Warum schmerzt es bei rheumatoider Arthritis?

Typisch für Rheuma ist Schmerz in den von der Entzündung betroffenen Gelenken, der von Patienten als reißend und ziehend beschrieben wird. Das Phänomen Schmerz wollen wir deshalb etwas genauer betrachten. Wussten Sie zum Beispiel, dass Schmerz erst im Gehirn entsteht? Sie spüren zwar die Pein im Körper, aber letztlich findet diese Empfindung einzig und allein im Kopf statt. Das Gute daran: Das Gehirn lässt sich mit bestimmten Maßnahmen so beeinflussen, dass der Schmerz nachlässt, mitunter sogar ganz verschwindet. Erfahren Sie in dieser Lektion mehr dazu.

Wenn wir uns schneiden, verbrennen oder stoßen, tut das weh. Dahinter steckt ein fein abgestimmtes System aus Schmerzreiz, Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung im Körper: An der betreffenden Stelle nehmen Schmerzfühler den Reiz auf, senden ihn ans Rückenmark und dieses gibt das Signal dann weiter ans Gehirn. Erst dort wird der Reiz ausgewertet und bewusst als Schmerz wahrgenommen. Das alles geschieht in Sekundenbruchteilen.

Einen Überblick über die Vorgänge bei der Schmerzentstehung und Verarbeitung verschafft Ihnen das folgende kurze Video:

 

Wie der Schmerzprozess bei rheumatoider Arthritis im Einzelnen abläuft, erfahren Sie nun etwas detaillierter:

  • Schmerzfühler reagieren auf Reize

    Der Körper ist mit unzähligen kleinen Schmerzfühlern überseht, die sich Nozizeptoren nennen. Sie sitzen am Ende der Nerven in jedem Gewebe - außer in Gehirn und Leber. Die Nozizeptoren reagieren auf Reize wie Hitze, Kälte oder Druck. Außerdem nehmen sie körpereigene Reize durch Botenstoffe wahr, die bei Entzündungen oder Gewebeschädigungen freigesetzt werden. Das ist einer der Gründe, warum bei rheumatoider Arthritis Schmerzen entstehen. Zudem wird die Gelenkinnenhaut durch die Entzündung immer dicker und produziert viel mehr Gelenkflüssigkeit als normal. Dadurch schwillt das Gewebe an und drückt auf Nervenenden. Bei Rheuma wirken also gleich zwei Reize auf die Nozizeptoren ein: Der Druck durch die Schwellung und die Entzündungsbotenstoffe. Die Nozizeptoren reagieren auf diese Reize, indem sie ein elektrisches Signal über Nervenfasern an das Rückenmark weiterleiten.

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  • Rückenmark leitet Signale ins Gehirn

    Das Rückenmark verläuft im sogenannten Spinalkanal, auch Wirbelkanal genannt, entlang der Wirbelsäule. Über das Rückenmark kommuniziert das Gehirn mit all unseren inneren Organen, den Muskeln und der Haut. Ist eine Nervenleitung im Rückenmark unterbrochen, funktioniert die Kommunikation nicht mehr. Deshalb können Menschen, die eine Querschnittslähmung erlitten haben, ihre Beine nicht mehr spüren und bewegen.

    Kommen die elektrischen Signale der erregten Nozizeptoren im Rückenmark an, werden sie darüber zum Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn kann sofort mit elektrischen Signalen antworten, die ebenfalls über die Kommunikationsautobahn Rückenmark gesendet werden - nun jedoch abwärts, zu ihrem Ausgangspunkt zurück. 

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  • Gehirn verarbeitet Signale als Schmerz

    Haben die elektrischen Signale der gereizten Nozizeptoren das Gehirn über das Rückenmark erreicht, beginnt das Denkorgan mit der Analyse: Es ordnet den Reiz einer Körperregion zu, vergleichen ihn mit früheren Meldungen und stufen ihn dann als Gefahr oder Bagatelle ein. Daran angepasst empfinden wir die Schmerzen als schlimm oder weniger dramatisch. Diese Analyse lässt sich übrigens beeinflussen. Ein auf seinem Nagelbrett sitzender Fakir nimmt zum Beispiel durch Meditation Einfluss auf die Schmerzverarbeitung in seinem Gehirn. Ihm gelingt es, die Verletzungen durch die spitzen Nägel nur noch als Bagatelle wahrzunehmen.

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Akuter Schmerz

Bei einem Rheumaschub sind Ihre Gelenke akut entzündet. Schmerzen, die deswegen auftreten, sind somit sinnvoll als Warnsignal für den Menschen. Ist der Rheumaschub vorbei, die Entzündung also größtenteils abgeklungen, verschwinden die akuten Schmerzen wieder.

Chronischer Schmerz

Dennoch sollten Sie nicht die Zähne zusammenbeißen und diesen Schmerz aushalten wollen, mit der Begründung: Nach dem Schub nimmt der sowieso wieder ab. Nicht therapierter Schmerz kann sich im Gehirn einnisten und ein sogenanntes Schmerzgedächtnis ausbilden. Dieses meldet dann unter Umständen Schmerz, auch wenn eine Entzündung am Gelenk längst abgeklungen ist. Damit ist der Schmerz chronisch geworden. Er tritt unabhängig von der ursprünglichen schmerzverursachenden Erkrankung auf.

Schmerzen gelten als chronisch, wenn sie länger als sechs Monate andauern. Diese Schmerzen haben ihre Schutzfunktion verloren. Das System aus Schmerzreiz, Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung ist dann außer Kontrolle geraten.

Damit ein Schmerzgedächtnis garnicht erst entsteht, ist es wichtig, Schmerzen rechtzeitig zu behandeln. Sie werden hier in der Gesundheitsakademie beim Thema "Therapie mit Medikamenten" noch lernen, wie das geht. 

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aktualisiert am 07.01.2014, erstellt am 05.02.2014
Bildnachweis: W&B / Röper

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