Langzeittherapie mit Opioiden: Schlechter Ruf, gute Wirkung

Fentanyl-Struktur-Kalotte

Strukturmodell am Computer: So sehen Forscher den Opioid-Wirkstoff Fentanyl

Opioide und Opiate (die morphinartigen Vertreter) sind stark wirksame Schmerz- und Betäubungsmittel. Ihren Einsatz zur Therapie von Rückenschmerzen beurteilen Experten inzwischen wieder kritischer. Opioide fallen in Deutschland ganz überwiegend unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Arzt wird möglichst alle anderen verfügbaren Therapiemethoden ausschöpfen und den Patienten ausführlich informieren, bevor er zu einem solchen Mittel greift.

Die Regel lautet: Nur wenn ein Patient wirklich ein Schmerzmittel braucht, alle anderen verfügbaren ihm aber nicht helfen, sollten Opioide zur Anwendung kommen. Dabei wird der Arzt die Risiken einer Überdosierung genauso ansprechen wie zu erwartende Nebenwirkungen, etwa Müdigkeit, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen. Verstopfung tritt fast immer auf. Aber hier lässt sich gegensteuern, angefangen bei natürlichen Strategien wie Ballaststoffzulagen und ausreichende Trinkmengen.

Verordnet werden in erster Linie schwache Opioide, deren Wirkung langsam einsetzt. Sie lassen sich auch mit anderen Medikamenten kombinieren, die einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung von Schmerzen haben. So sind jeweils niedrigere Dosierungen möglich und Nebenwirkungen eher vermeidbar. Klingen die Schmerzen nach etwa sechs- bis höchstens zwölfwöchiger fachgerechter Behandlung nicht ab, wird der Arzt diese langsam ausschleichend beenden.

Viele Betroffene plagt die Sorge vor einer Abhängigkeit. Sie ist aber im Rahmen einer kontrollierten Behandlung durch einen erfahrenen Arzt kaum zu erwarten. Zweifellos haben Opioide starke, suchterzeugende Eigenschaften - körperlich wie psychisch. Diese kommen aber in erster Linie bei Missbrauch zum Tragen. Und: Entzugserscheinungen im Rahmen der Therapie treten im Allgemeinen nur auf, wenn Patienten die Einnahme abrupt beenden. Reduzieren Patienten die Dosis hingegen langsam, wie vom Arzt festgelegt, und schleichen die Behandlung allmählich aus, müssen sie nicht mit körperlichen Reaktionen wie Schwitzen, Zittern, Schlaflosigkeit oder anderen Störungen rechnen. Halten Sie sich stets genau an den vorgegebenen Einnahmeplan, Dosis und Einnahmezeit. Nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr und ändern Sie niemals selbst etwas an der Einnahme. Wenn Sie das beherzigen, sollte es keine größeren Probleme mit einer kontrollierten, opioidbasierten Schmerztherapie geben.

Zum Abschluss dieser Lektion nehmen Sie bitte folgende Botschaft mit:

Die Therapie von Rückenschmerzen richtet sich vorrangig nach der zugrundeliegenden Ursache. Ziel ist immer zu verhindern, dass der Schmerz chronisch wird. Medikamente gegen Schmerzen können andere, ursachenorientierte Therapien wirksam ergänzen. Häufig sind sie nur vorübergehend notwendig. Schmerzlinderung erleichtert außerdem die Möglichkeit einer gezielten Bewegungstherapie.

In dem Maße, wie Rückenschmerzen ohne weitere medizinische Besonderheiten länger andauern, ist ein psychologischer Check-up und ein umfassender, ganzheitlicher Behandlungsansatz sinnvoll.

Soviel zur Therapie mit Medikamenten. In den folgenden Lektionen soll es um die weiteren Behandlungsmethoden von chronischen Rückenschmerzen gehen. Ein zentraler Bestandteil von allen Verfahren: Bewegung. Hier kann die Physiotherapie eine große Hilfe sein.

Ihr Fortschritt im Kurs Rückenschmerzen
63%

aktualisiert am 06.07.2015, erstellt am 27.10.2013
Bildnachweis: Jmol

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