Die wichtigsten Operationsverfahren im Überblick

  • Injektionen und Wirbelsäulen-Katheter

    Sind die Nervenwurzeln durch vorgefallenes Bandscheibengewebe, Vernarbungen durch vorangegangene Bandscheibenoperationen oder knöcherne Einengungen der Wirbelsäule gereizt, können der Wirbelsäulen-Katheter oder spezielle Injektionen Schmerzen nehmen. Dabei führt der Arzt unter örtlicher Betäubung und Bildüberwachung eine dünne Injektionsnadel oder einen feinen Schlauch (Katheter) durch einen kleinen Hauteinstich bis unmittelbar an die Nervenwurzel (periradikuläre Technik) heran. Wird die Nadel oder der Katheter hingegen direkt an die Rückenmarkshaut in den sogenannten Epiduralraum geschoben, nennen Mediziner das "epidurale Technik". Bei beiden Verfahren injiziert der Arzt einen Mix aus schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Je nach Beschwerden wird diese Therapie einige Tage oder Wochen lang wiederholt. Wird über den Katheter gearbeitet, bleibt dieser meist für einige Tage im Wirbelkanal, damit er nicht jedes Mal neu eingeführt werden muss.

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  • Facettenblockade

    Per Injektionen von entzündungshemmenden Medikamenten oder Betäubungsmitteln können Ärzte auch die Zwischenwirbelgelenke, die Rippenwirbelgelenke und das Kreuz-Darmbein-Gelenk behandeln. Das unterbindet die Schmerzweiterleitung zum Gehirn. Dafür sind jedoch tägliche oder mehrmals wöchentliche Injektionen erforderlich. Die Facettenblockade kann auch durch Nervenverödung (Neurolyse) erreicht werden. Dabei verödet ein Chirurg gezielt Gewebe oder Nerven, die den Schmerz zur Gelenkkapsel leiten. Das erreicht er durch verschiedene Maßnahmen: Injektion von hochprozentigem Alkohol (Ethanol), Erhitzung mittels Hochfrequenzenergie oder Laser sowie kurzfristige Vereisung. Der Nachteil: Die Wirkung der Facettenblockade hält höchstens sechs bis neun Monate lang an.

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  • Nukleotomie

    Bei diesem Eingriff trägt der Chirurg Bandscheibengewebe ab, das vorgewölbt ist. Über einen winzigen Hautschnitt schiebt er unter örtlicher Betäubung eine Spezialkanüle zum vorgequollenen Bandscheibenkern. Über die Spezialkanüle werden feine Operationsinstrumente eingebracht, mit denen Bandscheibengewebe abgeschnitten oder abgesaugt wird. Das Verfahren nennt sich perkutane Laser-Nukleotomie, wenn statt der Operationsinstrumente ein Laserstrahl zum Einsatz kommt. Der Laser verschließt zudem kleine Bandscheibenrisse. Auch bestimmte Bandscheibenprothesen, die lediglich den Kern der Bandscheibe ersetzen (Teilprothese), können bei der Nukleotomie eingesetzt werden. Da Ärzte aber erst seit einigen Jahren mit künstlichen Bandscheiben arbeiten, sind die Langzeiterfolge dieses Verfahrens noch nicht zuverlässig bewiesen.

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  • Mikroskopische Laminotomie

    Sie ist die klassische Bandscheibenoperation. Die mikroskopische Laminotomie wenden Ärzte an, wenn größere Bandscheibenbereiche vorgefallen sind. Diese werden bei der Operation entfernt. Auch hier bietet es sich möglicherweise an, eine künstliche Bandscheibe einzusetzen. Die Operationsmethode kommt zudem zum Einsatz, wenn ausgeprägte knöcherne Verengungen mit Einklemmung von Rückenmarksnerven vorliegen (Spinalkanalstenose). Dann erweitern Chirurgen den Wirbelkanal. Bei der mikroskopischen Laminotomie erfolgt unter Vollnarkose ein Skalpellschnitt von etwa vier bis sieben Zentimeter. Der Zugang wird zur Schonung von Muskulatur und Stützgewebe so klein wie möglich gehalten. Bei einer Laminotomie können Mediziner erkrankte Wirbel, die an Masse verloren haben (etwa durch bösartige Geschwulste oder Wirbelkörperbrüche), mit Knochenersatzmaterial auffüllen.

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  • Stabilisierende Verfahren (Spondylodese)

    Die Lockerung einer fehlgebildeten, degenerierten oder operierten Bandscheibe bewirkt bei manchen Patienten eine Instabilität oder Überbeweglichkeit bestimmter Segmente. Da Wirbelgleiten sehr schmerzhaft sein kann, bleibt mitunter nur die Versteifung, medizinisch Spondylodese oder Fusion genannt. Zudem kommt diese Methode zum Einsatz bei instabilen Wirbelbrüchen sowie zur Korrektur der Wirbelsäule bei starkem Rundrücken (Kyphose) oder Seitverbiegung (Skoliose). Auch bei Morbus Bechterew oder einer rheumaerkrankten Halswirbelsäule findet dieses stabilisierende Verfahren Anwendung. Bei der offenen Operation unter Vollnarkose werden durch verschiedene Techniken benachbarte Wirbelkörper fest miteinander verbunden, die Wirbelsäule also teils versteift. Die Operation lässt sich entweder von vorne durch die Bauchhöhle oder von hinten über den Rücken sowie kombiniert vornehmen.

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  • Neurostimulation des Rückenmarks

    Bei nervenbedingten, chronischen Schmerzzuständen aufgrund chronischer Nervenwurzelreizungen kann die Stimulierung des Rückenmarks durch elektrische Signale Schmerzlinderung verschaffen. Vorab müssen die Beschwerden aber genau neurologisch und psychologisch abgeklärt sein. Bei dem Eingriff setzen Ärzte einen kleinen Impulsgenerator unter die Haut am Bauch ein, der später von außen ein- und ausgeschaltet wird. Der Impulsgenerator ist mit einer oder mehreren Elektroden verbunden, die im Wirbelkanal platziert werden, um bestimmte Nervenbahnen im Rückenmark zu stimulieren. Auf diese Weise wird die Schmerzweiterleitung zum Gehirn unterbrochen.

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Wie gesagt, Operationen sind keine Wundermittel. Und wie bei jedem Eingriff gibt es immer ein Restrisiko, dass unerwünschte Nebenwirkungen eintreten - zum Beispiel durch Infektionen. Nutzen und Risiko sollten Sie vor einem Eingriff im Gespräch mit dem Arzt abwägen. Im Zweifelsfall holen Sie sich eine zweite Meinung ein.

Die nun folgende Lektion des Themenblocks "Therapien" handelt von der letzten Option, die einem Rückenpatienten bleibt, falls alle anderen Behandlungsversuche ohne Erfolg blieben und das Leid langsam unterträglich wird: die Schmerzklinik.


Ihr Fortschritt im Kurs Rückenschmerzen
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aktualisiert am 18.09.2013, erstellt am 29.10.2013

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