So entsteht die psychische Sucht

Wie Raucher sich ihre Scheinwelt aufbauen

Typische Rauchsituation: Stress bei der Arbeit

Haben Sie auch einen Verwandten, der zwei Schachteln am Tag rauchte und trotzdem steinalt wurde? Oder kennen Sie einen Raucher, der sogar einen Marathon bewältigt? Diese Beispiele gibt es tatsächlich. Es sind Einzelfälle, aber auf die stützen sich Raucher viel lieber als auf alle Statistiken der Welt, die belegen, dass Rauchen krank macht. Rational wissen wohl alle Raucher, dass sie ihrer Gesundheit keinen Gefallen tun. Dass viele trotzdem täglich zum Glimmstängel greifen, hat viel mit dem Unterbewusstsein zu tun.

Wie schon bei der Lektion der Nikotinsucht erklärt, sind es nicht die körperlichen Aspekte der Abhängigkeit, die das Aufhören so schwer machen. Vielmehr beeinflusst das Rauchen unsere Psyche – und wir helfen fleißig mit.

Sie zweifeln? Sie haben es ja schon gelesen, wir fragen trotzdem nochmal nach: Welche der beiden Aussagen halten Sie für plausibler?

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Der Zug an einer Zigarette ist ein wahrer Genuss. Es schmeckt, es beruhigt, es tut gut

... in der Tat werden viele Raucher diese Aussage bejahen. Aber lesen Sie weiter.

Die Sache mit dem Genuss ist ein Trugschluss. Eine Illusion. Zigaretten schmecken nicht.

... viele Raucher werden hier entschieden widersprechen. Aber die Wahrheit ist eine andere.

Das Zigaretten ein Genuss sind, ist tatsächlich eine Einbildung, die Sie sich mühsam beigebracht haben. Die meisten Raucher empfinden Rauchen als Genuss, weil Zigaretten die Entzugserscheinungen, die sie selbst verursachen, vorübergehend lindern.

Entzugserscheinungen lindern: Ist das für Sie wirklich wirklich ein Genuss?

Wie kommt es zu der Illusion? Die Mechanismus ist denkbar simpel: Sinkt der Nikotinspiegel im Blut, treten leichte Entzugserscheinungen auf. Man fühlt sich etwas gestresst, nervös und angespannt. Kaum raucht man eine Zigarette, wird alles besser, denn der Nikotinspiegel steigt wieder. Auf einmal sind wir ruhig und entspannt, ein Gefühl der Erleichterung stellt sich ein. So entsteht beim Raucher der Eindruck, Zigaretten würde also tatsächlich helfen, wirken sie doch entspannend und befriedigend.

Allen Carr, der bekannte Autor des Ratgebers "Endlich rauchfrei", sieht darin die eigentliche Tragik der Sucht: "Der Raucher erlangt durch eine Zigarette lediglich den Zustand eines inneren Friedens, der Ruhe und des Selbstvertrauens wieder, den sein Körper ohnehin besaß, bevor die Sucht begann." Tatsächlich mangelte es unserem Körper vor der Nikotinsucht an nichts. Dann haben wir ihm den Giftstoff aufgezwungen und brauchen auf einmal Zigaretten, um uns ausgeglichen zu fühlen.

Es ist ein Teufelskreis, den zu durchbrechen alles andere als einfach ist. Trotzdem reden sich viele Abhängige ein, dass Rauchen keine Sucht, sondern lediglich eine Gewohnheit sei. Dabei ist es eine Illusion, dass Rauchen Genuss, Entspannung oder Energie verschafft. Andere Dinge, die uns echten Genuss verschaffen – zum Beispiel ein gutes Essen, ein schöner Film oder ein Glas Wein – genießen wir zwar, aber wir versinken nicht gleich im Elend, wenn wir sie mal nicht bekommen. Genau das aber ist der Fall, wenn ein Raucher keine Zigarette bekommt.

Doch das ist noch nicht alles. Womöglich wäre es noch vergleichsweise einfach, sich dieser Illusion zu entledigen. Aber es gibt noch eine perfidere Seite der psychischen Sucht: Die Konditionierung. In der nächsten Lektion erfahren Sie, was es damit auf sich hat.

Ihr Fortschritt im Kurs Mit dem Rauchen aufhören
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Text Bevor wir mit dem Rauchen angefangen haben, mangelte es uns an nichts, auch nicht an Nikotin
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aktualisiert am 25.06.2015, erstellt am 03.11.2014
Bildnachweis: W&B, W&B / Röper, Strandperle/Juice Images

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