Der Nutzen von Tai-Chi, Qigong, Pilates und Hydrotherapie

Tai Chi

Tai-Chi: Entspannt, macht Spaß und ist gut für die Gelenke

Neben Physio- und Ergotherapie gibt eine Reihe von weiteren Bewegungstherapien, die neben den medizinischen Nutzen auch noch viel Spaß und Abwechslung mit sich bringen. Das ist gut für die Motivation, die Sie unbedingt brauchen, um nicht die Lust am Ganzen zu verlieren. Vier solcher Maßnahmen stellen wir Ihnen jetzt vor: Tai-Chi, Qigong, Pilates und Hydrotherapie:

Tai-Chi

Haben Sie zum Beispiel schon einmal von Ta-Chi-Chuan, kurz Tai-Chi gehört? Diese fernöstliche Kampfkunst ist auch als chinesisches Schattenboxen bekannt und findet in Europa immer mehr Anhänger. Kampfkunst für Rheumatiker? Sie haben sich nicht verlesen, tatsächlich eignen sich viele Formen von Tai-Chi für Menschen mit Rheumatoider Arthritis, das belegen zahlreiche Studien. Genau genommen ist Tai-Chi eine Mischung aus Kampfkunst und Meditation. Einerseits wird der Körper trainiert, anderseits geht es um mentale Entspannung. Die Bewegungen werden langsam und sanft ausgeführt, gehen fließend ineinander über und reizen den natürlichen Bewegungsspielraum nicht zu sehr aus.

Es gibt verschiedene Formen von Tai-Chi. Bei vielen tritt die kämpferische Komponente hinter dem gesundheitlichen Nutzen zurück. Diese weniger kampfbetonten Varianten eignen sich für Rheumatiker, weil die Bewegungen sanft und schonend sind. In China ist Tai-Chi ein Volkssport, in jedem Park werden Sie dort Menschen sehen, die entsprechende Übungen trainieren. Auch bei uns findet die Kampfkunst immer mehr Anhänger. Mittlerweile gibt es in Deutschland umfassende Kursangebote. Studien zeigen, dass man schon nach acht Wochen eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und der Beweglichkeit sowie eine Linderung der Schmerzen erreichen kann. Positiver Nebeneffekt: Tai-Chi wirkt auch gut gegen die Müdigkeit, unter der Rheumatiker häufig leiden. Wer die verschleißarmen Übungen unter professioneller Anleitung erlernt, kann sie auch zu Hause problemlos anwenden. Dazu sind weder Geräte noch viel Platz notwendig.

Tai-Chi wird durch fließende, entspannt ausgeführte Bewegungen umgesetzt. Je besser jemand Tai-Chi beherrscht, desto präziser wird die eigene Körperwahrnehmung. Einzelne Partien können gezielt entspannt und angespannt werden und man kommt dem Ziel näher, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Verspannungen werden gelöst, Muskeln und Gleichgewicht trainiert und die Beweglichkeit erhöht. Außerdem baut Tai-Chi nachweislich Stress ab und hilft dabei, sich zu entspannen. Die positive Wirkung ist so gut belegt, dass der Berufsverband Deutscher Rheumatologen Tai-Chi ausdrücklich bei Rheumatoider Arthritis empfiehlt.

Qigong

Qigong ist eine Kombination aus Bewegungs-, Konzentrations- und Meditationsübungen, die ihre Wurzeln ebenfalls in China hat. Es gibt viele Parallelen zu Tai-Chi, allerdings steht der gesundheitliche und meditative Nutzen deutlich im Vordergrund. Wie der Name schon andeutet, geht es bei Qigong darum, die positive Lebensenergie (Qi) zu pflegen, also das körperliche und seelische Wohlbefinden zu steigern. Körper und Geist sollen in Einklang gebracht werden. Die Übungen unterscheiden sich von Tai-Chi, zumal Qigong keine Kampfkunst ist. Aber sie werden genauso ruhig, flüssig und mit Bedacht ausgeführt. Viele Übungen funktionieren auch im Liegen oder Sitzen, einige werden sogar komplett mental ausgeführt. So können Sie, je nach Gesundheitszustand, die Übungen passend variieren.

Qigong schult Kraft, Koordination und Beweglichkeit, regt den Kreislauf und den Stoffwechseln an. Außerdem soll das Verfahren die Sauerstoffzufuhr und damit die Funktion der inneren Organe verbessern. Dieser Effekt ist wissenschaftlich nicht belegt, es gibt aber Studien, die eine Verbesserung der Lebensqualität von chronisch Kranken durch Qigong bestätigen. Eine große Rolle dürfte dabei die Stressreduktion spielen. Typisch für Qigong sind bildhafte Vorstellungen. Visualisierung wohltuender Bilder soll Stress abbauen und eine tiefe Entspannung erzielen. Wer die Übungen regelmäßig ausübt, befindet sich auf einem guten Weg zu mehr innerer Ruhe und Gelassenheit. Bei der Dauerbelastung, die eine chronische Krankheit mit sich bringt, ist das ein sehr begrüßenswerter Effekt.

