürfen es nicht sein. Nach acht Wochen wird der Verbrauch der Kapseln um die Hälfte reduziert, nach weiteren zwei Wochen sollte man ganz ohne auskommen. Auch hier gilt: Nicht länger als zwölf Wochen anwenden.

    Pötschke-Langer: "Ein Vorteil des Inhalers ist, dass die körperliche Empfindung dem des Rauchens ähnelt, Mund und Hände sind beschäftigt. Allerdings entfaltet sich die gewünschte Wirkung erst nach intensivem Saugen und die Dosierung ist nicht exakt steuerbar. Auch kann der Inhaler das Suchtverhalten verlängern."

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  • Nikotin-Pflaster

    Morgens auf die Haut kleben und den ganzen Tag Ruhe haben – das Pflaster gibt den Wirkstoff Nikotin kontinuierlich in den Blutkreislauf ab, 16 beziehungsweise 24 Stunden lang. So werden Nikotinwirkung und Suchtverhalten entkoppelt, weil der Nikotinspiegel im Blut immer auf dem gleichen Level bleibt. Hinweise auf die Entwicklung einer Abhängigkeit gibt es nicht. Das Pflaster gibt es in drei Stärken, passend zum vorherigen Zigarettenkonsum (10, 20 oder 30 Zigaretten). Auch mit dem Pflaster schleicht man die Nikotinsucht aus: In den ersten vier bis sechs Wochen das Pflaster mit der höchsten Dosis verwenden, zum Schluss die kleinste Dosierung zwei Wochen lang.

    Pötschke-Langer: "Für eine notfallmäßige Anwendung, zum Beispiel beim spontanen und heftigen Verlangen nach einer Zigarette, ist das Pflaster nicht geeignet."

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  • Kann ich Pflaster und Kaugummi kombinieren?

    Ja! Gerade für starke Raucher (30 Zigaretten am Tag und mehr) reicht oft ein Nikotin-Ersatz nicht aus. Sie können morgens das Pflaster auf die Haut kleben und tagsüber einen Kaugummi kauen oder eine Lutschtablette nehmen. Empfohlen wird, das Pflaster acht bis zwölf Wochen anzuwenden und den Kaugummi parallel dazu innerhalb von vier bis sechs Wochen abzusetzen.

    Pötschke-Langer: "Wer eine solche Kombibehandlung in Betracht zieht, sollte vorher mit seinem Arzt darüber sprechen."

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  • Medikamente auf Rezept

    In Deutschland sind zwei Wirkstoffe zugelassen, deren Wirksamkeit bei der Rauchentwöhnung wissenschaftlich belegt ist. Beide sind verschreibungspflichtig und haben Nebenwirkungen. Sie sollen nur zum Einsatz kommen, wenn vorherige Versuche mit Pflaster, Kaugummi & Co. erfolg- und wirkungslos waren. Bevor der Arzt einen der Wirkstoffe verschreibt, muss er den Patienten genau untersuchen und feststellen, ob das Medikament eingesetzt werden darf oder der Gesundheitszustand, etwa andere Krankheiten, dagegen sprechen (sogenannte Kontraindikation). Auch während der Therapie sollten Arzt und Patient ein waches Auge auf mögliche Nebenwirkungen haben.

    Pötschke-Langer: "Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat festgelegt, dass in den Beipackzettel der Medikamente Warnhinweise aufgenommen werden sollen, die auf Nebenwirkungen wie Stimmungsveränderungen, Aggressivität und Suizidgedanken bei der Einnahme oder auch beim Absetzen des jeweiligen Präparates hinweisen."

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  • Bupropion

    Ursprünglich als Antidepressivum zugelassen, wird es seit Juli 2000 in Deutschland bei der Rauchentwöhnung eingesetzt. Bupropion erhöht die Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Hirnstoffwechsel und imitiert so die Wirkung von Nikotin – ohne an die Nikotinrezeptoren zu binden. Das heißt: Entzugserscheinungen und Verlangen nach einer Zigarette bleiben aus. Die Therapie dauert sieben bis neun Wochen. Sie beginnt bereits eine Woche vor dem Rauchstopp, zunächst mit halber Dosis, also eine Tablette am Tag. Dadurch soll sich ein gewisser Pegel des Wirkstoffs im Blut aufbauen. Danach wird die Dosis auf zwei Tabletten am Tag erhöht, die im Abstand von acht Stunden eingenommen werden – jedoch nicht nach 16 Uhr, da es sonst zu Schlafstörungen kommen kann.

    Mögliche Nebenwirkungen sind neben den Schlafstörungen: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Schwitzen, Bluthochdruck, Übelkeit und Verstopfung. Bei Neigung zu Krampfanfällen darf Bupropion nicht verschrieben werden.

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  • Vareniclin

    Im Gegensatz zu Bupropion bindet Vareniclin an die Nikotin-Rezeptoren im Gehirn. Dort verhindert es, dass das Nikotin seine Wirkung im Belohnungszentrum des Gehirns entfaltet. Ein wichtiger Effekt beim Rauchen – das belohnende Gefühl – entfällt und damit bleiben auch die positiven Empfindungen des Rauchens aus. Das Verlangen zu rauchen verschwindet schließlich vollständig. Die Tabletten gibt es in zwei Stärken (0,5 Milligramm und 1 Milligramm). Begonnen wird mit einer 0,5-Milligramm-Tablette am Tag, nach und nach wird die Dosis auf eine 1-Milligramm-Tablette gesteigert. Die Therapie dauert ungefähr drei Monate, mit dem Rauchen sollten die Patienten nach ein bis zwei Wochen nach der ersten Tablette aufhören.

