Weitere Verfahren: Phytotherapie, Ayurveda, TENS

Ayurveda

Ayurveda: Eine indische Heilkunst, bei der Bewegung, Stoffwechsel und Stabilität eine Rolle spielen

Neben den schon vorgestellten gibt es noch einige weitere Verfahren, die bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis ergänzend zu einer konventionellen Therapie zum Einsatz kommen können, aber nicht ganz so bekannt sind. Drei davon stellen wir Ihnen hier vor: Phytotherapie, Ayurveda, TENS.

Dabei werden Heilpflanzen als Arzneimittel eingesetzt. Es gibt es keine gesicherten Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Phytotherapie gegen rRheumatoide Arthritis, lediglich zu ein paar wenigen Pflanzen liegen klinische Studien. Wer einen Versuch mit dieser Methode wagen möchte, sollte die Phytotherapie vorher mit einem Arzt besprechen - denn auch pflanzliche Stoffe können starke und teils unerwünschte Wirkungen wie Vergiftungserscheinungen haben. Außerdem sind auch rein pflanzliche Medikamente wirksame Arzneien, und viele synthetische Wirkstoffe haben ihren natürlichen Ursprung in Heilpflanzen. Das wohl bekannteste Beispiel ist Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff von Aspirin. Dieser ist in Weidenrinde enthalten und wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. In der Tat benötigen manche Rheumapatienten, die Weidenrinde-Präparate einnehmen, weniger synthetische Schmerzmittel. Weidenrinde ist daher  auch eine von fünf Heilpflanzen, denen nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand bei der Behandlung von rheumatischen Beschwerden eine potenziell heilsame Wirkung zugeschrieben wird. Hinzu kommen Teufelskralle, Brennnessel und Weihrauch. Mitunter wird die Liste durch Guajakholz, Paprika, Arnika, Hagebutte, Beinwellwurzel,  Pappel, Katzenkralle und Bittersüßstengel ergänzt.

Die Wirkstoffe dieser Pflanzen gelten als entzündungshemmend und schmerzlindernd. Die Blätter der Brennnessel etwa wirken ähnlich wie einige chemisch hergestellte Arzneien auf die Botenstoffe, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. In einigen Fällen lässt sich ihre Wirkung nutzen, um Pharmaka einzusparen.  Auch die recht bitter schmeckende Teufelskralle kann Patienten mit Rheumatoider Arthritis Linderung verschaffen: Studien zeigen, dass Teufelskralle Schmerzen reduziert und die Beweglichkeit der Gelenke verbessert

Pflanzliche Arzneimittel können innerlich und äußerlich zum Beispiel in Form von Tee, Tabletten, als Extrakt, Tinktur oder Salben angewendet werden. Als Arzneimittel registriert sind in Deutschland unter anderem Präparate aus Teufelskralle, Brennnessel, Weidenrinde, Pappel und Katzenkralle. Im Vergleich zu konventionellen Medikamenten sind diese Arzneien oft besser verträglich und haben weniger Nebenwirkungen. Allerdings sollte man darauf achten, nach Möglichkeit geprüfte und standardisierte Präparate zu verwenden, die eine nachweislich wirksame Menge an Inhaltsstoffen enthalten und bei denen alle giftige Inhaltsstoffe entfernt wurden.

Die traditionelle indische Heilkunst kann auch bei Rheumatoider Arthritis helfen. Ayurveda unterscheidet drei Funktionen, die für die Gesundheit des Körpers entscheidend sind: Vata (Bewegung), Pitta (Stoffwechsel) und Kapah (Stabilität). Gerät eine dieser Funktionen aus dem Gleichgewicht, kommt es laut dieser Lehre es zu einer Erkrankung. Weil die Schmerzen bei Rheuma nach ayurvedischer Auffassung in Bewegung sind, da sie an unterschiedlichen Stellen im Körper auftreten, wird Rheumatoide Arthritis der Funktion Vata zugeordnet. Es gibt verschiedene Untertypen.

Ziel einer ayurvedischen Behandlung ist es, die drei Funktionen wieder in Einklang zu bringen. Die Therapie richtet sich nach Stadium und Fortschritt der Krankheit ebenso wie nach der Persönlichkeit und den Lebensumständen des Patienten. Den einen richtigen Weg gibt es folglich nicht. Doch möglicherweise ist genau das die größte Stärke der ayurvedischen Lehre: ihr Ansatz ist immer ganzheitlich und individuell. Zum Behandlungsspektrum gehören eine komplexe Ernährungslehre, spezielle Yogatechniken, Pflanzenheilmittel sowie Massage- und Reinigungstechniken.