Allerdings sind die Übungen körperlich nicht zu unterschätzen. Sie trainieren Bänder, Sehnen und Muskeln und erhöhen damit Stabilität und Beweglichkeit der Gelenke. Grundlage ist ein beständiger Wechsel zwischen Entspannung und Anspannung. Die Übungen tragen wohlklingende Namen wie "Die Wolken teilen", "Atemblume" oder "Die Affen abwehren". Die Bezeichnungen deuten an, dass eine Übung jeweils aus unterschiedlichen Sequenzen besteht. Die "Atemblume" zum Beispiel überträgt das Erblühen und Verwelken einer Blume dynamisch auf einen Bewegungsablauf. Ziel ist es, die Atmung zu beruhigen, die Durchblutung anzuregen und die Muskeln sanft zu dehnen.

Pilates

Das Ganzkörpertraining ist eine Erfindung des deutsch-amerikanischen Trainers Joseph Hubert Pilates. Die Übungen vereinen Kraft, Koordination, Dehnung und Atemtechnik fließend miteinander und zielen darauf ab, die Körpermitte zu stärken. In den vergangenen Jahren ist Pilates - nicht zuletzt, weil viele Prominente es praktizieren - sehr populär geworden. Das Kursangebot ist daher groß und vielfältig.

Pilates trainiert die tief liegende, stützende Muskulatur in Rumpf, Bauch, Rücken und Beckenboden. Die Übungen sind anstrengend, aber gelenkschonend, weil sie sehr langsam, bewusst und fließend ausgeführt werden. Isolierte und abrupte Bewegungen gibt es nicht. Pilates verbessert die Körperwahrnehmung und die Haltung. Von einem aufrechten Gang, schonenden Bewegungen und durch gestärkte Muskeln stabilisierten Gelenken profitieren Rheumapatienten besonders.

Pilates hat aber noch weitere positive Effekte: Verspannungen lösen sich, die Gelenke werden mobilisiert und die Muskeln gedehnt. Weil nach dem Prinzip "von innen nach außen" trainiert wird, kommen auch die für Bewegungen zuständigen oberen Muskelgruppen nicht zu kurz. Von verschiedenen Powerformen oder der Integration von Geräten sollten Sie allerdings Abstand nehmen. Für Rheumatiker eignet sich die klassische Variante auf einer Bodenmatte am besten. Sehr wichtig ist, dass Sie die Übungen unter fachkundiger Anleitung lernen. Ein guter Trainer wird sich dabei individuell auf Sie und Ihre Beschwerden einstellen und manche Übungen streichen oder abwandeln. Außerdem ist es sinnvoll, das Training mit einem Arzt abzustimmen.

Wie auch bei Tai-Chi und Qigong spielt die psychische Komponente bei Pilates eine wichtige Rolle. Neben Kraftübungen und Stretching sind auch Konzentration- und Atemtechniken Teil von Pilates und leisten einen guten Beitrag zum Stressabbau und zur Entspannung.

Hydrotherapie

Der Begriff Hydrotherapie umfasst ein Reihe von Aktivitäten, bei denen Wasser zum Einsatz kommt. Das können Anwendungen wie Waschungen, Abreibungen, Auflagen, Mineralbäder, Güsse oder Wickel sein, bei denen vor allem die Temperatur des Wassers eine Rolle spielt. Aber es gibt auch einige Bewegungstherapien, die im Wasser stattfinden. Aus gutem Grund: Training im Wasser ist effektiv und schonend zugleich. Weil der Körper im Wasser Auftrieb erfährt und sich dadurch die Gewichtskraft auf den Bewegungsapparat reduziert, werden die Gelenke geschont. Gleichzeitig bietet das Wasser einen gleichmäßigen Widerstand, was abrupte Bewegungen verhindert und die Trainingsintensität erhöht. Das Training im Wasser bietet ideale Bedingungen für eine sanfte Regeneration und beugt Überlastungen vor. Kurzum: Wasser ist das perfekte Element für Rheumatiker.

Deshalb ist Schwimmen, vor allem Rückenschwimmen, für die meisten Betroffenen eine gute Sportart. Noch schonender und effektiver ist Aquafitness, zum Beispiel Gymnastik oder Joggen im Wasser. Bei letzterem schwebt der Körper im Becken und erhält durch eine spezielle Weste Auftrieb. In der Tiefe werden die Laufbewegungen ausgeführt. Sie werden staunen, wie anstrengend das ist. Wasser hat eine 800 Mal größere Dichte als Luft, das spürt man in jeder Muskelfaser. Trotzdem belastet Aquajogging Gelenke und Sehnen weniger als normales Joggen. Netter Nebeneffekt: Übungen im Wasser stärken das Herz-Kreislaufsystem und straffen den Körper durch die Massage, die der Wasserdruck ausübt.

Viele Schwimmbäder, Fitnessstudios und Therapiezentren bieten mittlerweile Aquafitnesskurse an. Oft beteiligen sich die Krankenkassen an den Kosten, denn der Nutzen solcher Aktivitäten ist gut belegt. Es gibt auch spezielle Angebote für Rheumatiker, über die Sie sich zum Beispiel bei den Ortsgruppen der Deutschen Rheuma Liga informieren können.

Der letzte Wissenstest steht nun an. Die paar Fragen haben Sie schnell beantwortet. Dann beschäftigen wir uns mit ergänzenden Therapieverfahren, darunter die Wirkung von Kälte, Homöopathie und Ayurveda.

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Ihr Fortschritt im Kurs rheumatoide Arthritis

aktualisiert am 25.03.2015, erstellt am 05.02.2014
Bildnachweis: Strandperle/Flirt/Cusp, W&B / Röper

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