So entsteht die Nikotinsucht

Extremes Rauchen

Wie kann es sein, dass Raucher gerne Zigaretten rauchen, obwohl die erste Zigarette ekelhaft war?

Absurderweise müssen wir uns die Nikotinsucht hart erarbeiten, denn mit dem Rauchen anzufangen ist selten ein Vergnügen. Die Erinnernung an Ihre erste Zigarette haben Sie ja schon hervorgerufen. Wahrscheinlich hat diese Zigarette Ihnen genau wie den meisten anderen Rauchern nicht geschmeckt. Egal wie gerne man mittlerweile zum Glimmstängel greift – das erste Mal war für fast jeden grauenhaft. Nicht nur, dass der Rauch im Hals kratzt und in der Lunge kitzelt. Wenn der Körper erstmals mit Nikotin in Berührung kommt, reagiert er mit typischen Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Herzrasen, vermehrtem Speichelfluss, Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Bewusstseinsstörungen. Nikotin ist ein Nervengift, das der Körper sofort loswerden will. Eine Überdosis Nikotin würde einen Menschen innerhalb kürzester Zeit töten.

Dummerweise wiegt sich unser Gehirn genau deshalb in Sicherheit: Weil die erste Zigarette kein Genuss ist, gelangen wir schnell zu der Überzeugung, jederzeit damit aufhören zu können. Es schmeckt uns ja schließlich nicht.

Ein fataler Trugschluss, denn der Körper gewöhnt sich extrem schnell an eine moderate Zufuhr von Nikotin.

Das liegt daran, dass Nikotin in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Sobald der Tabak glimmt, gelangt Nikotin – gebunden an winzige Teerteilchen – in die Lunge und von dort direkt ins Blut. Vom ersten Zug bis zur Ankunft im Gehirn dauert es nur rund sieben Sekunden. Die animierte Infografik in einer der vorangegangenen Lektionen hat Ihnen bereits einen Einblick in diesen Prozess gegeben. Jetzt wollen wir den Vorgang etwas genauer beleuchten.

Nikotin-Acetylcholin Strukturformel

Für den Laien im Strukturmodell nicht erkennbar, aber tatsächlich sind Nikotin und Acetylcholin an einer bestimmten Stelle sehr ähnlich

Im Gehirn angekommen, beeinflusst Nikotin unser Nervensystem, denn die Substanz ähnelt dem Neurotransmitter Acetylcholin. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die dem Informationsaustausch zwischen Nervenzellen dienen. Acetylcholin und Nikotin sind sich so ähnlich, dass die für den natürlichen Botenstoff Acetylcholin vorgesehenen Rezeptoren auch auf Nikotin-Moleküle reagieren. Vereinfacht gesagt basiert die Wirkung von Nikotin also auf einer Verwechslung. Aus diesem Grund ist auch oft von "Nikotin-Rezeptoren" die Rede, obwohl die Rezeptoren eigentlich für Acetylcholin gemacht sind. Je mehr wir rauchen, desto mehr dieser Rezeptoren werden gebildet. Sobald die Nikotin-Moleküle daran andocken, werden eine Reihe biologischer Reaktionen ausgelöst: Herzfrequenz und Blutdruck steigen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nehmen zu. Außerdem wird die Ausschüttung unterschiedlicher Neurotransmitter angeregt, darunter Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin und Endorphine. Je nachdem, in welcher Stimmung ein Raucher gerade ist, wirkt Nikotin daher anregend und leistungssteigernd oder entspannend und beruhigend.

NCHOOKEine Sonderrolle kommt dem als "Glückshormon" bezeichneten Stoff Dopamin zu. Der Neurotransmitter wirkt auf das Belohnungszentrum im Gehirn und erzeugt ein gutes Gefühl beim Rauchen. Das stellt sich ein, sobald wir einen Zug nehmen – und verflüchtigt sich beim ausdrücken der Zigarette, und zwar schnell. Schon 30 Minuten nach dem Rauchen sinkt der Nikotinspiegel im Blut um die Hälfte, nach einer Stunde auf ein Viertel ab. Das erklärt, warum aus der Lust, die nächste Zigarette zu rauchen, schnell ein Drang wird.

Die durch das Rauchen bedingten körperlichen Reaktionen sind zwar wichtig, um den Teufelskreis der Sucht zu verstehen. Beim Aufhören spielen sie aber keine große Rolle. Klassische Entzugserscheinungen und körperliche Schmerzen, wie sie bei der Entwöhnung von anderen Drogen auftreten, kommen bei Rauchern nicht vor. Oder sie sind nur so schwach, dass es den meisten gar nicht auffällt, dass sie süchtig sind.

Viel schlimmer ist die innere Unruhe, die Reizbarkeit, die Unsicherheit und die Nervosität, die sich einstellt, sobald die Gier nach einer Zigarette zuschlägt. Innerhalb von Sekunden können wir diese negativen Empfindungen vertreiben – mit einem Zug an einer Zigarette. Das führt dazu, dass viele Raucher zu der Überzeugung gelangen, dass ihnen Zigaretten gut tun.

Aber das ist eine Illusion. Zigaretten beruhigen Sie nicht wirklich, sondern lindern nur die Entzugserscheinungen.

Es ist vor allem diese psychische Abhängigkeit, die das Aufhören so schwierig macht. Um die psychische Sucht wird es in der nächsten Lektion gehen.

Ihr Fortschritt im Kurs Mit dem Rauchen aufhören
24%
Zahl 30
Schriftgroesse Zahl 90
Subtext Minuten
Text rechts nach dem Rauchen sinkt der Nikotinspiegel im Blut um die Hälfte
Schriftgroesse Text 22
Wartezeit in Millisekunden 5000
Variante (delay oder ishow) ishow

aktualisiert am 25.06.2015, erstellt am 03.11.2014
Bildnachweis: Strandperle/Westend61, W&B / Röper, W&B / Jmol

Portal-Logos
© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG
schließen