Wie Schmerz entsteht und wahrgenommen wird

Wer mag schon Schmerzen? Sie als Rückenpatient wahrscheinlich noch weniger als Menschen ohne chronische Rückenschmerzen. Aber ob Sie es glauben oder nicht: Schmerzen sind überlebenswichtig für uns Menschen.

Sie zweifeln? Drei Situationen, in denen Schmerz Ihr Retter in der Not ist:

Der Klassiker: Mit den Fingern die heiße Herdplatte berührt.

Dank des Schmerzreizes und dem Reflex, der dazu führt, dass Sie Ihre Hand schnell zurückziehen, verläuft dieser Vorfall meist glimpflich ab. Ohne diese Reaktion würden Sie sich jedes Mal schwerste Verbrennungen zuziehen.

Heftige Bauchschmerzen.

Nicht selten ist eine Entzündung des Blinddarms die Ursache. Wird diese Entzündung nicht behandelt (meist wird ein Teil des Blinddarms entfernt), droht ein sogenannter Durchbruch - und der ist lebensgefährlich.

Starke Brustschmerzen

Die Ursache kann ein Herzinfarkt sein. Betroffene müssen sofort von einem Notarzt behandelt und ins Krankenhaus gebracht werden. Passiert das nicht, besteht akute Lebensgefahr. Übrigens: Einige Diabetiker haben als Folge ihrer Krankheit ein niedrigeres Schmerzempfinden als Nichtdiabetiker. Sie spüren Schmerzen tatsächlich erst später oder weniger intensiv als andere. So kommt es vor, dass Diabetiker einen Herzinfarkt erst spät bemerken - manchmal zu spät.

Sie sehen: So unangenehm Schmerzen sein können, verteufeln Sie die Pein nicht. Damit auch Sie ein gesundes Verhältnis zum Phänomen Schmerz aufbauen, sollten Sie ihn etwas genauer kennenlernen.

Fangen wir mit der Schmerzwahrnehmung an. Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Er kann sich ganz unterschiedlich anfühlen - brennend, ziehend, pochend, klopfend, bohrend, dumpf. Und er kann unterschiedlich stark sein. Eine gewisse Orientierung bezüglich der Stärke bietet die sogenannte Schmerzskala. Lösen Sie das folgende kleine Puzzle, um diese Skala kennenzulernen. Die Bilder mit der Skala und den Gesichtern kommen in die obere Reihe, die Erklärtexte in die untere Reihe.

Bild-URL /cmsmultimedia/19/104/238/112564166673.jpg Bildgröße X 600 Bildgröße Y 200 Anzahl Felder X-Achse 3 Anzahl Felder Y-Achse 2 Ausgabetext Glückwunsch! Sie haben das Bilderrätsel gelöst

Anleitung: Um die Reihenfolge der Bilder zu ändern, verschieben Sie diese mit gedrückter linken Maustaste an die gewünschte Position (mit einem Tablet-PC verschieben Sie die Bilder mit dem Finger). Wenn Sie die richtige Reihenfolge hinbekommen haben, erhalten Sie eine Meldung.

Als nächstes werden Sie den Weg des Schmerzes kennenlernen, vom Ort der Entstehung bis zu Wahrnehmung im Gehirn:

  • Station 1: Schmerzfühler reagieren auf Reize

    Unser Körper ist zu seinem eigenen Schutz mit unzähligen kleinen Schmerzfühlern ausgestattet. Sie nennen sich Nozizeptoren und sitzen am Ende der Nerven. Nozizeptoren reagieren auf Reize wie Hitze, Kälte und Druck, aber auch auf körpereigene biochemische Reize. Dazu gehören Botenstoffe wie Prostaglandine, Histamin oder Bradykinin, die der Körper unter anderem bei Entzündungen oder Gewebeschädigungen freisetzt. Nehmen Nozizeptoren Reize wahr, leiten sie diese als elektrisches Signal über Nervenfasern ans Rückenmark weiter.

