Den Schmerz vergessen

Frau entspannt sich

Das Schmerzgedächtnis zu beeinflussen gehört zu den wichtigsten Dingen, die eine Psychotherapie leisten kann. Schmerzgedächtnis, was war das nochmal? Wir wiederholen das gerne - auch wenn es bei Schmerzpatienten eigentlich darum geht, genau dieses Gedächtnis zu überschreiben.

Wenn wir Schmerz fühlen - sei es ein Stich, ein Schlag, ein Ziehen - wird der damit verbundene Schmerzreiz unmittelbar in elektrochemische Impulse umgewandelt und über das Rückenmark zur Großhirnrinde geleitet. Dort wird der Schmerz einer Körperregion zugeordnet, mit früheren Schmerzimpulsen verglichen und rational sowie emotional bewertet. Tut es weh? Wie sehr? Ist es schlimm? Nur eine Bagatelle? Was nun?

Dieser Mechanismus funktioniert ein Leben lang. Wann immer neue Schmerzimpulse im Gehirn eintreffen, verrechnet unser Denkorgan diese mit anderen Erfahrungen. Unser Schmerzempfinden und unser Schmerzverhalten passen sich dann entsprechend an. Das sind hochkomplexe biochemische Vorgänge, die - vereinfacht dargestellt - auf folgendes hinauslaufen: Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen verändern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Es entstehen neue Verbindungen, und in Erinnerung an frühere Schmerzreize reagieren die Nervenzellen zuweilen heftiger auf neue Reize. Denn andauernde und starke Schmerzen werden von unserem Gehirn gespeichert. Die Folge: Selbst weniger starke Schmerzen empfindet der Mensch dann als stark, die Reizschwelle sinkt erheblich. So entsteht das Schmerzgedächtnis, das wesentlich mit dem Chronischwerden von Schmerz zu tun hat.

Hinzu kommen soziale und psychologische Faktoren: Horrorgeschichten von Freunden, Angst vor schlimmeren Schmerzen oder davor, zum Beispiel den Lieblingssport nicht mehr ausüben zu können. Im schlimmsten Fall können also sogar solche Schmerzen chronisch werden, deren Auslöser längt behoben ist.

Weil sich das Schmerzgedächtnis mit Schmerzmitteln nur sehr bedingt und natürlich nicht dauerhaft austricksen lässt, kommen bei Rückenleiden oft Methoden aus der Psychotherapie zum Einsatz. Mittels der bereits vorgestellten Ansätze der Verhaltenstherapie oder einer Psychoanalyse wird dann versucht, das Schmerzgedächtnis zu löschen. Also das Nervenköstum mal zu beruhigen. Zu vergessen, dass eine bestimmte Situation irgendwann mal Beschwerden ausgelöst hat. So können Betroffene den Schmerz, den ihr Nervensystem sich gemerkt hat, wieder verlernen und neue Verknüpfungen erstellen.

Das ist einer der Gründe dafür, warum die Kombination aus einer körperlichen Behandlung mit einer Verhaltenstherapie so gute Erfolge erzielt. Gerade wenn die Verhaltenstherapie durch Entspannung oder Bewegung ergänzt wird, schlägt sie bei vielen Rückenschmerzgeplagten gut an. Sie lernen, den Schmerz auch mal zu vergessen oder überwinden ihre Angst vor Bewegungen, die sie mit Schmerz assoziieren. Wenn es um Schmerzen geht, ist Gedächtnisverlust ein Segen - probieren Sie es aus.

Womit wir schon mittendrin in der Therapie von Rückenschmerzen sind. Mit diesem Thema soll es auch in den nächsten Lektionen weitergehen. Zunächst einmal mit der Therapie, die für die meisten die bekannteste und gängigste ist: die Behandlung mit Medikamenten.

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aktualisiert am 06.07.2015, erstellt am 27.10.2013
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