Manuelle Medizin: Mit den Händen Schmerzen lindern

Manuelle Therapie

Die manuelle Medizin ist eine alte Therapieform: Schon der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates, kannte ähnliche Behandlungsformen unter der Bezeichnung des "Knochensetzens". "Manuell" leitet sich aus dem lateinischen Wort "manus" ab, zu Deutsch: die Hand. Störungen oder Krankheiten am Bewegungsapparat werden mit den Händen behandelt. Typische Beispiele sind die Chirotherapie und die Osteopathie. Die Methoden können bei akuten nichtspezifischen Rückenschmerzen und bei chronischen Rückenschmerzen zusammen mit Bewegungstherapie angewendet werden.

Ihre Ausübung verlangt beste anatomische und physiologische Kenntnisse sowie viel praktische Erfahrung. Ein falscher Griff, ein schlecht angesetzter Zug und schon können Schäden an der Wirbelsäule entstehen, die womöglich nicht mehr reparabel sind. In Deutschland dürfen diese Behandlungsform deshalb nur Ärzte praktizieren, die mit einer speziellen Weiterbildung die Zusatzbezeichnung "Manuelle Medizin/Chirotherapie" erworben haben. Dadurch qualifizieren sie sich für entsprechende Diagnose- und Therapieverfahren. Physiotherapeuten können eine Fortbildung in "Manueller Therapie" absolvieren.

Bei der Chirotherapie hat sich in den letzen Jahren viel verändert. Sie hat nichts mehr mit Knochensetzen unter großer Kraftaufwendung zu tun. Manualmediziner arbeiten heute viel sanfter. Sind etwa Gelenke oder Wirbel durch umgebende, verspannte Muskeln blockiert (was man mit einer klemmenden Schublade vergleichen kann), mobilisieren Ärzte die Gelenke heute nur noch in die freie Richtung. Verkürzte oder verspannte Muskeln werden sanft gedehnt oder bestimmte schmerzhafte Punkte (Triggerpunkte) gedrückt. Ziel der Chirotherapie ist es, die Beweglichkeit zu verbessern.

Bevor ein Arzt ein Rückenleiden mit Chirotherapie behandelt, sollte er unbedingt abklären, ob die Schmerzen nicht bestimmte Wirbelsäulenschäden (zum Beispiel Tumore) als Ursache haben.

Ein Osteopath kennt alle kleinen und großen Bewegungen des menschlichen Körpers. Nicht nur das Pulsieren von Herz und Blut, sondern auch die Bewegung von Gewebsflüssigkeiten wie Lymphe oder die Übertragungsimpulse von Nervensignalen. Mit seinen Händen spürt er das Spannungsniveau der Muskeln, des Bindegewebes, der Knochen und Gelenke. Werden diese Bewegungsflüsse an einer Stelle im Körper behindert - etwa durch Fehlhaltungen, Durchblutungsstörungen, Verletzungen oder Entzündungen - und nicht rechtzeitig behoben, kommt es nach den Grundlagen der Osteopathie zu einem Schaden an der Struktur. Krankheiten oder Schmerzen entstehen, etwa am Rücken.

Solche Bewegungseinschränkungen und Spannungen behandelt ein Osteopath mit speziellen Techniken. Muskeln und ihre Bindegewebshüllen werden mit sanftem Druck, Zug und Gegenzug, Dehnung und Entspannung bearbeitet. Agieren alle Teile des Organismus wieder harmonisch zusammen, werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv und er kann sich selbst heilen.

Soweit die Theorie. Die Wirksamkeit der Osteopathie ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend nachgewiesen - es fehlen valide Studien. Deshalb ist die Osteopathie im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht enthalten. Aufgrund der Behandlungserfolge, die Osteopathen aber zuweilen erreichen, tragen einige gesetzliche und private Krankenversicherungen die Kosten trotz ungenügender Studienlage ganz oder teilweise. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Die Kosten für eine Osteopathiesitzung liegen zwischen 60 und 100 Euro.

In Deutschland sind weder der Beruf des Osteopathen noch dessen Ausbildung staatlich geregelt. Da die Osteopathie aber als Bestandteil der manuellen Medizin gilt, darf sie nur von Ärzten und Heilpraktikern beziehungsweise auf deren Anweisung ausgeübt werden - im sogenannten Delegationsverfahren. Dann können auch Physiotherapeuten osteopathisch behandeln. Sie sollten eine Ausbildung zum Osteopathen an einer Osteopathieschule haben. Der Verband der Osteopathen Deutschland führt eine Liste von Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten, die eine qualifizierte fünfjährige Ausbildung zum Osteopathen absolviert haben und sich regelmäßig weiterbilden.

Die letzte Methode der physikalischen Medizin, die wir jetzt vorstellen, haben die meisten schon mal an sich selbst erlebt: Von der Massage ist die Rede. Was viele als ein angenehmes Verfahren zur Entspannung, zur Lockerung und zum Wohlfühlen kennen, hat bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen eine richtige therapeutische Bedeutung.

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aktualisiert am 06.07.2015, erstellt am 29.10.2013
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