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  • Station 2: Rückenmark leitet Signale ins Gehirn

    Das Rückenmark verläuft innerhalb der Wirbelsäule im sogenannten Spinalkanal, auch Wirbelkanal genannt. Es bildet zusammen mit dem Gehirn das Zentralnervensystem. Im Rückenmark verlaufen vom Gehirn absteigende und zum Gehirn aufsteigende Nervenbahnen. Es stellt damit die Kommunikation zwischen unserem Gehirn und den inneren Organen, den Muskeln sowie der Haut sicher. Deshalb können Querschnittsgelähmte zum Beispiel ihre Beine nicht mehr bewegen. Bei ihnen ist die Nervenleitung im Rückenmark unterbrochen.

    Kommen die elektrischen Signale im Rückenmark an, werden sie zur genauen Auswertung ans Gehirn weitergegeben. Wenn es schnell gehen muss, entscheidet das Rückenmark aber mitunter selbst, was zu tun ist. So zum Beispiel bei den Fingern auf der Herdplatte. Das Kommando "Hand wegziehen" erteilt das Rückenmark ohne Rückfrage beim Gehirn. Eine Meldung über den Vorfall an das Gehirn erfolgt erst später. Solch schnelle Reaktionen nennt man übrigens Reflexe.

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  • Station 3: Gehirn verarbeitet Signale als Schmerz

    Kommt das Signal im Gehirn an, wird es dort bewertet: Das Gehirn vergleicht das Signal mit früheren Meldungen und ordnet es als Gefahr oder Bagatelle ein. Jetzt erst nehmen wir den Schmerz als solchen wahr. Unser Leben lang verrechnen bestimmte Nervenzentren des Gehirns neu eintreffende Schmerzimpulse mit Vorerfahrungen. Daran angepasst empfinden wir die Schmerzen als schlimm oder weniger dramatisch. Diesen Lernprozess können Menschen sogar beeinflussen. Fakire zum Beispiel, die auf Nagelbrettern sitzen, gelingt es durch jahrelanges Meditationstraining Teile des Gehirns so zu beeinflussen, dass ihnen die Nägel keine Schmerzen (mehr) bereiten.

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Schmerzen als Reaktion auf einen tatsächlichen Vorfall im Körper sind wichtig und sinnvoll. Mediziner sprechen dann von akuten Schmerzen. Sie dauern nur eine gewisse Zeit an und schützen den Körper vor Überlastung und weiteren Schäden. Akute Schmerzen verschwinden wieder, wenn die Ursache behoben ist. Ein geheilter Knochenbruch tut nicht mehr weh. Ebenso verhält es sich bei Entzündungen, die durch entsprechende Behandlungen abklingen.

Doch es gibt auch Schmerzen, die nicht mehr nachlassen. Man nennt sie chronische Schmerzen. Genau das ist bei vielen Rückenschmerzarten der Fall. Zum einem kann eine dauerhafte Schädigung im Körper die Ursache dafür sein. Ein in der Wirbelsäule eingeklemmter Nerv zum Beispiel. Oder ein Bandscheibenvorfall. Was das genau ist, werden Sie noch später hier in der Gesundheitsakademie erfahren.

Erschwerend kommt hinzu, dass dieser Dauerreiz das System aus Schmerzreiz, Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung überlastet und zuweilen durcheinander bringt. Die Nervenzellen werden durch andauernde Schmerzen empfindlicher. Dadurch reagieren sie auch auf Reize, auf die sie zuvor nicht reagiert haben - zum Beispiel eine eigentlich normale Bewegung. Oder die Nerven melden sogar Schmerz, obwohl es überhaupt keine organische Ursache mehr dafür gibt. Dieses Einbrennen von Schmerz im Gehirn bezeichnen Experten als Schmerzgedächtnis. Der Schmerz ist selbst zu einer Krankheit geworden. Bei nicht wenigen Rückenleiden hat das Schmerzgedächtnis seine Hand im Spiel. Sie werden in späteren Lektionen noch einiges dazu erfahren.

In der nun folgenden Lektion zeigt Ihnen ein Video den Weg vom Schmerz durch den Körper und wie es zu einer Chronifizierung von Schmerzen kommen kann.

Ihr Fortschritt im Kurs Rückenschmerzen
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aktualisiert am 24.07.2013, erstellt am 27.10.2013
Bildnachweis: W&B / Röper

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