    Eine häufige Nebenwirkung von Vareniclin ist Übelkeit, daneben auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen und abnorme Träume.

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  • Verhaltenstherapiekurse

    Sinn und Zweck von Verhaltenstherapiekursen sind eine persönliche Betreuung und Hilfe beim Ausstieg. Die Kurse finden in Form von Gesprächen, Rollenspielen und Gruppensitzungen statt.

    Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat Kriterien für die Qualität dieser Angebote entwickelt:

    • der Beratung sollte ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zugrunde liegen, das therapeutische Vorgehen nachvollziehbar und schlüssig sein

    • ein Angebot sollte den Raucher motivieren, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören und konkrete Maßnahmen bieten, die ihn beim Rauchstopp unterstützen – auch dabei, nicht wieder anzufangen

    • der Therapeut oder Kursleiter sollte berücksichtigen, dass es beim Rauchen eine körperliche und eine psychische Komponente gibt. Entwöhnungshilfen wie Pflaster, Kaugummi oder Medikamente können miteinbezogen werden

    • es ist wichtig, dass in der Beratung die individuelle Situationen des Noch-Rauchers berücksichtigt wird: Hat er oder sie psychische Probleme? Liegt eine Herz-Kreislauferkrankung vor oder eine Schwangerschaft?

    Pötschke-Langer: "Die Verhaltenstherapie kann ein wirksames Mittel sein, mit dem Rauchen aufzuhören. Beratung und Therapie können die Erfolgschancen auf 20 bis 30 Prozent erhöhen. Aber gerade bei der persönlichen Betreuung spielt das Zwischenmenschliche eine große Rolle. Ist die Stimmung in der Gruppe oder in der Einzelberatung schlecht, sind auch die Erfolge der Therapie geringer."

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  • E-Zigarette

    Die Erfindung aus China verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die Nikotin enthält. Für den Dampf ist der Stoff Propylenglykol verantwortlich, hinzu kommen unzählige Aromen, aus denen der Nutzer wählen kann. Aktuellen Studien zufolge ist der Dampf aus dem elektronischen Gerät bis zu zehn Mal weniger schädlich als eine normale Zigarette. Nicht überraschend, es fehlen ja der Tabakrauch und seine vielen schädlichen Inhaltsstoffe. Wie viele andere Chemikalien über die E-Zigarette in den Körper gelangen, ist aber unbekannt. Und auch der Suchtstoff Nikotin ist gefährlich für den Körper. Wie sich das Propylenglykol auf lange Sicht auf die Gesundheit auswirkt, weiß ebenfalls noch niemand.

    Dennoch: Es gibt Hinweise, dass E-Zigaretten das Verlangen nach Tabak und die Entzugssymptome beim Rauchstopp tatsächlich verringern können.

    Pötschke-Langer: "Es zeigte sich, dass E-Zigaretten ohne Nikotin ähnliche Wirkungen erzielen wie nikotinhaltige Produkte. Ihre Wirksamkeit als Hilfsmittel bei der Rauchentwöhnung wurde aber bislang nur in wenigen Studien untersucht und die Ergebnisse waren teils widersprüchlich. Letztlich bleibt es dem Raucher überlassen, ob er den Rauchstopp-Versuch mit der E-Zigarette unternehmen mag."

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  • Hypnose und Akupunktur

    Beide Methoden stammen aus der Alternativmedizin und wurden ausführlich wissenschaftlich untersucht, eine Wirksamkeit konnten Mediziner jedoch nicht nachweisen. Bei der Hypnose scheint aber die positive Erwartungshaltung des Rauchers verbunden mit einem gut ausgebildeten Therapeuten zum besten Ergebnis zu führen. Bei der Akupunktur sticht der Therapeut feine Nadeln in "energetische" Punkte des Körpers, zum Beispiel am Ohr. Ähnlich sollen Methoden wie Akupressur, Lasertherapie und Elektrostimulation wirken.

    Pötschke-Langer: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Therapien eine langfristige Tabakabstinenz zur Folge haben. Das Problem ist zudem, dass der Raucher nicht aktiv in den Prozess eingebunden ist, er setzt sich nicht mit seinen Rauchmustern auseinander und findet keine alternativen Verhaltensweisen zum Rauchen. Menschen, die mittels Hypnose oder Akupunktur das Rauchen aufgehört haben, werden meist schnell wieder rückfällig."

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Zur Erinnerung: Es handelt sich nur um Hilfen, die den Ausstieg erleichtern können, aber dies nicht unbedingt bei jedem auch tatsächlich tun. Nicht wenige Ex-Raucher haben ohne jegliche Hilfe den Absprung geschafft. Allerdings zeigen Untersuchungen, dass die Erfolgsrate mit dem Einsatz bestimmter Hilfen steigt. Das gilt offenbar besonders für sehr starke Raucher.

In der nächsten Lektion wird es darum gehen, die ersten Tage und Wochen nach der letzten Zigarette vorzubereiten. Das ist wichtig und mindert die Gefahr, plötzlich in ein Loch zu fallen.

Ihr Fortschritt im Kurs Mit dem Rauchen aufhören
82%

aktualisiert am 07.10.2014, erstellt am 03.11.2014
Bildnachweis: W&B/Privat, Your Photo Today/Phanie, Superbild, Thinkstock/istock

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