Bestehen die rheumatischen Beschwerden erst seit kurzer Zeit oder sind nur milde ausgeprägt, wird meist die Ernährung umgestellt und nach psychologischen Ursachen und Erlebnissen gesucht. Sind die Beschwerden hingegen stark und der Krankheitsverlauf bereits weit fortgeschritten, steht in der Regel eine mehrstufige Reinigungstherapie an, Panchakarma genannt. Das Ziel einer Panchakarma-Kur ist es, die Körperabwehr zu stärken, zum Beispiel mittels Ölmassagen, Einläufen, Kräuterabkochungen, Nahrungsergänzungen oder pflanzlichen Präparaten. Die genaue Vorgehensweise stimmt ein Therapeut individuell auf den Patienten ab. Dabei spielt es auch eine Rolle, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt die Pflanzen verabreicht werden. Ayurveda hat also eine sehr spirituelle Komponente, was eine gewisse Offenheit seitens des Patienten erfordert. Wenn Sie mit der Methode liebäugeln, informieren Sie sich vorher gründlich und fragen Sie sich ehrlich, ob die indische Lehre für Sie persönlich in Frage kommt. In Indien ist es übrigens durchaus üblich, dass Patienten mit Rheumatoider Arthritis von Schulmedizinern an ayurvedische Kliniken überwiesen werden. Solche Einrichtungen gibt es mittlerweile auch in Deutschland.

Eher technisch als spirituell ist die transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS. Das ist eine elektromedizinische Reizstromtherapie, bei der Wechselstrom auf unterschiedlichen Frequenzen zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt wird. Dafür gibt es spezielle Geräte, deren Miete oder Anschaffung meist von der Krankenkasse übernommen wird. Obwohl nicht neu (sie wurde in den 70iger Jahren entwickelt), ist das Verfahren umstritten. Die Studienlage ist nicht ganz eindeutig, es gibt sowohl Untersuchungen, die eine positive Wirkung bestätigen als auch solche, die keinerlei Effekte nachweisen. Doch die Methode ist von Schulmedizin und Krankenkassen anerkannt und erzielt bei Rheumapatienten oft gute Ergebnisse.

Im Zweifel hilft ausprobieren - es sei denn, Sie haben einen Herzschrittmacher, Thrombosen oder Fieber. In diesem Fall darf kein TENS-Gerät zum Einsatz kommen. Auch für Schwangere ist die Methode tabu. Die Anwendung ist simpel und kann nach ärztlicher Einweisung problemlos zu Hause erfolgen. An TENS-Geräten sind Elektroden befestigt, die auf die Haut gelegt werden. Entweder direkt auf die schmerzende Stelle oder in der Nähe davon. Die Elektroden übertragen elektrische Impulse, die zwischen einem und 100 Hertz betragen. Keine Sorge, Sie merken davon allenfalls ein leichtes Kribbeln. Tatsächlich empfinden die meisten Patienten die Anwendung als sehr angenehm und wohltuend.

Die Idee hinter dieser elektromedizinischen Behandlungsmethode: Der Reizstrom soll afferente Nervenbahnen, also solche, die der Schmerzleitung dienen, so beeinflussen, dass die Weiterleitung zum Gehirn reduziert oder sogar verhindert wird.

Die Vorteile der Methode: keine Nebenwirkungen, sehr leichte und flexible Anwendung, gute Verträglichkeit. Die Nutzung des Geräts ist zudem flexibel und problemlos in den Alltag integrierbar. Allerdings bemängeln viele Anwender, dass der Effekt nur kurzfristig anhält und keine dauerhafte Erleichterung bringt. Aber wie gesagt: Da hilft nur selbst ausprobieren 


Soviel zu den ergänzenden Verfahren. Am Ende soll nochmals betont werden:

Alternative Methoden dürfen niemals die Basistherapie mit Medikamenten ersetzen.

In den nächsten beiden Lektionen wird von der Rolle der Psyche bei rheumatoider Arthritis die Rede sein. Denn auch wenn Rheuma primär eine Erkrankung der Gelenke ist, wirkt sich das Leiden oft auch auf das Gemüt aus.

78.2

Ihr Fortschritt im Kurs rheumatoide Arthritis

aktualisiert am 25.03.2015, erstellt am 05.02.2014
Bildnachweis: W&B / Röper, Strandperle/Aidbox/MEV

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