Die Psyche therapieren bei Rheuma

Progressive Muskelentspannung

Progressive Muskelentspannung: Leicht zu erlernen, fast überall praktizierbar

Sie haben bereits gelernt, dass die Psyche eine große Rolle spielt und Einfluss auf den Verlauf von Rheuma haben kann. Es gibt zahlreiche Beratungs- und Therapieangebote, die Sie nutzen können, um auch das seelische Befinden in Lot zu bringen oder zu halten. Einige davon stellen wie Ihnen im Folgenden vor:

Eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene sind Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die sich in jeder größeren Stadt finden. Informationen zu solchen Angeboten bieten Organisationen und Verbände, allen voran die Deutsche Rheuma Liga und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie.

Gerade unmittelbar nach der Diagnose ist es sinnvoll, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Das hilft dabei, die erste Hilflosigkeit und Angst zu überwinden. Solche Einrichtungen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Rheumatoide Arthritis ist kein individuelles Einzelschicksal, mit dem sie alleine klarkommen müssen. Nutzen Sie das Netzwerk anderer Patienten, um sich Tipps zu holen, Erfahrungen zu sammeln und mit Menschen zu sprechen, die sich wirklich in Ihre Situation einfühlen können. Übrigens können sich auch die Angehörigen von Betroffenen über die Beratungsstellen Hilfe holen. Da die Krankheit mitunter auch das Leben von Familienmitgliedern oder dem Partner beeinflusst, ist dies in manchen Fällen anzuraten.

Zuweilen kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Scheuen sie den Gang zum Therapeuten nicht! Bei vielen Patienten ist die psychologische Behandlung ein wichtiger Baustein der Behandlung und entscheidet wesentlich über deren Erfolg mit. Psychotherapie beschränkt sich schon lange nicht mehr auf den Einsatz bei der Behandlung von seelischen Krankheiten, sondern kommt vermehrt auch bei psychosomatischen und/oder chronischen Erkrankungen zum Einsatz. Viele Studien belegen die Wirksamkeit insbesondere von Verhaltenstherapien – das ist aber nur eine mögliche Variante. Andere wären etwa Gesprächstherapien, Gruppentherapien oder psychoanalytische Ansätze.

Machen Sie sich bewusst, dass chronische Krankheiten fast immer Auswirkungen auf das Empfinden, Verhalten und die Wahrnehmung der Betroffenen haben. Wen würden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nicht beeinflussen? Wer das Gefühl hat, der Schmerz und die Krankheit dominieren das eigene Leben, sollte eine Psychotherapie auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Vielleicht rät Ihnen Ihr Arzt aber ohnehin.

Am wichtigsten ist in diesem Kontext wohl die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei werden dem Patienten Fähigkeiten vermittelt, die ihm den Umgang mit Angst, Stress und Schmerzen erleichtern. Negative Verhaltensmuster werden aufgespürt und durchbrochen, eingefahrene Handlungen korrigiert. Vor allem lernen Sie, dass Sie dem Schmerz nicht hilflos ausgesetzt sind - eine sehr wichtige Erkenntnis. Sie bekommen Strategien an die Hand, Schmerzen und Stress zu begegnen. Die Selbstwahrnehmung wird geschult und der Umgang mit belastenden Situationen geübt. Was tut Ihnen gut? Wie vermeiden Sie Stimmungstiefs oder gar depressive Verstimmungen? Depressionen kann auf diese Art vorgebeugt und die allgemeine Lebensqualität verbessert werden. Zum Beispiel, indem Betroffen gezielt die Schlafqualität verbessern oder mehr Gelassenheit für den Alltag erlernen. Auch Genusstraining, die Wiederaufnahme von sozialen Kontakten, das Annehmen von Hilfe oder eine offenerer Umgang mit den eigenen Emotionen können in einer Psychotherapie erlernt werden. Mitunter halten auch ungeklärte Probleme die Betroffenen davon ab, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen und ihre Situation zu akzeptieren. Eine Psychotherapie kann helfen, solche Probleme - zum Beispiel im Beruf, der Familie oder einer Partnerschaft - zu klären oder belastende Erfahrungen zu verarbeiten.

