Operationen: Welche Methoden es gibt, wem sie helfen

Chirurgen

Die eine, alle Schmerzen beseitigende Operation - davon träumt wohl so mancher Rückenschmerzpatient. Doch meist bleibt es bei diesem Wunschdenken. Denn was viele Betroffene nicht wissen: Operationen helfen bei Rückenschmerzen weit weniger oft als angenommen. Vielmehr ist richtig, dass sich mit konservativen Therapieverfahren und Eigeninitiative - allem voran einem rückenfreundlichen Lebensstil und der richtigen Bewegung - viele Rückenprobleme besser zu meistern sind als mit Spritze und Skalpell.

Dennoch wird viel operiert am Kreuz. Rund 400.000 Eingriffe zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2010, davon etwa die Hälfte Bandscheibenoperationen.

Aber raten Sie mal, in wieviel Prozent der Fälle Experten der Meinung sind, der Eingriff an der Wirbelsäule war überflüssig:

25 Prozent

... falsch, zu wenig.

50 Prozent

... immer noch zu wenig.

85 Prozent

... richtig, diese Aussage machten Orthopäden auf dem Deutschen Wirbelsäulenkongress im Jahr 2011.

Natürlich gibt es Gründe, die eine Operation unausweichlich machen. Zum Beispiel Schmerzen, die trotz Ausschöpfung aller konservativen Methoden nicht beherrschbar werden und mit neurologischen Ausfällen wie etwa Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen oder von Blase oder Mastdarm einhergehen. Eine Rückenoperation ist auch die Therapie der Wahl, wenn Ärzte einen Tumor in der Wirbelsäule oder dem Spinalkanal entdeckt haben. Zudem ist ein Eingriff auch nicht zu umgehen, wenn eine bestimmte Art des Wirbelbruchs mit erheblicher Einengung des Wirbelkanals vorliegt. Dasselbe gilt für verschleißbedingte Verengungen des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose).

Aber das sind vergleichsweise seltene Fälle. Selbst bei der häufigen Diagnose Bandscheibenvorfall ist eine Operation nur bei etwa jedem zwanzigsten Patient sinnvoll.

Das Problem ist nicht nur die fehlende Wirksamkeit. Nein, nach einer Operation an Wirbelsäule und Bandscheiben können sich die Beschwerden sogar verschlimmern. Schuld daran ist eine zunehmende Degeneration durch eingeschränkte Beweglichkeit des operierten Segments. Auch Narben können Probleme machen.

Jede Entscheidung zur Operation sollten Sie also sehr sorgfältig treffen. Falls Ihnen die Sache nicht geheuer ist, Zweifel bestehen, Sie Angst haben vor dem Eingriff: Holen Sie sich eine ärztliche Zweitmeinung ein. Das wird Ihnen kein Arzt übelnehmen (und falls doch, dann ist er möglicherweise nicht der richtige Arzt). Die Kosten hierfür tragen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen.

Einteilung von OP-Verfahren nach Art des Zugangs

Chirurgen brauchen heute nicht mehr unbedingt einen großen Schnitt in die Haut, um gesundheitliche Probleme zu korrigieren. Es gibt auch Verfahren, die Patienten nur wenig belasten und nur kleine Narben zurücklassen. Welche Operationsmethode die Ärzte empfehlen, entscheidet sich anhand des Rückenbefundes in Kombination mit Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand:

  • Makrochirurgischer Eingriff

    So bezeichnet man das klassische Operieren. Der Arzt eröffnet mit einem Schnitt ein Operationsfeld, das mit bloßem Auge einsehbar ist. Meist ist dabei eine Vollnarkose erforderlich.

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  • Mikrochirurgischer Eingriff

    Auch hier macht der Chirurg einen Schnitt, jedoch einen kleineren als beim makrochirurgischen Eingriff. Denn es reicht eine nur wenige Zentimeter breite Öffnung, damit ein über dem Operationstisch angebrachtes Spezialmikroskop dem OP-Team bis zu 30fach vergrößerte Bilder liefert. Eine Videokamera überträgt diese Bilder zusätzlich auf einen Bildschirm. Meist ist eine kurze Vollnarkose erforderlich.

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  • Minimal-invasiver Eingriff

    Hier operieren Chirurgen durch millimeterkleine Schnitte, was dem Verfahren den Begriff "Schlüsselloch-Chirurgie" beschwert hat. Feinste Instrumente, über die der Chirurg im Körperinneren arbeitet, ersetzen das Skalpell. An diesen Instrumenten sind hochmoderne Minikameras angebracht, die Bilder auf einen Monitor übertragen. Ergänzend oder alternativ durchleuchten Röntgen-, CT- oder MRT-Geräte die Eingriffsstelle. Minimal-invasive Eingriffe sind teilweise ambulant und ohne Vollnarkose möglich. Die nur keinen Wundflächen beugen Infektionen vor, Muskelgewebe wird geschont und der Patient ist schneller wieder fit als nach einer großen Operation. Zurück bleiben nur ein oder mehrere winzige, kaum sichtbare Narben.

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In der nächsten Lektion schauen wir uns die wichtigsten Operationen bei Rückenbeschwerden mal etwas genauer an.

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aktualisiert am 18.09.2013, erstellt am 29.10.2013
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