Der psychologische Faktor

Psychotherapie

Mit dem schmerzenden Kreuz zum Psychologen? Vielleicht denken Sie jetzt: Mein Problem liegt doch im Rücken, nicht im Kopf! Sie haben in den Lektionen über die Ursachen von Rückenschmerz ja schon gelernt, dass die Psyche eine wichtige Rolle spielt - die noch immer oft unterschätzt wird. Sie haben auch schon erfahren, dass eine psychische Komponente bei Rückenschmerzen nicht bedeutet, dass eine psychische Krankheit vorliegt.

Also, noch mal: Sie sind nicht irre, wenn Ihr Arzt Sie zum Psychologen schickt.

Vielmehr gibt es eine Reihe von einleuchtenden Gründen, warum psychologische Hilfe für Patienten mit Rückenschmerzen sinnvoll sein kann. Um die soll es jetzt hier gehen.

Unser Rücken ist ein Stressindikator, der sensibel auf Hektik, Anspannung und Druck im Alltag reagiert. Dauernde Rückenschmerzen drücken auf die Seele, rauben Unbeschwertheit und Lebensfreude. Es ist kein Zufall, dass viele Menschen mit chronischen Schmerzen Antidepressiva schlucken. Manchmal sind auch belastende Lebensereignisse wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder der Verlust eines geliebten Menschen der Grund für Rückenschmerzen. Wer körperlich auf solche Ereignisse reagiert, sollte eine Behandlung in Erwägung ziehen.

Sie sehen: Es gibt viele Situationen, die für den Gang zu einem Therapeuten sprechen - und keine davon hat etwas mit Irresein zu tun. Sie sollten also keine Scheu haben, diese Hilfe für sich in Anspruch zu nehmen.

Keine Angst vor dem Gang zum Psychologen

Dass eine moderne Behandlung von chronischen Rückenschmerzen aus vielen, teilweise sehr unterschiedlichen Bausteinen besteht, wissen Sie bereits. Psychotherapie ist einer dieser Bausteine, der eine körperliche Behandlung ergänzen kann. Weil mittlerweile viele Studien die Wirksamkeit insbesondere von Verhaltenstherapien belegen, hat das Interesse von Patienten und Medizinern daran in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Längst kommt Psychotherapie nicht mehr nur bei der Behandlung von seelischen Erkrankungen zum Einsatz. Sie hat sich auch bei psychosomatischen Krankheiten (also solche, bei denen seelische Probleme sich krankmachend auf den Körper auswirken) und bei Patienten mit besonders schweren oder chronischen Krankheitsbildern etabliert. Warum? Weil solche Krankheiten oder Schmerzzustände zwangsläufig Auswirkungen auf Empfinden, Verhalten und Wahrnehmung der Betroffenen haben. Gerade für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ist Psychotherapie also eine interessante Option. Wer das Gefühl hat, dass der Schmerz das ganze Leben bestimmt, sollte eine Therapie dringend in Erwägung ziehen.

Am wichtigsten ist in diesem Kontext die sogenannte Verhaltenstherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie. Bei diesem Therapieansatz erlernen Patienten Fähigkeiten, die beim Umgang mit Angst, Ärger, Stress und Schmerzen helfen. Die Patienten werden darin geschult, negative Gefühle und Verhaltensmuster aufzuspüren und richtig damit umzugehen. Sie lernen, was ihrem Rücken guttut und üben dieses Verhalten. Depressiven Verstimmungen kann so vorgebeugt und die Lebensqualität gesteigert werden. Je nach Diagnose und Patient wird der Therapeut dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzten. So kann zum Beispiel gezielt die Schlafqualität verbessert oder mehr Gelassenheit für den Alltag erlernt werden. Auch Genusstraining, die Wiederaufnahme von sozialen Kontakten, ein offenerer Umgang mit den eigenen Gefühlen oder die Verarbeitung belastender Erfahrungen können Teil einer Therapie sein. Gerade für Dauerschmerzgeplagte ist eine Therapie mitunter eine große Entlastung. Sie lernen nicht zuletzt, dass sie dem Schmerz nicht hilflos ausgeliefert sind.

In unserer modernen Lebenswelt mit all ihren Belastungen - Termindruck, Hektik, wachsende Anforderungen, Informationsflut - entstehen Rückenschmerzen oft als Ausdruck innerlicher Anspannung. Unsere Wirbelsäule ist ein Stressindikator, muskuläre Verspannungen infolge psychischen Drucks werden durch den vielschichtigen Aufbau der Rückenmuskulatur begünstigt. Wer im Rahmen einer Therapie lernt, besser mit den Stressfaktoren des Alltags umzugehen und sich gezielt zu entspannen, hat gute Chancen, die Schmerzen wieder loszuwerden und einer Chronifizierung vorzubeugen.

Neben den Formen der Psychotherapie gibt es übrigens auch psychodynamische Verfahren wie Psychoanalyse und Tiefenpsychologe. Sie unterscheiden sich wesentlich von der Psychotherapie, ihre Wirkung ist wissenschaftlich weniger gut belegt. Therapeuten, die diesen Ansatz verfolgen, gehen davon aus, dass psychische Probleme ihre Wurzel in Konflikten haben, die in der Kindheit unterdrück wurden. Deshalb wird in den Therapiesitzungen daran gearbeitet, diese unterdrückten Gefühle und Gedanken wieder ins Bewusstsein zu holen, um sich gezielt mit ihnen auseinanderzusetzen. Gelingt das, kann die Bedeutung früherer Traumata gemindert werden und die Symptome verlieren ihren ursprünglichen Sinn. Sie werden schwächer oder verschwinden ganz. Schmerz kann als Symptom solcher Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen.

Meist geht also um eine Verhaltensänderung - und die beginnt im Kopf. In Ihrem Kopf. Mehr dazu in der nächsten Lektion.

Ihr Fortschritt im Kurs Rückenschmerzen
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Text Das Ziel: die Lebensqualität des Patienten zu steigern und Strategien im Umgang mit dem Schmerz zu entwickeln
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aktualisiert am 06.07.2015, erstellt am 27.10.2013
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