Das Prinzip ist einfach: Schmerzen lösen Stress aus. Und gegen Stress hilft Entspannung. Es gibt eine Reihe von Entspannungstechniken,  mit denen ein jeder innere Anspannungen abbauen kann. Deshalb sind entsprechende Übungen oft Bestandteil einer Psychotherapie oder eines Schmerzbewältigungstrainings. Im Folgenden stellen wir einige bewährte Methoden kurz vor, damit Sie sich einen Überblick verschaffen können. Übrigens übernehmen viele Krankenkassen die Kosten für entsprechende Kurse und Schulungen, die zum Beispiel an Volkshochschulen oder in Rheumazentren angeboten werden.

  • Autogenes Training: Ein Verfahren, das auf den Nervenarzt Heinrich Schultz zurückgeht und zwar schwierig zu erlernen, aber dafür sehr effektiv ist. Wer über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig übt, wird damit Erfolge verbuchen. Die Technik selbst basiert auf Autosuggestion, trainiert also das Unterbewusstsein. Das Verfahren beruhigt die vegetativen Zentren des Körpers. Autogenes Training kann unter Anleitung eines Arztes oder Psychologen erlernt werden, einige Monate sollten Sie dafür aber schon einplanen. Doch der Aufwand lohnt sich: Autogenes Training fördert die Selbstwahrnehmung und entspannt den ganzen Körper. Wer geübt darin ist, kann sich jederzeit innerhalb weniger Minuten in einen entspannten Zustand versetzen und damit gezielt auf das Schmerzempfingen einwirken.

 

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: Es geht darum, die Muskelpartien unterschiedlicher Körperregionen in einer vorgegebenen Reihenfolge intensiv anzuspannen und wieder zu entspannen. Entwickelt hat das Verfahren der amerikanische Physiologe Edmund Jacobson und im Gegensatz zum autogenen Training ist es relativ schnell und leicht erlernbar. Geübte können die Methode in jeder Situation anwenden und damit Stress- und Spannungssituationen begegnen. Normalerweise erlangen Patienten schon nach etwa sechs Wochen Training die Fähigkeit, sich schnell und tief zu entspannen. Die Methode hat sich bei Schmerzen und Ängsten unterschiedlichster Art bewährt. Auch sie kann in Kursen unter Anleitung erlernt werden.

 

  • Meditation: Ebenfalls eine Entspannungsmethode, lässt sich aber nicht so klar eingrenzen wie Muskelrelaxation oder autogenes Training. Meditation ist eher ein spirituelles Konzept als eine bestimmte Technik. Letztlich zielt aber auch sie darauf ab, sich zu sammeln, zu beruhigen und innere Anspannung zu vertreiben. Die Atmung wird tiefer, der Herzschlag ruhiger, der Kopf klarer. Die einfachste Form der Meditation ist das Gebet. Selbst wenn es dabei nicht um religiöse Aspekte geht, hilft die Konzentration auf Inhalt und Formeln bei der Entspannung. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Manche entspannen sich beim Gebet, anderen reichen einfache Atemübungen, das Hören ruhiger Klänge, Tanzen oder das Betrachten eines Bildes. Gerade wegen der Vielfalt an Möglichkeiten ist es jedoch sinnvoll, unter fachkundiger Anleitung herauszufinden, welche Methode für Sie am besten funktioniert.


Eine Therapieoption - und besser gesagt: eine ganze Reihe von Therapieoptionen - haben wir bisher noch nicht behandelt: Operationen. Von Operationen wird ganz bewusst erst in den kommenden Lektionen die Rede sein, weil sie nur dann in Erwägung gezogen werden sollten, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dennoch können Eingriffe an den Gelenken viel bewirken. Mit einem Klick rechts unten erfahren Sie mehr darüber.  

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Ihr Fortschritt im Kurs rheumatoide Arthritis

aktualisiert am 25.03.2015, erstellt am 05.02.2014
Bildnachweis: Jump Fotoagentur/Kristiane Vey, W&B / Röper

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