Ist vegetarisch essen bei Rheuma sinnvoll?

Vegetarisches essen

Ein Eintopf schmeckt auch ohne Fleisch - und ist gesund

Wenn Sie gerne in ein Leberwurstbrot beißen oder Ihnen beim Gedanken an ein saftiges Steak das Wasser im Mund zusammenläuft, dann müssen Sie jetzt stark sein: Bei Rheumatoider Arthritis ist eine vegetarische Ernährungsweise vorzuziehen. Je weniger Fleisch Sie zu sich nehmen, desto besser. Das liegt an der ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthaltenen Arachidonsäure. Diese vierfach ungesättigte Fettsäure spielt eine wichtige Rolle bei Entzündungsreaktionen, da sie an der Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen beteiligt ist. Bei einer dauerhaften Entzündung, wie sie bei rheumatoider Arthritis besteht, werden vermehrt Entzündungsmediatoren freigesetzt, die zu einer Schädigung und Zerstörung der Gelenkknorpel führen können. Diese Entzündungsmediatoren sind vor allem Zytokine (zum Beispiel Interleukine) und Eicosanoide (zum Beispiel Prostaglandine oder Leukotriene). Die Crux: Die Ausgangssubstanz für diese Entzündungsmediatoren ist Arachidonsäure. Weil diese nur in tierischen Fetten vorkommt, liegt es nahe, sie einfach vom Speiseplan zu streichen und sich vegetarisch zu ernähren.

"Nimmt man weniger Arachidonsäure über die Nahrung auf, lässt sich das Entzündungsgeschehen positiv beeinflussen", bestätigt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zwar ist der Körper in der Lage, aus Linolsäure selbst Arachidonsäure zu bilden, doch diese Produktion ist geringer und limitiert. Entscheidend ist deshalb, wie viel Arachidonsäure ein Mensch über die Nahrung bekommt. Weil die ungesättigte Fettsäure in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vorkommt, sind diese das Mittel der Wahl. "Menschen mit rheumatoider Arthritis sollten auf jeden Fall eine pflanzenbasierte Kost anstreben", so Gahl.

Besonders hoch ist der Anteil schädlicher Arachidonsäure übrigens in Leberwurst und Schweineschmalz, also sehr fettreichen Fleischzubereitungen. Außerdem ist in Schweine-, Rinder- und Lammfleisch mehr davon enthalten als in Geflügelfleisch. Wer nicht gänzlich auf Tierisches auf dem Teller verzichten will, sollte daher lieber zu Hühnchen- oder Putenfleisch greifen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, maximal zwei Portionen mageres Fleisch pro Woche zu verzehren. "Ganz zu verzichten ist aber die bessere Option", gibt Gahl zu bedenken. Wer einen Blick auf die Zahlen wirft, versteht warum: Etwa 50 Milligramm Arachidonsäure benötigt ein erwachsener Mensch täglich. Die durchschnittliche Aufnahme liegt in Deutschland aber aufgrund des hohen Fleischkonsums bei 300 bis 400 Milligramm am Tag. Für einen gesunden Menschen hat dieses Überangebot keine negativen Folgen - wohl aber für Patienten mit rheumatoider Arthritis. Daher ist es empfehlenswert, auf Fleisch als festen Bestandteil Ihrer Ernährung zu verzichten oder den Konsum zumindest deutlich reduzieren. Ernährungswissenschaftlich gesehen ist dies die wirkungsvollste Stellschraube, an der Sie drehen können. Erwarten Sie aber keine Erfolge nach kurzer Zeit. Bis zu drei Monate kann es durchaus dauern, bis sich eine Ernährungsumstellung tatsächlich an Ihrem Krankheitsbild bemerkbar macht.

TWHOOKWie sieht es mit anderen tierischen Lebensmitteln aus? Arachidonsäure ist auch in Eiern - insbesondere in Eigelb - und in Milchprodukten enthalten. Dabei gilt die Faustregel: Je fetthaltiger das Produkt, desto höher der Anteil der schädlichen Arachidonsäure. Greifen Sie also statt zu Rahmjoghurt lieber zu einer fettreduzierten Variante. Vermeiden Sie außerdem Vollmilch und sehr fettige Käsesorten. Ganz auf diese Lebensmittel verzichten sollten sie allerdings nicht. Milchprodukte sind wichtige Kalziumlieferanten, das der Körper für den Knochenaufbau braucht. Außerdem sollte die Zufuhr von rund 50 Milligramm Arachidonsäure gewährleistet sein, um die körpereigene Produktion nicht unnötig anzukurbeln. Aus diesen Gründen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei rheumatoider Arthritis eine sogenannte lactovegetabile Ernährung - also den Verzicht auf Fleisch, aber den bedachten Verzehr von Milchprodukten. "Mit Milchprodukten ist eine ausgewogene Ernährung leichter möglich", erklärt Gahl. Auch für die Versorgung mit B-Vitaminen sind Joghurt, Käse, Milch und Co. wichtig.

In manchen Fällen kann es sich trotzdem lohnen, auch den Konsum von Milchprodukten einzuschränken oder sogar vegan zu leben. So kann man die Zufuhr von Arachidonsäure auf ein Minimum reduzieren. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass eine vegane Ernährungsweise viel Umsicht, Planung und Wissen erfordert. Die Aufnahme von B-Vitaminen kann ein Problem darstellen, ebenso die ausreichende Versorgung mit anderen Nährstoffen. Natürlich ist es möglich, auch vegan gesund und ohne Mangel zu leben - nur das Ernährungsmodell muss ausgeklügelter sein als bei den meisten anderen Varianten. Gerade für Patienten mit starken Beschwerden, die mit einer lactovegetabilen Ernährung nicht die gewünscht Besserung erreichen, kann sich eine Umstellung auf vegane Lebensweise trotz des Aufwands lohnen.

In der nächsten Lektion lernen Sie die Omega-3-Fettsäuren kennen - die auch für Rheumatiker sehr wertvoll sein können.

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aktualisiert am 25.03.2015, erstellt am 05.02.2014
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